abc.Etüden KW 1/2 2022 I

abc.etüden 2022 01+02 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

es geht wieder los! In persönlicher Hinsicht ist das Jahr 2022 für mich exakt so weitergegangen wie das vorangegangene Jahr, das mit der Beharrlichkeit eines manischen Limbo-Tänzers versucht hat, auszuloten, wie weit es runterkommt, aufgehört hat, das ist aber natürlich kein Grund, liebgewonnene Angewohnheiten zu vergessen. Denn die zauberhafte Bloggerkollegin Christiane ruft erneut zu den Etüden auf, und ich leiste dem gerne Folge. Die Wortspende für die erste Runde des Jahres kommt diesmal vom Etüdenerfinder Ludwig Zeidler. Auf gehts!

„Und, gut reingekommen?“

„Leck mich!“

„Na, hör mal –  so ein Jahreswechsel ist doch immer auch ein Hoffnungsschimmer …“

„…der schon am Silvesterabend verglomm. Hatten wir nicht ein Böllerverbot? Na, wenn sich die Menschen an ihre Steuerpflicht so halten wie an das Böllerverbot, ist das Land in einigen Tagen pleite.“

„Na, die Leute wollen halt die Sau rauslassen.“

„Ach, in etwa so, wie die zehntausenden zerebral untertourig laufenden Menschen, die derzeit landauf, landab „Frieden, Freiheit, keine Diktatur!“ und „Widerstand!“ brüllen?“

„Na, deren Kritik an der Gängelung der Ungeimpften durch den Staat …“

„… ist ein gigantisches First-World-Mimimi, verbunden mit Dummheit unverzeihlichen Ausmaßes!“.

„Aber du kannst die doch nicht alle als …“

„… die Schwurbler? Doch! Kann ich!“

„Aber wenigstens einige haben doch legitime Argumente, sich nicht impfen lass…“

„Dafür, freiwillig ungeimpft zu sein, gibt es keine Argumente!“

„Doch! Spätfolgen? Außerdem: Wenn einige halt Angst haben, dass gerade sie die Impfung nicht vertragen …“

„… dann haben sie ein Problem mit vernünftiger Risikobewertung und sollten dann so konsequent sein, nicht mehr Auto zu fahren. Und Haushaltsunfälle erst! Tödliche Haushaltsunfälle waren 2019 viermal so häufig wie im Straßenverkehr. Nähen kann tödlich sein! Alkohol: Noch schlimmer. Rauchen: fatal. Ich könnte dir Zahlen nennen…“

„Verwirr die Leute nicht mit Statistiken!“

„Ja, und exakt das ist Teil des Problems. Aber was solls. Nicht zu vernünftiger Risikobewertung fähig sind oftmals ja sogar Organisationen wie die EU.“

„Inwiefern?“

„Na, da wurde doch kürzlich beschlossen Atomenergie als „grün“ einzustufen.“

„Oha!“

„Nun, wenn man zur Bewertung lediglich den CO2-Ausstoß herannimmt, dann mag das ja stimmen.“

„Aber?“

„Die Endlagerung! Das Endlager-Gesetz fordert, einen Aufbewahrungsort zu finden, in dem der Atommüll eine Million Jahre lagern kann. Hybris in Reinform, wenn man bedenkt, dass wir von Zivilisationen von vor einigen tausend Jahren nichts wissen, aber darauf vertrauen, dass Menschen IN einigen tausend Jahren schon wissen, was sie damit anzustellen haben.“

300 Worte.

Neulich in der Hölle #8

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan gerade friedlich an seinem Arbeitsplatz eingenickt ist, als sein Sekretär und Untergebener Lübke das Büro betritt.

„Morgen, Chef, ich …“

„WAAAAAA!“

„Bitte?“

„Tschuldigung, Lübke, ich war kurz weggenickt. Ich hab schlecht geschlafen in der letzten Nacht. Ich hatte einen fürchterlichen Albtraum.“

„Worum ging es?“

„Ich befand mich 40.000 Jahre in der Zukunft auf einer Gunther-von-Hagens-Ausstellung.“

„Der wird in 40.000 Jahren noch ausgestellt?“

„Nicht nur das, er hat sogar die Führung geleitet.“

„Was?“

„Ja, fragen Sie mich nicht. Jedenfalls erzählte er den Besuchern sinngemäß: „Hier sehen Sie einen Vertreter der Gattung „Homo skeptikus“, der Anfang des dritten Jahrtausends wegen seiner tief empfundenen Zweifel gegenüber der Existenz eines Virus leider ausgest…“

„Chef, bitte!“

„Ja, was kann ich denn dafür, was in meinem wirren Kopf so rum geht? Wobei, wenn ich mir die Menschheit in manchen Ländern in letzter Zeit so ansehe – so ganz unwahrscheinlich ist das Szenario nicht. Stimmen der Vernunft melden sich dabei nur selten zu Wort. Kennen Sie beispielsweise Bernhard Grubelnig?“

„Nein – müsste ich?“

„Das ist ein in Wien lebender ITler. Als dort am Wochenende 35.000 Menschen gegen die neuen Coronabeschränkungen, Lockdown etc auf die Straße gingen, bildete Grubelnig quasi die Gegendemo.“

„Allein?“

„Im Grunde genommen – ja. Eine Gegendemo fand nicht statt, stattdessen wurde eine für denselben Tag geplante Demo anlässlich des „Internationalen Gedenktages an Opfer von transphober Gewalt“ kurzfristig abgesagt, weil man seitens der Veranstalter „Gefahr von Angriffen“ gesehen hat.“

„Beschämend!“

„Absolut. Aber wenigstens war ja Herr Grubelnig da.“

„Und was tat er da so?“

„Er setzte sich eine Pferdemaske auf und hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift: „Gebt mir meine Medizin zurück!“ Einfach urkomisch!“

„Versteh ich nicht …!?“

„WIe jetzt, Lübke – haben Sie noch nie von „Ivermectin“ gehört?“

„Öhm, nein!?“

„Das ist ein Entwurmungsmittel, das derzeit in der Schwurblerszene ganz groß im Kurs steht.“

„Oh, ja, hat nicht sogar FPÖ-Chef Kickl vor einiger Zeit dieses Mittel empfohlen?“

„Ja, genau das war das!“

„Und? Wirkt es?“

„Nun ja – Kickl hat sich infiziert, insofern … hat er sich entweder nicht an seinen eigenen Tipp gehalten, oder er hat eine zu niedrige Dosis eingenommen oder es gab einen … ähm …“

„Entwurmungsdurchbruch?“

„Genau.“

„Aber ernsthaft jetzt: Wirkt das Zeug?“

„Ach, woher!? Schon sehr frühzeitig gab es eine Studie, in der festgestellt wurde, dass das Medikament durchaus gegen das Virus wirksam ist, allerdings in einer Dosierung, die für den Menschen … sagen wir … mehr als nur kontraproduktiv wäre. Zahlreiche folgende Studien haben daraufhin die Nutzlosigkeit des Medikaments bei der Bekämpfung der Pandemie bestätigt.“

„Und warum nehmen die Leute dann das Zeug, wenn doch wissenschaftlich erwiesen ist, dass es nichts bringt?“

„Denken Sie über die Frage, und insbesondere darüber, ob wissenschaftliche Evidenz in bestimmten Gruppierungen wirklich Relevanz oder nicht doch eher Hindernis bedeutet, vielleicht lieber nochmal nach …“

„Stimmt. Mein Fehler! Hm, aber … wenn die Leute das Zeug trotzdem einwerfen, hat das dann nicht irgendwie unerwünschte Folgen?“

„Natürlich! In höherer Dosierung führen die Tabletten zu Vergiftungserscheinungen. In Einzelfällen liegen Menschen deswegen auf der Intensivstation. In Australien ist die Anzahl von Menschen, die mit Vergiftungserscheinungen behandelt werden mussten, im vergangenen Juli bis August von 133 im vergleichbaren Zeitraum auf 459 angestiegen. Und noch viel schlimmer …“

„Ja …?“

„Das Medikament wird ja durchaus auch bei Menschen eingesetzt.“

„AHAAA!“

„Nix „Aha!“. Es ist aber bei entsprechender Dosierung sehr wirksam gegen die Flussblindheit.“

„Die was?“

„Die Flussblindheit. Eine Tropenerkrankung, die sich seit den 70ern ausgebreitet hat und die zwischenzeitlich dazu führte, dass Menschen in Afrika fruchtbare Flusstäler verlassen haben. Sie wird durch Fadenwürmer ausgelöst, die ihrerseits über Kriebelmücken übertragen werden.“

„Iiiiiihhhh!“

„Lübke, bitte. Jedenfalls, etwa 20 Millionen Menschen weltweit sind an diesen Fadenwürmern erkrankt. Und um die Flussblindheit bei diesen Menschen zu verhindern, bekamen sie „Ivermectin“. Das hat der Hersteller Merck bis dato sogar kostenlos abgegeben und über entsprechende Organisationen vor Ort verteilen lassen.“

„Bis dato? Warum bis dato?“

„Weil der Run auf das Medikament Auswirkungen auf die Menschen hat, die es eigentlich tatsächlich bräuchten. 153 Millionen Menschen wurden bislang regelmäßig damit versorgt. Menschen, die es, wie gesagt, eigentlich wirklich bräuchten. Allerdings monierte die WHO bereits im September, dass das Behandlungsprogramm gegen die Flussblindheit in der Hälfte der beteiligten Länder nur noch eingeschränkt durchgeführt wurde.“

„Verstehe ich das richtig: Weil egozentrische, schwurbelige, globulisierungsbegeisterte Wohlstandseuropäer auf einen Zug aufspringen, der anschließend bestenfalls einfach auf freier Strecke stehenbleibt, schlimmstenfalls aber direkt in den „Bahnhof Vergiftung“ fährt, werden unter Umständen andernorts Menschen erblinden?“

„Was echauffieren Sie sich denn so, Lübke? Dass einem nennenwerten Anteil der Bevölkerung ihre Mitmenschen scheißegal sind, sollte Sie nun wirklich nicht mehr überraschen.“

„Auch wieder wahr.“

„Was mich aber tatsächlich wundert …“

„Ja?“

„Ich frage mich, ob die Anhänger der Entwurmungskur wissen, wie ihr Medikament hergestellt wird …“

„Wieso?“

„Nun, weil für die Herstellung von „Ivermectin“, vereinfacht gesagt, gentechnisch veränderte Bakterien und ein chemisches Reinigungsverfahren notwendig sind.“

„Bitte?“

„Ja, wirklich. Bakterien werden ganz gezielt insofern gentechnisch manipuliert, dass man bestimmte DNA-Sequenzen in die Zellen einbringt, wodurch die Bakterien angeregt werden, mehr davon zu produzieren, woraus dann irgendwann später „Ivermectin“ wird. Später – nachdem man diese ganze bakterielle Suppe mit Dingen wie Methanol, Essigsäureethylester und Aceton gereinigt hat.“

„Mooooment mal!“

„Ja?“

„Man hat also Vorbehalte gegen die mRNA Impfstoffe, weil das ja Genversuche sind, alle Schlafschafe einen Chip implantiert bekommen sollen und Bill Gates uns alle zu Supersoldaten transformieren will, aber in so einem Fall ist Gentechnik dann wieder total töfte?“

„Scheint so …“

„Ein Albtraum …“

„Ja, sag ich doch!“

Neulich in der Hölle #7

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ursprünglich sollte folgender Text als weitere Etüde erscheinen, es war mir aber unmöglich, ihn in maximal 300 Worte zu pressen, weswegen sich Plan B anbot. Auf gehts:

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan missmutig an seinem Großrechner sitzt. Sein Sekretär, Lakai und Untergebener Lübke versucht, ihn aus diesem Zustand zu erretten.

„Sagen Sie, Chef …“

„Chef!“

„Was? Nein – ich meinte, sagen Sie, Chef: Sind Sie eigentlich kitzelig?“

„Nicht sonderlich. Wieso?“

„Weil ich nichts unversucht lassen würde, um Sie mal wieder zum Lachen zu bringen. Sie sehen in letzter Zeit immer so ernst aus?“

„Ach, wie sollte ich auch nicht? Sehen Sie doch, Lübke, den Menschen in Deutschland fliegen die Zahlen wieder um die Ohren, diesen Reisswolfblogspinner überkommt eine diffuse zunehmende  Besorgnis, da er im Falle eines Impfdurchbruchs mit beiden Händen ganz tief in die Scheiße gegriffen hätte, und trotzdem gibt es da eine Millionen Menschen umfassende Gruppe, die es partout nicht einsieht, sich mit einer Impfung daran zu beteiligen, dass man diese Situation unter Kontrolle bekommt.“

„Sie müssen davon aber noch die Kinder unter 12 Jahren abziehen. Und die, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können.“

„Natürlich. Bleiben aber trotzdem noch Millionen übrig. Und die? Scheren sich offensichtlich einen Scheißdreck darum, welche Konsequenzen ihre ach so eigenständige Entscheidung für die Gesellschaft hat.“

„Nämlich?“

„Nun, in Pandemiezeiten konnte bisher jede siebte Krebs-Operation nicht durchgeführt werden. Das war lange Zeit aufgrund des fehlenden Impfstoffs eben der Preis, der zu zahlen war. Müsste jetzt aber eigentlich gar nicht mehr sein. Zudem wurden im vergangenen Jahr 13 Prozent weniger Darmkrebsdiagnosen gestellt. Nun werden die Menschen natürlich nicht plötzlich wundersamerweise signifikant weniger an Darmkrebs erkranken – das wüsste ich, ich bin hier in leitender Funktion, wie Sie wissen -, sondern das resultiert daraus, dass Menschen weniger zum Arzt gehen konnten oder wollten.Operationen wie Diagnosen werden sicherlich mit Verzögerung durchgeführt bzw. erstellt. Nur im Einzelfall dann eben vielleicht zu spät. Und auch hier: Müsste eigentlich nicht mehr sein!“

„Aber?“

„Aber stattdessen werden zahlreiche Intensivbetten von Ungeimpften belegt und die sowieso schon im Normalbetrieb am Limit arbeitenden Menschen in der Krankenpflege geraten erneut an ihre Grenzen und darüber hinaus. Währenddessen kümmern Sie sich aufopferungsvoll um Menschen, von denen sie vor über einem Jahr noch beklatscht wurden, die ihnen aber mit einer Impfung wesentlich mehr geholfen hätten als mit Applaus.“

„Tja …“

„Wissen Sie, Lübke, ich habe leider keine Ahnung, was in den Köpfen dieser Menschen so vor sich geht. Was soll man auch von Leuten halten, die sich so gewollt edgy mit ihrer Entscheidung gegen die Politik, das Establishment, den Mainstream oder was auch immer, insbesondere aber gegen die Gesellschaft stellen, in der sie leben, im vollständigen Wissen, dass sie im Falle einer Erkrankung von eben dieser Gesellschaft ja versorgt werden?“

„Nun ja, man muss aber auch deren berechtigte Bedenken verstehen!“

„Berechtigte Bedenken? Welche denn?“

„Na, die Sorge vor Nebenwirkungen beispielsweise?“

„Lübke, weltweit wurden über vier Milliarden Impfdosen verabreicht, meinen Sie nicht, man wäre dabei auch auf die seltenste aller möglichen Nebenwirkungen gestoßen? Außerdem wird das doch minutiös überprüft. Nur so ist man in Deutschland doch der Hirnvenenthrombose auf die Schliche gekommen!“

„Durch die aber Menschen zu Tode gekommen sind!“

„Lübke, das habe ich doch gestern schon erwähnt. Das PEI spricht von 48 zweifelsfrei mit der Impfung in Zusammenhang stehenden Todesfällen. Demgegenüber stehen nahezu 100.000 Tote durch das oder mit dem Virus. Die Leute können bloß die Vorstellung nicht ertragen, Schaden zu nehmen, durch etwas, das sie aktiv betrieben haben. Auf der gegenüberliegenden Seite denken sie, dass das Virus ausgerechnet sie ganz bestimmt nicht erwischen wird. Aus dem gleichen Grund werfen sich Menschen einen Schachtel Roth-Händle ins Gesicht. Oder kippen sich literweise Bier am Tag rein. Oder fahren besoffen Auto. Oder brechen irgendwo ein. All das, weil sie denken: Mich wird es schon nicht erwischen. Bis zu einem gewissen Grad ist das ja auch eine gesunde, hilfreiche Einstellung, aber …“

„Na gut, dann sind die Nebenwirkungen kein Argument. Dann vielleicht eher die weggefallenen Intensivbetten? Wenn da mehr wären, dann …“

„Inwiefern ist medizinische Infrastruktur ein Argument gegen eine Impfung?“

„Ähm, …“

„Eben!“

„Aber was ist denn mit Langzeitstudien?“

„Wie wollen Sie denn zu einem Impfstoff, der seit einem Jahr zugelassen ist, eine Langzeitstudie entwerfen?“

„HA! Dann ist das doch ein Argument!“

„Ist es nicht! Denn das gilt für jeden neu eingeführten Impfstoff, für jedes neu zugelassene Medikament. Oder glauben Sie, irgendeine Pharmafirma lässt ein neu entwickeltes Medikament erst mal 25 Jahre im Schrank stehen, damit die  frustrationsintolerante Minderheit in Deutschland mit der mangelnden Fähigkeit zur adäquaten Risikobewertung beruhigt ist?“

„Nein?“

„Nein.“

„Okay, dann: Wer sagt denn, dass die wahre Gefahr nicht eher von den Geimpften ausgeht, die werden schließlich nicht mehr getestet und können das Virus damit unbemerkt und unwissend weitergeb…?“

„Lübke, wenn Sie noch mehr solchen Unsinn verzapfen, werfe ich Sie raus! Einerseits ist die Viruslast nach aktuellem Stand bei infizierten Geimpften geringer und zum anderen: Das ist doch schon wieder kein Argument, sich nicht impfen zu lassen!“

„Zugegeben, aber … ähm, die Langzeitfolgen!“

„ES GIBT KEINE LANGZEITFOLGEN, VERDAMMTER MIST!“

„Chef, bitte, nicht in diesem Ton!“

„Nein, Lübke, langsam reicht es! Es gibt bei Impfungen keine Langzeitfolgen. Hat es nie, gibt es nicht, wird es auch niemals! Wer trotzdem damit anfängt, beweist auf beeindruckende Weise, dass er keine Ahnung hat. Außerdem: Glauben Sie, die Menschen machen sich Gedanken um die Langzeitfolgen von Paracetamol, Ibuprofen, Pantoprazol oder Vomex? Nein? Und trotzdem werfen sich Millionen Deutsche das Zeug täglich wie Süßigkeiten ein! Aber beim Impfstoff, da muss nun bitte sofort und für alle Zeit ausgeschlossen werden, dass man irgendwann nach 291 Jahren …“

„Ist ja gut.“

„Es ist eben nicht gut. Und es ist deswegen nicht gut, weil sich Millionen Menschen in diesem Land auf einem Egotrip befinden. Millionen Menschen, die den Gedanken nicht ertragen können, dass man ihnen den Ratschlag gibt, etwas Bestimmtes zu tun, weswegen sie sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt sehen. Die erinnern mich irgendwie an Müller-Lüdenscheidt und Klöbner von Loriot.“

„Inwiefern?“

„Na, solche Sätze wie „In meiner Wanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen.“ oder “Mein Badewasser lasse ich mir ein, wenn ich es für richtig halte.“ oder ganz besonders “Herr Müller-Lüdenscheidt, es wäre ja immerhin denkbar, dass es gewisse Argumente gäbe, die dafür sprächen, das Wasser jetzt einlaufen zu lassen.”, finden sie nicht, dass man die gut und gerne auch auch in ähnlicher Form auf die Impfverweigerer … nicht!?“

„Nein, eigentlich nicht.“

„Schade, ich schon.“

„Wie dem auch sei. Was könnte man denn tun, um die Situation zu retten?“

„Nun ja, ich bin der Fürst der Finsternis, meinetwegen kann man also auch einfach gar nichts tun, womit sich unsere Belegschaft erhöht. Sozialdarwinismus eben.“

„Oder!?“

„Oooooder … Kürbisse!“

„Was?“

„Kürbisse! Wir füllen Millionen kleiner Zierkürbisse mit jeweils Äonen von Globuli, schreiben „Wodarg-Bhakdi-Pharmaceuticals“ drauf und behaupten, dass es sich bei diesen Globuli um die wirksamste Prophylaxe vor dem Virus handelt. Ich nenne die Aktion „Die große Globulisierung“.“

„Aha. Und dann.“

„Nun, mittels Autosuggestion verstärken sich die Selbstschutz- und -heilungskräfte der Probanden bzw. deren Immunsystem so, dass sie weniger bis gar nicht mehr erkranken.“

„Und falls nicht?“

„Tja, dann eben: Sozialdarwinismus!“

Neulich in der Hölle … #6

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, wo deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan schon seit dem frühen Morgen an seinem Rechner sitzt und schwer in seine Arbeit vertieft ist, als sein Assistent und Untergebener Lübke die Szenerie betritt.

„Morgen, Chef!“

„Morgen, Lübke!“

„Sie sind schon vor mir da?“

„Schon seit Stunden!“

„Ach, und was ist so wichtig, dass Sie schon so früh …?“

„Ich spiele ein bisschen mit AutoCAD rum.“

„Mit was?“

„Egal. Sagen wir einfach: Ich plane einen Anbau, eine Erweiterung unsere Betriebsgeländes quasi.“

„Ach. Und für wen?“

„Für die CDU/CSU!“

„Bitte? Aber Chef, das sind doch …, die sind doch …“

„Christlich?“

„Pssssst! Genau …“

„Das glauben Sie wirklich, Lübke?“

„Nun ja, es steht in ihrem Parteinamen drin, oder nicht!?“

„Offiziell ja, die Faktenlage ist aber doch wohl eine andere.“

„Inwiefern?“

„Nun, während in Deutschland ja alles nur über 2G und 3G und ähnliches spricht …“

„…was man nicht müsste, wenn man …“

„…jetzt kommen Sie mir nicht mit der Impfkampagne!“

„Nein, die lief doch eigentlich ganz brauchbar und war vernünftig organisiert. Die Berichterstattung war es vielleicht eher, die uns jetzt das metaphorische Genick statt der vierten Welle bricht.“

„Wieso?“

„Nun, anstatt detailliert deutlich zu machen, was diese Impfstoffe nun so genau tun – manche scheinen ja heute noch zu denken, seinerzeit sei ihnen mit der Spritze ein Jungbrunnen, eine Abkehr aller Krankheiten und ein blattgoldüberzogener 911er versprochen worden -, hat man sich seitens der Medien auf eine rund-um-die-Uhr-Berichterstattung über Nebenwirkungen eingeschossen. Bringt eben mehr Quote. Das PEI spricht derweil von 48 Todesfällen im Zusammenhang mit der Impfung. Nur zur Erinnerung: Dem stehen fast 100.000 Todesfälle durch das oder mit dem Virus gegenüber. Aber Statistiken sind ja völlig egal, denn die Büchse der Panik-Pandora war bereits geöffnet und hat in einer Bevölkerung, die in Teilen ohnehin schon nicht ganz rund läuft, dafür gesorgt, dass es Krankenschwestern gibt, die sagen, dass sie mehr Angst vor der Impfung als vor dem Virus haben, was mich an ihrer grundsätzlichen Eignung für ihren Job zweifeln lassen, und dass man in Deutschland mit einer Impfquote herumdümpelt, über die man sich in Spanien, Italien, Dänemark oder Belgien scheckig lachen würde, während vor einem Jahr 90 Prozent der Bevölkerung wohl noch bereit gewesen wären, für eine sofortige Impfung ihren Nachbarn rituell zu enthaup…“

„Lübke, bitte!“

„Na, ist doch so!“

„Mag sein, es lenkt aber vom eigentlichen Thema ab.“

„Wir hatten ein Thema?“

„Ja, verdammt! Die CDU/CSU!“

„Ach so, ja …“

„Jedenfalls, während sich Deutschland in egozentrischer Identitätspolitik und Endlosdiskussionen über 2G oder 3G ergeht, ist anderswo, mit Verlaub, die Kacke am dampfen, und niemand scheint es zu interessieren.“

„Beispiel?“

„Och, nehmen Sie nur mal die Lage an der Grenze zwischen Polen und Belarus.“

„Oh – okay …“

„Da sitzen nun also mehrere tausend Menschen.“

„Und die werden jetzt von Polen aufgenommen?“

„Nun, nicht direkt … Zunächst mal sieht die polnische Hilfe für diese Menschen so aus, dass man Pushbacks für legal erklärt hat.“

„Das geht?“

„Offensichtlich …“

„Einfach so …?“

„Ja, was weiß denn ich? Wie auch immer: Glücklicherweise lässt Deutschland ja seine polnischen Nachbarn nicht allein!“

„Gut, dann werden die Menschen dort aufgenommen?“

„Nun, nicht direkt. Seehofer (CSU) hat viel mehr bei der EU die Unterstützung für die Polen beantragt und hat gesagt: „Da müssen wir auch öffentlich die Polen unterstützen. Wir können sie nicht dafür kritisieren, dass sie mit zulässigen Mitteln die Außengrenze der EU schützen“ (…) „Natürlich nicht mit Schusswaffengebrauch, aber mit den anderen Möglichkeiten, die es ja auch gibt.“

„Zulässige Mittel? Andere Möglichkeiten? Alter …!“

„In die gleiche Kerbe schlägt Stephan Meyer, Staatssekretär im Innenministerium …“

„…und in der CSU?“

„Natürlich. Der jedenfalls sagt:“Wir bieten Polen jede Hilfe an, um den Angriff auf die Grenze zu Belarus abzuwehren. Deutschland könnte auch sehr zeitnah Polizeikräfte zur Unterstützung nach Polen schicken, wenn Polen dies möchte.“

„Angriff auf die Grenze? Haben die Flüchtlinge T-34-Panzer dabei, oder was?“

„Nicht dass ich wüsste! Wie auch immer, in dieser prekären Lage lässt die EU natürlich ihre Mitgliedsstaaten Polen und Deutschland nicht allein.“

„HA, deswegen nehmen die jetzt die Flüchtlinge auf? Ich wusste doch, dass es mit der Menschlichkeit in Europa noch nicht ganz vor die Hunde…“

„Nun, nicht direkt. Die EU beschäftigt sich primär mit weiteren Sanktionen gegen Belarus und diverse Fluglinien. Frau von der Leyen (CDU) sagte: „“Ich fordere die Mitgliedsstaaten auf, die erweiterte Sanktionsregelung gegen die belarussischen Behörden, die für diesen hybriden Angriff verantwortlich sind, zu billigen.““

„Hybrider Angriff? Meine Fresse, diese Kriegsrhetorik! Und nun, irgendwie will anscheinend jeder jeden unterstützen, nur irgendwie niemand die Flüchtlinge selbst?“

„Nun, nicht direkt. Indirekt schon: Die EU-Grenzschutzagentur Frontex, die Asylbehörde Easo und die Polizeibehörde Europol könnten seitens der Polen angefordert werden.“

„Ach so, die Polen müssten nur drum bitten. Na, dann dürfte das ja innerhalb weniger Stunden BIS VIELLEICHT NIE PASSIEREN, VERDAMMTE KACKE!“

„Lübke, bitte, mäßigen Sie sich!“

„Ja, wie denn? Außerdem: Was hat Frontex mit Hilfe für Flüchtlinge zu tun? Da könnte man auch das in Guben aufmarschierte Dritte-Weg-Neonazi-Völkchen schicken!“

„Tja, ziemlich verfahrene Situation, so wie es scheint. Frau von der Leyen sagte weiter, die „zynische Instrumentalisierung von Migranten“ müsse aufhören.“

„Das einzige, was hier zynisch ist, ist der Umgang mit Menschen im Niemandsland.“

„Kann man so sehen. Aber was will man denn auch machen?“

„Wie: Was will man machen? Spielen Sie gerade Advocatus Diaboli?“

„Finden Sie nicht, dass ich für die Rolle gerade zu perfekt …? Nein? Egal. Jedenfalls, Seehofer sagte, die Schicksale der Flüchtlinge würden dazu eingesetzt, den Westen zu destabilisieren.“

„Den Westen zu destab…? Wieviele Menschen sitzen da jetzt doch gleich?“

„Na, so 3.000 bis 4.000!?“

„Ey, mit 4.000 Einwanderern den Westen destabilisieren zu wollen,  ist ungefähr so, wie den FC Bayern München durch die Entführung eines Zeugwarts destabilisieren zu wollen!“

„Aber – wenn sie sich das ganze Chaos ansehen … funktioniert das offensichtlich ganz gut …“

„Auch wieder wahr. Sagen Sie, Chef, wo kommen diese Leute eigentlich her?“

„Na, mehrheitlich aus dem Irak und Afghanistan, war zu lesen.“

„Oh, Afghanistan. Das Land, in dem der Westen so ziemlich alles verkackt hat, was zu verkacken war?“

„Eben jenes!“

„Na, vielleicht schaffen sie es ja wenigstens, bald alle Menschen dort aus- und hier einreisen zu lassen, die ein Anrecht darauf haben und zudem eine Klärung hinsichtlich der Asylfrage aus Afghanistan herbeizuführen.“

„Nun …“

„…nicht direkt?“

„Nicht direkt.“

„Aber wieso? Die USA haben den Afghanen gerade die Einwanderung erleichtert. Zudem: Das Land steuert auf eine riesige Hungersnot zu, das gilt für fast 23 Millionen der 39 Millionen Einwohner. Und das weiß man!“

„Nun, nicht direkt. Also, ja, das Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) weiß das. Das Auswärtige Amt wiederum sagt, alles in Afghanistan sei „schwer zu verifizieren“, auch wenn man damit eher weniger die Nahrungsmittelnversorgung meint. Trotzdem hat man dort, also im Auswärtigen Amt, unlängst einen „Bericht über die Lage in Afghanistan“ erstellt.“

„Aha! Und anhand dieses Berichts wird nun sichergestellt, dass die afghanischen Flüchtlinge in Belarus nun doch in Deutschland …“

„Nun, nicht direkt.“

„SONDERN?“

„Lübke, bitte. Für gewöhnlich haben solche Berichte schon eine Leitfunktion für das BAMF oder die Gerichte.“

„Ja, aber?“

„Aber im vorliegenden Fall handele es sich eher um eine „Momentaufnahme“, hieß es.“

„Ach was? Und das bedeutet?“

„Na, dass es eben keine Auswirkungen auf BAMF oder Gerichte hat. Stattdessen wartet man derweil auf „Leitlinien, die das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen (Easo) erstellen und „ein gesamteuropäisches Vorgehen“ sicherstellen soll.“

„MUHAHAHAHAHA!“

„Was denn?“

„Gesamteuropäisches Vorgehen!“

„Hm, ist mir nicht aufgefallen, aber: Ja, der war gut!“

„Und … was sind nun die Folgen aus all dem?“

„Kommt drauf an, wen sie fragen.“

„Inwiefern?“

„Nun, die Folgen in Deutschland sind erst mal, dass es keine gibt. Man ergeht sich so in der egozentrischen First-World-Problem-Frage, wer wann welche Veranstaltung besuchen darf, dass man sich unmöglich noch mit Dingen beschäftigen kann, die nicht das eigene Idividuum betreffen.“

„Und weitere Folgen?“

„Nun, eine ist jedenfalls, dass ich hier diesen Anbau für die CDU/CSU baue.“

„Gute Idee, Chef! Und …“

„Ja?“

„Vergessen Sie das Schwefelbad nicht. Ein schönes, großes, sehr, sehr heißes Schwefelbad!“

 

 

Links:

tagesschau – EU fordert weitere Sanktionen gegen Belarus

Welt – Lage spitzt sich zu, Polen schließt Grenzübergang

Zeit – Seehofer fordert Unterstützung der EU für Polen

tagesschau – Außenamt zur Lage in Afghanistan

Spiegel – Uno warnt vor Hungersnot in Afghanistan

 

abc.Etüden KW 44/45 2021 I

abc.etüden 2021 44+45 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

aus aktuellem Anlass gibt es nach kurzer Etüdenabstinenz meinerseits die erste Etüde für die Kalenderwochen 44 und 45. Die Etüden werden, wie gehabt, von Christiane organisiert, die Wortspende steuert diesmal der wortverdreher Christian bei. Los gehts:

„Na, worüber reden wir heute?“

„Über ein, sagen wir, eher kitzliges Thema.“

„Nämlich?“

„Schon gehört?“

„Was denn?“

„Die isrealische Energieministerin Karine Elharrar ist zu Gast bei der Klimakonferenz in Glasgow.“

„Und?“

„Und sie sitzt im Rollsstuhl.“

„Okay – aber inwiefern ist das relevant?“

„Oh, das ist sehr relevant, denn … sie kam bei einer Veranstaltung der Klimakonferenz nicht rein.“

„Bitte? Wie jetzt, ist sie an der Security gescheitert, oder was!?“

„Och, bitte. Nein, viel banaler: der Zugang zum Veranstaltungsort war nicht barrierfrei. Nach zweistündigem Warten ist Frau Elharrar wieder ins Hotel zurückgefahren.“

„Wie überaus peinlich!“

„Nein, so wirklich peinlich ist nur die Reaktion des britischen Energieministers George Eustice.“

„Inwiefern?“

„Es hieß, er bedauere den „Vorfall“, suche die Verantwortung dafür aber in Teilen bei der israelischen Delegation. „Was normalerweise in dieser Situation passieren würde, ist, dass Israel uns über diese besondere Anforderung für ihre Ministerin informiert hätte“, sagte er der BBC.“

„WAS!? Also, entschuldige mal, eine solche Veranstaltung hat per se barrierefrei zu sein!“

„Im Prinzip – ja …“

„Da könnt ich mich ja schon wieder aufre… ist doch klar, dass Kürbis-Kopf Johnson das nicht hinbek…“

„Oh, bitte! So weit ich weiß, sieht es mit der Barrierefreiheit in Großbritannien ansonsten gar nicht so schlecht aus. Nur hier hat man es eben vergeigt.“

„Trotzdem. Ich stelle mir gerade vor, wie ich im tiefsten Blizzard an einem nicht barrierefreien Gebäude ankomme und das letzte, was man von mir findet, ist ein in die Eisblumen am Fenster gekrakeltes: „Ich war hier!“

„Ist das nicht ein bisschen überdramatisiert?“

„Solange wir uns einerseits um immer vorsichtigere, immer samtpfötigere, immer inklusivere Sprachregelungen bemühen, damit sich bloß niemand auf den Schlips getreten fühlt, wir andererseits aber bei den ganz handfesten Dingen verkacken, werde ich nach Belieben überdramatisieren!“

„Aber das hat doch gar nichts miteinander zu tun!?“

„Das glaubst aber auch nur du!“

300 Worte.

Addendum: Ein Kommentar-Potpourri aus dem den Sachverhalt betreffenden Artikel der „Welt“.

„(…) wenn die sich von solchen Lapalien von der Arbeit abhalten lässt, dann ist sie definitiv im falschen Job.“

„Ein Klimagipfel ist dazu da, um über das Klima zu reden. Er ist nicht dazu da, um über Inklusion zu reden oder über Gendertoiletten oder über den Frauenschachverein Wanne-Eickel.“

„Ich sehe beim Aktivistenlieblingsthema „Inklusion“ nur ganz wenige Unterschiede zu anderen Trendthemen wie Gendern, Gendertoiletten, Trans und natürlich Identitätspolitik.(…) Die Gesellschaft soll sich demnach nicht mehr an der Mehrheit zu orientieren, sondern an irgendwelchen kleinen Randgruppen.“

„Wer das so stehenlässt und glaubt, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein.“

„Ist das dann Antisemitismus oder mangelende Sensibilität für Inklusion ?“

Machmal frage ich mich, ob den Menschen nicht bewusst ist, wie zum Kotzen sie sind!

abc.Etüden KW 40/41 II

abc.etüden 2021 40+41 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

aus aktuellem Anlass, und da ich gerade ein für 300 Worte hoffentlich ausreichend großes Zeitfenster habe, gibt es hier schon mal die nächste Etüde auf Einladung von Christiane und zur Wortspende von Yvonne:

 

„Sag mal …“

„Ja?“

„Facebook und Konsorten waren doch gestern ein paar Stunden down, oder!?“

„Ja. Irgendein Geheimkünstler hat ein DNS-Problem verursacht. Mehrere Stunden mussten sich Menschen einen anderen Lebenszweck suchen, als ihren Hass ins Netz zu kotzen. Schreckliche Zustände. Wieso?“

„Ob wir diverse Medienvertreter auch irgendwie down kriegen?“

„Wieso?“

„Na, hier: Heute geht der Nobelpreis für Physik an drei Forscher, von denen zwei „den Grundstein für unser Wissen zum Klima“ gelegt haben, den Rest der sperrigen Begründung spare ich mir.“

„Ja, und?“

„Und gestern twittert Nikolaus Blome: „Kleine Nachfrage zum Erstwähler-Gleichstand zwischen Grünen und FDP: Könnte es sein, dass der moralisch übersättigte Unbedingtismus vieler Klimaschutzaktivisten langsam auch jüngeren Menschen auf den Zeiger geht?“

„Ach, was!? War das nicht vielleicht eher das Linksruck-Soziallismus-Rote-Socken–Schreckgespent-Geblubber, das in den letzten Wochen Laschets Kampagne getragen hat?“

„Möglich. Währenddessen will die ansonsten wissenschaftsferne „Welt“ schon vor zwei Wochen gewusst haben, warum Nobelpreistäger Hasselmann den Preis verdient, veröffentlicht aber heute einen Kommentar zum Klimawandel mit dem Titel „Die Unvernunft der Apokalyptiker“ und nimmt in einem weiteren Artikel vor ein paar Tagen ein zauberaftes Zitat als Titel: „Verbohrte Umweltschützer sind schlimmer als die Klimakatastrophe“.

„Die sollten sich mal entscheiden. Kannste dir nicht ausdenken …! Und … was macht die BILD?“

„Na, die hat doch jetzt einen eigenen Fernsehsender. Der sich allerdings meiner Meinung nach eher für den Strafvollzug eignet: Zwei Stunden BILD-TV sind schlimmer als jedes Waterboarding!“

„Hast du ein Beispiel?“

„Gerne. Die Virologin Melanie Brinkmann hat sich für die Beibehaltung der Maskenpflicht an Schulen ausgesprochen und über die Abschaffung selbiger sagte sie, sie halte „diese Entscheidung für verfrüht – und ehrlich gesagt auch für ziemlich dumm.“

„Und?“

„Und BILD-TV macht daraus: „Merkels Krawall-Biologin. Merkel-Virologin beschimpft Kinderärzte. Der Masken-Wahnsinn geht weiter!“

„“Masken-Wahnsinn? Klingt wie bei ´ner Querdenken-Demo!“

„Jo, und sie suggerieren eine nie erfolgte Beleidung von Personen!“

„Was ein Pack!“

 

300 Worte

 

 

 

abc.Etüden KW 40/41 I

abc.etüden 2021 40+41 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

auf Einladung von Christiane und zur Wortspende von Yvonne und ihrem Blog umgeBUCHt folgt nunmehr die erste Etüde für diese und nächste Woche:

„Sag mal …“

„Ja?“

„Weißt du, was ein „Geheimkünstler“ sein soll?“

„Was? Nee, warum …?“

„Weil ich für einen Text … ach, das würde zu weit führen. Also, keine Idee?“

„Weiß nicht … vielleicht – Banksy?“

„Oh, du meinst also praktisch Künstler, deren Identität man nicht kennt?“

„Zum Beispiel, ja. Vielleicht auch …  die Leute in den Pandora Papers? Die beherrschen die Kunst, ihr Geld ganz geheim am weltweiten Fiskus vorbei …“

„Ach, die Geschichte. Nun ja, wobei von „geheim“ da ja jetzt nicht mehr so die Rede sein kann.“

„Auch wieder wahr. Umso mehr wundert mich, dass das Ganze medial bislang eher so ´ne Randnotiz zu sein scheint.“

„Vielleicht, weil die Normalsterblichen es von der Finanzelite dieser Welt schon nicht mehr anders erwarten?“

„Das wäre schlimm. Ähnlich schlimm, wie die Ausreden der Aufgeflogenen, die suggerieren sollen, dass das alles ganz legal ist.“

„Ist es ja vielleicht auch!? Vielleicht ist das Thema auch einfach zu schwierig und sperrig, als dass sich die Normalsterblichen wirklich intensiv damit auseinandersetzen wollen.“

„Mag sein. Ich hab ja auch keine Ahnung, wie diese Briefkastenkonstrukte funktionieren.“

„Stell dir vor du hast Geld! Viel! Nun gründest du mithilfe eines Rudels gewissenloser, moralisch verkommener Banker eine Briefkastenfirma in der Steueroase XY.“

„Was macht diese Firma?“

„Ja, nichts! Und dann lässt du dieser Firma dein Geld für vermeintliche Dienstleistungen zukommen. Und von dem Geld kauft diese Firma – also im Prinzip du – dann beispielsweise reihenweise Immobilien. Und von all den Transaktionen hat der Fiskus deines Heimatlandes nichts!“

„Verwerflich!“

„Aber offensichtlich en vogue. Nach Schätzungen des ICIJ …“

„Des was …?“

„Ein investigatives Journalismus-Netzwerk. Jedenfalls, nach dessen Schätzung sind weltweit zwischen 5,6 und 32 Billionen US-Dollar durch solche Offshore-Geschäfte vor dem Fiskus versteckt. 32! Billionen! Dollar! Das wäre deutlich mehr als ein Drittel des weltweiten jährlichen BIP!“

„Heftig!“

„Japp! So, ich muss los. Arbeiten. Irgendwer muss ja schließlich Steuern zahlen …“

300 Worte für etwas, für das es eigentlich keine Worte gibt.

abc.Etüden KW 38/39 II

abc.etüden 2021 38+39 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

auf gewohnter Einladung von Christiane und zu einer Wortspende von Werner folgt nunmehr die nächste Etüde:

 

„Und sonst?“

„Ich hab gestern immer dann, wenn Paul Ziemiak „Zukunftskoalition“ gesagt hat, einen Korn getrunken.“

„Oha, ein Trinkspiel?“

„Japp. Anders ließ sich der Wahlabend nicht ertragen.“

„Wieso? Die SPD …“

„… ist stärkste Partei, richtig. Aber so wie sich Frau Baerbock gestern an Herrn Lindner rangewanzt hat, bringt das alles nichts. Zwar ist aus Unionssicht aus gut acht Prozentpunkten Verlust einen Regierungsauftrag abzuleiten, mindestens verwegen, aber was solls!? Es geht um Mehrheiten. Und da fühlen sich die Überläufer-Grünen bei schwarz-gelb wohl eindeutig wohler, das war gestern klar herauszuhören.“

„Und nun?“

„Nun gibt es Jamaika unter Führung eines Kanzlers, der nicht mal einen Zettel falten kann und der antritt, die „Fesseln“ der Wirtschaft zu lösen. Jene „Fesseln“, die so unfassbar eng anliegen müssen, dass diese Wirtschaft immer noch schwarze Shampoo-Flaschen und Lebensmittelumverpackungen aus vier verschiedenen Kunststoffen produzieren darf, die nicht mal ein Extinction-Rebellion-Aktivist mit innerem „Monk“ ordnungsgemäß getrennt kriegt.“

„Aber…“

„Und in vier Jahren, da fällt dem verwunderten Wahlvolk auf, dass man immer noch keinen bezahlbaren Wohnraum hat, keinen erträglicheren Mindestlohn, keine Vermögensteuer, keine umfassendere, anständige EU-weite Finanztransaktionssteuer, dafür aber weiterhin Altersarmut und Menschen in Vollzeitjobs, die aufstockend Gelder beantragen müssen. All das, inklusive sozialer Gerechtigkeit, wurde gestern von den Grünen auf dem Altar der Regierungsbeteiligung geopfert.“

„Düstere Prognose.“

„Mag sein. Vielleicht irre ich mich auch und bin einfach nur sickig. Meine einzige Hoffnung ist, dass die Grünen einsehen, dass Klimaschutzpolitik mit schwarz-gelb für sie so sinnvoll ist, wie die Behandlung von Alkoholismus mit dem Paul-Ziemiak-Trinkspiel.“

„Abwarten. Was war sonst?“

„Abgesehen von Frau Weidel, die vorrechnete, dass ihre Partei trotz Verlusten von zweikommairgendwas Prozentpunkten im „bereinigten“ Ergebnis sogar dazugewonnen habe?“

„Ich würde den Bundestag auch gerne mal um die AfD „bereinigen“.

„D´accord! Jedenfalls: Abgesehen davon war nichts. Und nun verkrümele ich mich wieder ins Bett.“

„Auswirkungen des Ziemiak-Korns?“

„Davon kannste ausgehen.“

 

300 Worte.

abc.Etüden KW 38/39 I

abc.etüden 2021 38+39 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich habe beschlossen, den Vorlauf vor den einzelnen Etüden fürderhin kurz zu halten, daher: Auf Einladung von Christiane und zur Wortspende von Werner und seinem Blog „Mit Worten Gedanken horten“ gehen die Etüden hier in die nächste Runde. Rettungstruppe aufi:

„Und sonst?“

„Ich versuche, ein auf der „Vogelhochzeit“ basierendes Gedicht zur Bundestagswahl unter stetiger Wiederholung der Zeile „Triellalala, Triellalala, Triellalalalala“ zu schreiben.“

„Lass es lieber.“

„Okay, dann … reg ich mich alternativ halt doch wieder auf.“

„Worüber?“

„Dass alles den Bach runtergehen wird.“

„Düstere Prophezeihung. Konkret?“

„Na, im Landkreis Rosenheim wurde jetzt eine mutmaßliche „Querdenker“-Schule ausgehoben.“

„Nicht dein Ernst!“

„Doch. Dort wurden 50 Kinder der Klassen 1 bis 9 unterrichtet.“

„Von wem?“

„Nun, von „Kräuter- und Musikpädadogen“, sagte die Leiterin. Und von „Schamanen“.“

„Kräu… was soll das überhaupt sein?“

„Ja, keine Ahnung. Die Leiterin – eine verbeamtete Lehrerin einer Grund- und Mittelschule, die sich offiziell im Krankenstand befindet und die sich selbst als „aus dem System ausgestiegene Lehrerin“ bezeichnet …“

„…also so was wie Höcke …?“

„Hm, irgendwie schon, nur dass der auch noch beispielsweise über die Parteienfinanzierung staatlich alimentiert wird. Jedenfalls, die Leiterin sagte, sie habe die Einrichtung, die im Übrigen „russisches Staatsgebiet“ sei, als Stiftung gegründet, nach „Eingebungen von oben“.

„Von Ballweg?“

„Nee, ich glaub, das meinte sie anders.“

„Vermutlich. Und jetzt?“

„Jetzt wäre es mir am liebsten, diese ganzen Irren und Bemackten würden sich eine schottische Insel kaufen und sich dahin verkrümeln, aber stattdessen … sollte man ihnen vielleicht nach Demos vor Schulen, Mollies auf Impfzentren und Schüssen in Tankstellen mal endlich anständig vor den Koffer kacken und sagen: „Ihr seid irre im Kopf, lasst euch helfen!“

„Und du meinst, das würde helfen?“

„Vielleicht. Jahrelang hat die Politik doch gesagt, man müsse die Sorgen und Ängste der Bürger ernst nehmen, auch wenn die darin bestanden, sich vor einer unheiligen Allianz aus Smaug und dem Geheimdienst Neuschwabenlands zu fürchten, die mich aus der Garage überwachen. Vielleicht ist jetzt die Zeit des Belächelns  und Kopfschüttelns vorbei und stattdessen Zeit für klare Kante. Nennenswerte Bevölkerungsanteile scheinen in behandlungsürdigem Umfang krank im Kopf zu sein!“

„Stimmt!“

300 Worte.

abc.Etüden KW 36/37 II

abc.etüden 2021 36+37 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wir machen es heute kurz, ihr wisst ja wie es läuft – Etüdenorganisatorin: Christiane; Wortspende: Ludwig Zeidler. Also dann, Rettungstruppe aufi!

 

„Ein Akkuschrauber, ein Putzlappen – interessanter Versuchsaufbau. Was wird das denn?“

„Ich experimentiere.“

„Aha …“

„Japp, ich entwickele ein Gerät.“

„Und was macht es?“

„Es leuchtet blau.“

„Was?“

„Vergiss es! Nein, es soll dazu dienen, einigen Menschen den ideologischen Schlick aus dem Hirn zu putzen.“

„Interessante Idee. Wem zum Beispiel?“

„Björn Höcke!“

„Oha – und da meinst du, du kommst mit diesem mickrigen Akkuschrauber hin?“

„Das ist ja nur ein Prototyp – ein Mörtelrührer ist bereits bestellt …“

„Wieso eigentlich, was hat er denn nun wieder getan?“

„Nun, als Mitte August der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, wagte, einen Zusammenhang herzustellen zwischen niedrigen Impfquoten und hohem Anteil an AfD-Wählerschaft in Teilen einiger ostdeutscher Bundesländer, da bekam er ja allenthalben auf die Fresse.“

„Stimmt. Zu recht.“

„Zugeben, das war eine eindimensionale Betrachtung. Nun kommt aber eine Studie der TU Dresden zum selben Ergebnis. Sicherlich ist das nicht die einzige Begründung für die niedrigen Impfquoten, die niedrige Inzidenz, mit einem damit einhergehenden „Dann isses ja nich so schlimm“-Gefühl, tut dann wohl ihr Übriges. Aber …“

„Aber?“

„Aaaaber, als Herr Wanderwitz das Thema Impfungen jetzt wieder aufgriff, kommt Höcke mit der ominösen Äußerung: „„Der Mann hat vom Osten keine Ahnung: Ja, hier leben freiheitsliebende Menschen, die von Bevormundung ein für alle Mal die Nase gestrichen voll haben und die selbstbestimmte Entscheidungen über ihr Leben sowie ihre Gesundheit treffen – und das ist sehr gut so!““

„Mooooment mal …“

„Ja?“

„Die kostenlose Zurverfügungstellung einer medizinischen Behandlung mit potenziell lebensrettender Wirkung stellt eine „Bevormundung“ dar? Gilt das auch für, meinetwegen: eine Herz-Lungen-Wiederbelebung ohne vorherige Zustimmung?“

„Keine Ahnung. Ich weiß nur, in Afrika lag die Quote der vollständig Geimpften vor drei Tagen bei drei Prozent. Dort würde man sich vermutlich sehr, sehr gern „bevormunden“ lassen.“

„Stimmt – warte, ich muss telefonieren.“

„Wen rufst du an?“

„Die Ölförder-Industrie. Ich fürchte, der Mörtelmischer reicht nicht.“

„Gute Idee!“