abc.Etüden KW 8/9 2021 I

abc.etüden 2021 08+09 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich versuche einfach mal, mich mit aktivem Dagegenschreiben aus meiner derzeitigen Schaffens- und Sinnkrise zu arbeiten. Erfahrungsgemäß bieten sich dafür die sehr zu meiner Freude weiterhin von Christiane organisierten Etüden an, und da die Wortspende die den Textwochen 8/9 von der zauberhaftesten aller Bloggerkolleginnen kommt, bleibt mir eh nichts anderes übrig, als meinen Teil beizutragen. Auf gehts:

„Angola, Äthiopien, Äquatorialguinea, …“

„Was machst du denn da? Kreuzworträtsel?“

„Nein, eine Liste.“

„Nämlich welche?“

„Eine Liste der Länder, die immer noch kaum oder gar keinen Impfstoff haben.“

„Bitte?“

„Na, hast du dem UN-Guterres nicht zugehört?“

„Was hat er gesagt?“

„Dass sich zehn Länder insgesamt 75 Prozent des bisher ausgelieferten Impfstoffs unter den Nagel gerissen haben, während ganze 130 Länder noch nicht eine einzige Impfdosis bekommen haben.“

„Und du …“

„Genau, ich liste die jetzt auf und nagel die ans schwarze Brett des Gemeindehauses wie weiland Luther seine Thesen an …“

„Eigentlich hat er die nirgendwo drangenagelt, sondern dem Erzbischof von Mainz geschickt …“

„Hm – nein, das mache ich nicht, die katholische Kirche hat ohnehin gerade eigene Probleme. Aber mal im Ernst: In 130 Ländern gibt es noch nicht ein einziges Fläschchen Impfstoff – und hierzulande muss man sich von morgens bis abends anhören, wie beschissen doch alles ist. „Impfdesaster“ nennt das die Opposition, wobei es allenfalls dann ein Impfdesaster wäre, wenn von 100 Geimpften 70 umgehend tot umfallen.“

„Nun…“

„Jetzt fangen wir hier auch noch an, auf die Impfungen zu verzichten, weil Millionen halbwissender Hobbymediziner in einem spontanen Anfall von Morbus Mimose sagen: „Nee, also dann nicht. Ich möchte schon gerne das gute Zeug!“

„Also …“

„Wir geben uns ja sowieso der trügerischen Sicherheit hin, die Pandemie wäre beendet, sobald hier alle geimpft sind. Das wird ein Spaß, wenn die Menschen entdecken, dass das so nicht funktioniert …“

„Also …“

„Und in Afrika kündigt der Leiter der panafrikanischen Gesund­heitsbehörde voller Stolz „die Auslieferung der ersten Million Dosen auf dem Kontinent“ für kommende Woche an. Eine Million! Ungefähr die Menge, die BioNTech einmal die Woche schwarz in Spahns Vorgarten abkippt.“

„Also das kannst du doch wirklich so nicht …“

„Ich reg mich halt einfach auf! In der Zwischenzeit wird Afrika von China beliefert, zum Dank dafür kaufen die Zentralafrikaner zukünftig wie blöde chinesische Strickjacken.“

300 Worte.

abc.Etüden 2021 KW 3/4

abc.etüden 2021 03+04 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nach langer Etüdenabstinenz meinerseits gibt es jetzt doch mal wieder eine neue Etüde von mir. Trotz meiner längerfristigen Abwesenheit hat sich an der Leitung der Etüden durch Christiane nichts geändert, die Wortspende kommt diesmal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Schreiten wir zur Tat:

„Was liest du da?“

„Christine Aschbachers Doktorarbeit.“

„Wessen Doktorarbeit?“

„Christine Aschbacher, österreichische Arbeits- und Familienministerin. Also … ehemalige Ministerin.“

„Warum?“

„Weil ein neuerlicher Plagiatsskandal unser Nachbarland erschüttert. Offenbar hat Frau Aschbacher mitten in der Pandemie Zeit gefunden, ihre Dissertation zu verteidigen. Nun hat sich aber leider herausgestellt, dass sich die Arbeit zu geprüften 21 Prozent aus Plagiaten zusammensetzt. Und darüber hinaus … sagen wir … Stilblüten enthält.“

„Gibts Beispiele?“

„Klar. Also, wenn sie fremdsprachige Zitate verwendet, ist die Übersetzung häufig eher … holprig. So steht dort beispielsweise zu lesen: „Vielleicht, daher ist es seltsam, dass, wenn es irgendeine Phrase, die garantiert wird, um mich auf den Weg, es ist, wenn jemand zu mir sagt: Okay, du bist der Chef!“

„Aaaa … ha.“

„Genau! Oder auch: „Okay, dann, glaube ich nicht mit Ihnen einverstanden, aber ich werde rollen und tun es weil sie sagen mir zu.“ Beides Zitate von Richard Branson.

„Rollen?“

„Rollen!“

„Faszinierend.“

„Japp. Aber auch eigene Formulierungen sind eher so semi … „Aufgrund der teilweise bewährten Führungsstile entsprechen die bisherigen Ergebnisse teilweise für Führungsstile oder Innovation in Führungsunternehmen.“

„Ähm, was!?“

„Ja, das weiß ich doch auch nicht! Ich weiß nur: Frau Aschbacher ist schnellstmöglich zurückgetreten.“

„Löblich!“

„Nun ja, eigentlich nicht, denn sie habe die Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt …“

„…was nicht für sie spräche, wenn dem so wäre …“

„… und der eigentliche Grund sei, „dass die Medien und die politischen Mitstreiter (…) mich medial in unvorstellbarer Weise vorverurteilen.“

„Medien medial …?“

„Jepp. Klingt wie damals der Lautsprecher zu Guttenberg: „Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.“

„Exakt.“

„Und was wird nun aus Frau Aschbacher?“

„Keine Ahnung, vielleicht versucht sie es nochmal in einer anderen Partei!? Schwarz ist ohnehin so eine trostlose Farbe.“

„Wie wäre es mit … orange?“

„Das wäre in Österreich meines Wissens das „Bündnis Zukunft Österreich“ – das gibts praktisch nicht mehr.

„Ist besser so …“

300 Worte.

Steile These in Gold #3

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leserinnen,

auf vielfachen Wunsch einer einzelnen, ganz zauberhaften Person wird die „Steile These in gold“ ab heute in die „Steile These in Gold“ umbenannt. Einerseits, weil es einfach richtig ist. Andererseits, um meinen eigenen orthografischen Ansprüchen zukünftig vollumfänglich gerecht zu werden. Und darüber hinaus, weil ich selbst gerne leidenschaftlich klugscheiße. 🙂

Und da wir schon bei Ansprüchen sind, so könnte man auch erwähnen, dass die Verleihung in dieser Woche, wie üblich, eigentlich schon gestern hätte stattfinden sollen, sich aus Gründen aber verschoben hat, was aber andererseits sowieso niemandem auffallen würde und daher technisch gesehen auch hätte unerwähnt bleiben können. Sei´s drum …

Die Nominierten in dieser Woche sind:

Alice Weidel für: „Wir sind absolut gegen eine Impfpflicht. Das sagt natürlich auch die Bundesregierung bisher – damals hat man auch gesagt, man will keine Mauer bauen.“

Damit beweist Frau Weidel eindrucksvoll, dass sie es einerseits nicht so mit der indirekten Rede hat und andererseits, dass sie weiterhin nicht vor ätzenden Vergleichen zurückschreckt, ganz ähnlich wie ihre Wählerschaft.

Heiko Maas für: „Geimpfte sollten wieder ihre Grundrechte ausüben dürfen.“

Das Seltsamste an diesem Satz ist, dass Herr Maas in seiner weiteren Äußerung eigentlich begründet, warum er nicht Recht hat, indem er sagt: „Es ist noch nicht abschließend geklärt, inwiefern Geimpfte andere infizieren können. Eben! Und genau so lange, wie exakt das nicht geklärt ist, sollten wir von solchen Forderungen doch lieber Abstand nehmen. Auch wenn Maas hinzufügt: „Was aber klar ist: Ein Geimpfter nimmt niemandem mehr ein Beatmungsgerät weg. Das mag sein, vielleicht bringt er jemanden an ein Beatmungsgerät, falls er doch weiterhin ansteckend sein sollte!?

Ich verstehe die gesamte Diskussion irgendwie nicht. Wochen- und monatelang wird seitens der Regierung Solidarität eingefordert, und nun kann die Diskussion darüber, wer wann was wieder darf, offensichtlich nicht ausufernd genug sein …

Friedrich Merz für: „Ins Präsidium wären bei meiner Bewerbung noch weniger Frauen gewählt worden. Ich habe mich deshalb entschlossen, zugunsten der Frauen auf eine Kandidatur zu verzichten.“

Na, wie überaus generös. Mal ganz davon abgesehen, dass die gesamte Äußerung den Subtext „Ich wäre sowieso gewählt worden, wenn ich kandidiert hätte, weil ich ein geiler Typ bin.“ enthält und sich nahtlos einreiht in die sinngemäße Äußerung vom Parteitag, wenn er ein Problem mit Frauen hätte, würde er von seinen Töchtern schon längst die gelbe Karte gezeigt bekommen haben und überdies hätte ihn seine Frau vor 40 Jahren auch nicht geheiratet – was ungefähr so wäre, als würde Donald J. Trump behaupten, die Tatsache, dass er Frau und Kinder habe, würde beweisen, dass er nicht frauenfeindlich ist -, sagt das insgesamt viel über das Selbstverständnis des sympathischen Mittelschichtsmillionärs aus. Vor 40 Jahren sonst nicht geheiratet … pfff … vor 40 Jahren hatten sich die Frauen dieses Landes gerade erst seit 4 Jahren das Recht erkämpft, nicht mehr ihren Ehemann fragen zu müssen, wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollten …

Nochmal Friedrich Merz – als nachfolgende Äußerung zur oben stehenden – für: „Dem neuen Parteivorsitzenden Armin Laschet habe ich aber angeboten, in die jetzige Bundesregierung einzutreten und das Bundeswirtschaftsministerium zu übernehmen.“

Ich bin mir sicher, Peter Altmaier wird in diesem Moment der Löffel ins Müsli gefallen sein, vermutlich verbunden mit dem verständnislos gemurmelten: „Aber … ich bin doch … ich … hab doch …!“ Offensichtlich scheint Herr Merz sich wirklich als eine Art Gottesgeschenk an die CDU wahrzunehmen, die ohne ihn auch in der Regierung nicht mehr kann. Ich könnte …

Und Friedrich Merz zum Dritten für: „Jede Stimme für die AfD ist eine halbe Stimme für Rot-Rot-Grün.“

Nein, Herr Merz. Jede Stimme für die AfD ist das Ergebnis eines Versagens der großen Volksparteien, die den Menschen das Gefühl geben, vergessen zu werden. Der Versuch aber, Rot-Rot-Grün bzw. die daran beteiligten Parteien in irgendeiner Form in die Nähe dieser radikalen Menschenverächter zu schieben, ist allerdings so durchschaubar wie widerlich. Und ob es, wie Sie sagen, in diesem Land wirklich keine linke Mehrheit gibt, das sehen wir dann aller Voraussicht nach im September.

Gewonnen hat: Friedrich Merz! Nicht nur, weil die Fülle an Unsinn, die von sich zu geben er in der Lage ist, schon  beeindruckend ist, sondern in erster Linie, weil ich mich von letzterer Äußerung persönlich beleidigt fühle.

Steile These in gold #2

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

zugegeben, ich wollte in den vergangenen Tagen eigentlich mehrere wutentbrannte Beiträge und/oder Etüden schreiben, beispielsweise über offensichtlich übersteigert erlebnisorientierte Winterliebhaber, die ums Verrecken in den Schnee im Harz, in Winterberg oder auch auf den popeligen Hügel vor meiner eigenen Haustür mit einer Höhe von nicht mal 300 Metern über NN fahren mussten, weil … warum auch immer, um dort dann Zufahrtswege zuzuparken, Polizei und Rettungskräfte davon abzuhalten, etwas Sinnvolles zu tun und überdies aufgrund der geschlossenen Toiletten – was man hätte wissen können, wenn man gewollt hätte – in die Rabatten der Harzanwohner zu strullen.

Oder auch über die bärtigen „Vikings“-Lookalike-Hillbilly-Halbaffen, die unter der Woche nichts Besseres zu tun hatten, als Parlamente zu stürmen.

Aber, um ehrlich zu sein, eigentlich habe ich dazu gerade gar keine Lust, auch weil ich gedanklich anderswo war und bin.

Für die erneute Verleihung der „Steile These in gold“ muss nun aber noch kurz Zeit sein. Die Nominierten diesmal sind:

Der republikanische US-amerikanische Kongressabgeordnete Louie Gohmert für

„“Basically, in effect, the ruling would be that you’ve got to go to the streets and be as violent as antifa and BLM.”,

nachdem ein Versuch, den aktuellen Treppenwitz der Geschichte im Amt als US-Präsident zu belassen, vor Gericht scheiterte.

Dieser Satz stammt bereits vom Anfang letzter Woche, also noch vor der „Wir marschieren zum Kapitol“-Rede des besagten Treppenwitzes und lässt mich vermuten, dass Republikaner einerseits vielleicht allgemein einen Hang zur Gewalt auf den Straßen haben und andererseits augenscheinlich ganz klare Feindbilder.

Als zweite Nominierung ausgewählt ist heute Lauren Boebert, ihres Zeichens gewählte Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses, für: „Ich werde meine Schusswaffe in D.C. und im Kongress tragen.“ Ein Zitat, das ebenfalls vom Anfang letzter Woche stammt.

Zugegeben, wenn ich der Logik des oben erwähnten Treppenwitzes folge, nach der man Lehrerinnen und Lehrer – hach, an der Stelle könnte ich jetzt noch was Geharnischtes über den gesprochenen Gender Gap schreiben … – mit Waffen ausstatten wollte, damit sie im Falle eines „school shootings“ zurückschießen können, dann könnte ich sagen, dass das Tragen von Waffen den Abgeordneten unter der Woche vielleicht geholfen hätte, vielleicht aber auch zu verstörenden Bildern geführt hätte, auf denen eine wutentbrannte Nancy-Pelosi mit einer AK-47 auf Hillbillies ballert, wie weiland Milla Jovovich auf Zombies. Allein, das Tragen von Waffen ist den Abgeordneten im Kapitol nicht erlaubt. Und man sollte sich ein bisschen mit den Grundzügen des zukünftigen Arbeitsplatzes auskennen, bevor man großspurige Ankündigungen macht …

Gewinner in dieser Woche ist:

Louie Gohmert, weil wir alle gesehen haben, wohin es führen kann, wenn man eine mehrheitlich augenscheinlich zerebral nur mäßig funktionale Masse zur Gewalt aufruft.

Steile These in gold #1

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

im letzten Jahr habe ich an anderer Stelle aus lauter Spaß an der Freude mal die Preisverleihung für die „Steile These in gold“ ins Leben gerufen. Diesen nur so semi-ernsthaft zu verstehenden Preis sollte die prominente Person bekommen, die in der vegangenen Woche die wohl dusseligste Äußerung der vergangenen sieben Tage getätigt hat. Danach schlief die Idee leider wieder ein, somit blieb Boris Palmer bislang erster und einziger, dafür aber seinerzeit umso verdienterer Preisträger.

Aber eigentlich hat die Idee etwas, dachte ich mir kürzlich, nachdem ich innerhalb kürzester Zeit wieder mit der einen oder anderen Äußerung konfrontiert wurde, die bei mir auf gänzliches Unverständnis stieß.

Und aus diesem Grund gibt es in Zukunft – hoffentlich – wöchentlich und somit regelmäßig die hochoffizielle Verleihung des renommierten Preises „Steile These in gold“.

Diesmal nominiert waren:

Friedrich Merz für:

„Grundrechte sind Individualrechte, aber keine kollektiven Rechte, die der Staat bei Bedarf allen entzieht und nur allen gleichzeitig zurückgewährt, wenn es die Lage wieder erlaubt. Man kann deshalb einer immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe von Geimpften, Gesunden und Genesenen nicht pauschal die Grundrechte vorenthalten, weil eine immer kleinere Gruppe nach wie vor durch das Virus gefährdet ist.“

sowie für:

„Aber diejenigen, die sich bewusst gegen eine Impfung entscheiden, müssen akzeptieren, dass sie, solange dieses Infektionsrisiko besteht, zumindest einen Schnelltest machen müssen, bevor sie zum Beispiel in ein Konzert oder ein Fußballstadion gehen.“

Exakt das, werter Herr Merz, ist Wasser auf die Mühlen der von der Tatsache, dass uns Bill Gates alle zu Supersoldaten impfen will, überzeugten Covidioten, die sich in ihren verschwurbelten Impfpflicht-Theorien bestätigt sehen werden. Und überhaupt: Wissen wir eigentlich schon, ob Geimpfte das Virus nicht auch noch weitergeben können? Ich glaube, noch weiß das niemand mit absoluter Sicherheit, oder!? Aber auch davon abgesehen: Was ist denn mit den Menschen, die sich nicht bewusst gegen eine Imfpung entscheiden, sondern die einfach noch nicht dran sind? Die, die sich vorbildlich verhalten, andere Menschen zuerst zu ihrem Recht und ihrer Impfung kommen lassen und für die Solidarität offensichtlich kein Fremdwort ist!? Nee, Herr Merz, „Aber alle oder keiner“, hat schon Gundermann seinerzeit gesungen. Sollten Sie sich mal anhören …

 

Als nächste Nominierung folgt:

Nochmal Friedrich Merz. Denn unser Mittelschichtsmillionär und Kanzlerkandidat in spe hat auch noch zu anderen Dingen etwas zu sagen. Die zweite Nominierung bekommt er daher für:

„Diese humanitäre Katastrophe lässt sich allerdings nicht dadurch lösen, dass wir sagen: Kommt alle nach Deutschland. Dieser Weg ist nicht mehr geöffnet. Die klare Botschaft an die Flüchtlinge wie an die Schlepperorganisationen muss sein: Es ist lebensgefährlich, und es wird keinen Erfolg haben.“

Herr Merz, da sitzen viele hunderte von Menschen bei Minusgraden in Bussen oder im Freien im bosnischen Hinterland fest. Menschen, die jetzt nirgendwohin können, weil ihnen die Behörden eine früher dafür genutzte Halle nicht mehr zur Verfügung stellen wollen oder auch deswegen, weil die Unterbringung in einer leerstehenden Kaserne am Protest von 30 bis 40 Demonstranten scheiterte. Menschen, denen kroatische Grenzpatrouillen die Schuhe weggenommen haben, und die jetzt in von Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellten Plastikschlappen im Freien sitzen.

Sie sagen: „Die gesamte Europäische Union hat vor allem die Verpflichtung, den Flüchtlingen auf dem Balkan oder auf den griechischen Inseln an Ort und Stelle zu helfen“, wissen aber genauso gut wie ich, dass niemand in der EU dieser Verantwortung gerade in auch nur ansatzweise ausreichendem Maße nachkommt. Und das nicht erst seit der Pandemie, sondern schon seit gut 5 Jahren. Dabei könnte man alleine von Ihrem geschätzten Jahreseinkommen 2020 jeden der dort vor sich hin frierenden 1.900 Menschen mit rund 6.315 Euro versorgen, das sind etwa 1.000 Euro mehr, als der Hartz-IV-Regelbedarf für das gesamte Jahr 2021.Wie fühlt man sich dabei eigentlich?

Natürlich will Ihnen niemand Ihre Mittelschichtsmillion wegnehmen, ich wollte es nur mal gesagt haben.

Oh, und – auch unter der Rubrik „ich wollte es nur mal gesagt haben: Was das „Es ist lebensgefährlich“ angeht: Die Zahl der seit 2015 im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge beträgt nach „Statista“-Angaben geschätzt 17.442! Über siebzehntausend Todesopfer, mitverursacht durch europäisches Gewinnstreben und konsequentes Nichtstun der europäischen Behörden – wenn man mal von Pushbacks absieht -, nachdem selbst die Seenotrettung jetzt ja augenscheinlich eher von NGOs erledigt werden muss. Damit will ich sagen, Herr Merz: Die Flüchtlinge wissen bereits, dass das gefährlich ist. Und das nicht erst seit gestern. Und sie tun es trotzdem! Denken Sie mal darüber nach …

Als dritte Nominierung folgt unweigerlich Christian Lindner für:

„Wenn wir in dieser Geschwindigkeit weiterimpfen, dann wird es bis lange, lange, lange bis ins neue Jahr dauern, bis nennenswerte Teile der Bevölkerung geimpft sind.“

Richtig, Herr Lindner. Und wenn ich im ersten Gang an einer Ampel durchgehend weiterfahre, dann brauche ich von Hamburg nach München vier Monate. Aber dafür gibt es ja glücklicherweise eine Gangschaltung und ein Gaspedal. Und wenn es nach der Bundestagswahl 2013 keine weitere Wahl gegeben hätte, dann würde die FDP nie, nie, nie wieder um Bundestag sitzen. Aber dafür gibts ja glücklicherweise die Demokratie und Wahlen.

Ich will sagen: Eine Argumentation, in der ich zukünftige Entwicklungen bewerte, unter der Bedingung, dass alles bleibt, wie es ist, ergibt hinten und vorne keinen Sinn. Das erwartet man vielleicht von einem Wirtschaftswissenschaftler, aber doch sicher nicht von einem führenden Politiker der FD…oh, wait …

 

Schreiten wir zu Preisverleihung – die ich zukünftig vielleicht sogar basisdemokratisch, bis dahin aber dikatorisch vorzunehmen gedenke. Gewonnen hat:

Christian Lindner, für seine inhaltlich absolut sinnfreie Argumentation. Wenn man anderen Menschen den Ratschlag gibt, verschiedenste Dinge doch lieber den Experten zu überlassen, sollte man sich gelegentlich vielleicht auch selbst mal dran halten.

Zugegeben, auf der menschlichen Ebene nerven mich die Äußerungen des Herrn Merz mehr, aber die bin ich ja fast schon gewöhnt … sollte er Kanzler werden, spiele ich mit dem Gedanken, nach Eritrea auszuwandern, da weiß ich wenigstens, was mich erwartet …

 

Die nächste Preisverleihung der „Steile These in gold“ folgt in einer Woche – sofern jemand etwas Dusseliges sagt. 🙂

Gehabt euch wohl.

Neulich in der Hölle #3

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan – warum lege ich mir diesen Teil des Textes nicht endlich mal als Textbaustein irgendwo ab, anstatt ihn immer wieder neu zu tippen … – sich mit betändigem Kopfschütteln durch diverse Druckerzeugnisse journalistischer Art blättert und sein Unverständnis auch gleich gegenüber seinem Assistenten und Untergebenen Lübke kundtut.

„Ich muss Ihnen mein Unverständnis kundtun, Lübke. Ich verstehe die Welt nicht mehr.!“

„Inwiefern, Chef?“

„Ach, die Menschen regen mich einfach auf. Verstehen Sie?“

„Nun, solange Sie nicht konkret werden …“

„Na, nehmen wir doch einfach mal diese zahlreicher werdenden „Querdenker“-Demos. Da laufen Menschen rum, die für sich immer wieder in Anspruch nehmen, ernst genommen zu wollen, oder!?“

„Stimmt.“

„Ja, aber dann laufen die dazu zusammen mit Menschen rum, die es mit unserer freiheitlich-demokratischern Grundordnung nicht so wirklich haben, laufen mit Menschen rum, die Plakate hochhalten, mit denen sie gegen Dinge protestieren wollen, die es gar nicht gibt, wie beispielsweise die Impfpflicht, laufen mit Menschen rum, die beispielsweise in Karlsruhe ein Transparent trugen mit der Aufschrift „Zu wenig Luft macht krank und kann töten“, womit sie gegen die Maske protestierten, allerdings viel mehr bewiesen, dass ihr Hirn wohl selbst kürzlich zu wenig Luft bekommen hat, laufen …“

„Atmen, Chef, atmen …“

„Unterbrechen Sie mich nicht! Laufen mit Menschen rum, die beklagen, in einer Diktatur zu leben und diesen Vorwurf noch im Moment des Vorwurfs mit eben der Tatsache, dass sie gerade demonstrieren gehen, ohne dass sie jemand inhaftiert oder erschießt, entkräften, was eine Zerebralvolte darstellt, die man sich erst mal ausdenken muss! Und dann wundern sie sich, dass man sie nicht ernst nimmt?“

„Zugegeben …“

„Mal im Ernst, Lübke, hätte ich in den 80ern behauptet, David Bowie sei ein Botschafter der Vogonen, betraut mit der Aufgabe, die Invasion vorzubereiten, mit der uns die Vogonen mittels ihrer Dichtkunst in die Kapitulation reimen wollen, dann hätte man mir möglicherweise ärztliche Hilfe zukommen lassen, mich im besten Fall aber wenigstens vollkommen berechtigt als Idioten bezeichnet. Wenn ich das heute mache, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass irgendein Volltrottel brüllt: „Das ist es! Exakt so muss es sein! Plötzlich wird alles so klar!“, sich dann ein Transparent bastelt und zusammen mit 20 anderen Volltrotteln hinter mir her marschiert, um die Welt vor der Invasion durch die Vogonen zu warnen!“

„Tja …

„Und statt sich dann die Freiheit zu nehmen, solche Idioten als das bezeichnen zu dürfen, was sie sind, nämlich Idioten, sind wir vor dem Hintergrund der political correctness und gesprochener Gender Gaps dazu übergegangen, möglichst diskussionsinklusiv auf jede hanebüchene Behauptung und jede spinnerte Gruppe einzugehen, und seien sie noch so abstrus, um nur niemandem vor den Kopf zu stoßen, anstatt einfach mal zu sagen: „Mit euch reden wir nicht, ihr seid nämlich blöd im Kopp!“

„Aaatmen, Chef …“

„Dafür wird der Ton andernorts in jeder Diskussion rauer, weil man offensichtlich verlernt hat, dass a) es auch mal darum geht, andere Meinungen auszuhalten und b) es zu jedem Thema auch Graustufen gibt, ich also nicht entweder linksgrünversiffter Gutmensch oder Nazi sein kann, sondern auch irgendwo dazwischen. Keine Ahnung, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte, sind wir doch alle sonst immer so besorgt, im öffentlichen Diskurs niemandem vor den Kopf zu stoßen. Ha, vielleicht liegt es ja auch daran, dass wir darüber so besorgt sind …“

„Nun …“

„Nein, Lübke, ich bin der Meinung, man sollte mal wieder das zeigen, was man früher „klare Kante“ genannt hat. Wenn man das täte, gäbe es heute noch Massenproteste gegen die Einschleusung diverser Krawallisten durch AfD-Abgeordnete ins Reichstagsgebäude, anstatt dass man sich mit einer Entschuldigung durch den verwirrten, älteren Herrn mit der Hundekrawatte und hanebüchenen Parteiverbotsforderungen zufrieden gibt. Was muss denn nach Erstürmung der Reichstagstreppe und besagten Krawallisten noch passieren, bis es irgendwann mal eine wirkliche Reaktion gegen die rechten Schwachmaten gibt? Die Einschleusung eines weiteren Idioten mit Kunststoff-Wumme aus dem 3D-Drucker?“

„Chef, ich …“

„Oder nehmen wir nochmal die Querdenker! Auf der Demo in Karlsruhe steht eine Elfjährige und klagt, sie habe ihren Geburtstag heimlich feiern müssen – darauf ganz zu verzichten, fiel dem augenscheinlich frustrationsintoleranten Mädchen und ihren Eltern wohl nicht ein -, und dabei mussten sich alle ganz still verhalten, damit sie niemand verpetzt und sie habe sich gefühlt wie Anne Frank!

„Wow!“

„Ja, oder!? In einer entsprechenden Demo in Hannover stand Jana aus Kassel und schwurbelte, sie fühle sich „wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten aktiv im Widerstand tätig bin (…)“. Ja, sag mal, gehts noch!? Warum laufen diesen Querdenker-Idioten nach solchen Ereignissen nicht scharenweise die Unterstützer weg? Warum erklären nicht unzählige AfD-Mitglieder nach den Vorkommnissen vor und im Reichstag ihren Parteiaustritt? Sind die Menschen tatsächlich bereit, jeden Scheiß zur Durchsetzung ihrer eigenen Ziele zu akzeptieren? Ich verstehe es nicht, Lübke, ich verstehe es nicht …“

„Tja, also …“

„Und dann die Medien, namentlich der Nachrichtensender „Welt“, dessen bloße Existenz das beste Argument für die Beibehaltung des Rundfunkbeitrags ist, die man sich vorstellen kann. Dort sitzt ein Moderator und stellt einem Virologen die Frage, warum man sich offensichtlich so auf die Infektionszahlen fixiert, die für sich genommen ja überhaupt nicht aussagekräftig seien. Und man denkt sich: „Hm, das habe ich auf der letzten Querdenken-Demo auch schon mal so gehört . Und dann fragt er, da er unterstellt, dass das Konzept der Regierung ja offensichtlich gescheitert sei, ob es es nicht klüger sei, die Risikogruppen besser zu schützen und alle anderen einfach machen zu lassen, was ein vollkommen unpraktikabler Vorschlag ist, was er wüsste, wenn er sich damit beschäftigt hätte und zudem einer, den man ebenfalls häufig auf diesen Demos hört. Und letztlich behauptet er „Wir wissen, dass sich derzeit massenhaft Schüler anstecken (…)“ Und ich frage mich: „Wissen wir das? Oder meinen wir das nur?“ Tatsache ist, dass von etwa 3.000 Schulen in Niedersachen mit Stand vom Wochenende 12 oder 13 komplett geschlossen waren, in etwa 300 einzelne Klassen oder Kurse nach Hause geschickt wurden und in etwa 300 weiteren mit halber Klassenstärke unterrichtet wird. Das bedeutet in Summe und im Umkehrschluss, dass an etwa 80 Prozent der Schulen, zumindest in Niedersachsen, alles funktioniert wie immer. Woher nimmt der Typ also seine Unterstellungen? Und warum nimmt ihm niemand noch vor laufenden Kameras seine Zettel ab und sagt: „Du machst jetzt mal ’ne Weile Urlaub?“ So ein Geblubber kann man vom Avocadolf Hildmann erwarten, aber doch bitte nicht von einem Journalisten!“

„Beruhigen Sie sich, Chef!“

„Das ist es ja gerade: Ich will mich nicht beruhigen! Die Menschen beruhigen sich schon viel zu oft und viel zu schnell. Frei nach Greta Thunberg: Ich will, dass ihr euch aufregt!“

„Das …“

„So, das musste jetzt mal gesagt sein. Zurück zum Tagesgeschäft. Wie Sie wissen, sprachen wir darüber, wie wir mit den augenscheinlich vorhandenen Corona-Leugnern und Verschwörungsschwurblern in unserer Belegschaft umgehen sollen und wollten dementsprechende Konzepte erarbeiten.“

„Ich weiß. Wie sieht Ihres aus?“

„Ich halte eine Rede vor der versammelten Belegschaft!“

„Gute Idee. Mit welchem Inhalt?“

„Mit dem Inhalt … der Entwurf muss doch hier irgendwo … ach hier. Also, meine Rede lautet: „Liebe Kolleginnen und Kollegen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es in unserem Betrieb Mitarbeiter gibt, …“

„Mitarbeitende, muss das hei… AUA!“

Die Schelle haben Sie sich verdient. Schnauze halten, weiter im Text. Dass es also „Mitarbeiter gibt, die die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus massiv unterwandern. Wir führen innerhalb unseres Betriebes immer offene Diskussionen, in denen wir immer auch gegenteilige Meinungen erlauben. Im vorliegenden Fall … macht ihr verblödeten Handlampen aber, verdammt nochmal, einmal was man euch sagt! Wen ich dabei erwische, wie er irgendwelche QAnon-Plakate bastelt, Transparente mit Politikern und Journalistinnen in Sträflingskleidung herstellt, oder sonst allgemein Mist macht, dem haue ich erst mal volles Pfund aufs Maul und setze ihn dann ungehend vor dir Tür! Für diesen Fall habe ich eine Auffanggesellschaft mit den Kollegen aus dem Himmel gegründet. Euer Arbeitsplatz ist dann nämlich dort, wo ihr den ganzen Tag frohlocken und Hosianna singen müsst. Überlegt euch also gut, ob es euch das wert ist. Ich werde euch nicht vermissen! In diesem Sinne, an die Arbeit!“ Na, was halten Sie davon, Lübke!?“

„Nun ja, vielleicht etwas … harsch!“

„Aber das ist doch, worum es mir geht. Klare Kante, ohne Herumgeschwurbel!“

„Ja, schon klar. Und dennoch …“

„Hm, na gut, was haben Sie denn als Konzept zu bieten?“

„Ich würde subtiler vorgehen.“

„Nämlich?“

„Ich gründe einen Orden!“

„Einen Orden …“

„Ja, ich verbreite in der Belegschaft die Information der Gründung eines über geheimes Wissen verfügenden Ordens.“

„Ah ja …“

„Genau. Ich nenne ihn den Pistazienserorden!“

„Jetzt werden Sie albern, Lübke.“

„Nein, albern wäre ich, wenn ich fragen würde, ob die Bewohner unseres östlichen Nachbarstaates, wenn sie in der Pariser U-Bahn unterwegs sind, Metropolen sind.“

„Lübke, bitte!“

„Tschuldigung. Jedenfalls, ich gründe also diesen Orden …“

„… der welche Ziele vertritt?“

„… der die Huldigung dieser wohlschmeckenden, grünen Steinfrucht vorschreibt, wie es der Urvater des Ordens, der Heilige Pistazius, niedergeschrieben hat.“

„Sagen Sie, wann waren Sie eigentlich zuletzt bei unserem Betriebsarzt?“

„Halten Sie mich nicht für verrückt, Chef, ich bin sicher, dass das funktioniert. Mit der Aussicht, in den Besitz von geheimem, exklusiven Wissen, quasi der alleinigen, allumfassenden Wahrheit zu gelangen, werde ich die entsprechenden Leute sicherlich aus der Reserve locken können.“

„Und dann?“

„Dann lasse ich verlauten, dass sich der Orden jede Woche in der Vorhölle trifft.“

„Wollten wir da nicht ein Stadion errichten?“

„Ja, eben! Und dort führe ich die Spinner hin – momentan darf da ja sowieso niemand rein – und sperre sie da weg. Solange, bis alle anderen geimpft sind und die Spinner keine Gefahr mehr für die sonstige Belegschaft darstellen.“

„Gefällt mir.“

„Wusste ichs doch …“

Neulich in der Hölle #2

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan morgens beim Betreten des Büros einen nicht ganz glücklichen Eindruck macht. Dieser Meinung ist auch sein Assistent Lübke.

„Morgen, Chef.“

„Morgen, Lübke.“

„Sie machen einen nicht ganz glücklichen Eindruck, Chef. Was ist los?“

„Ach, Lübke, ich halte das einfach nicht mehr aus. Dieser Druck, diese Anspannung …“

„Burn-Out?“

„Präsidentschaftswahlen!“

„Ach so, ja …“

„Mal ehrlich, Lübke, warum dauert das so lange? Werden da noch Postsäcke von Zweispännern der Wells Fargo Company übermittelt, die von Eskorten der Pinkerton Detektei beschützt werden?“

„Die gibt es sogar noch.“

„Wen?“

„Na, Wells Fargo und Pinkerton. Die einen sind jetzt Finanzdienstleister, die anderen von einem schwedischen Konzern aufgekaufter Spezialist für Risikomanagement.“

„Faszinierend. Tja, offensichtlich kann man überleben, wenn man mit der Zeit geht. Sollte man mal deutschen SUV-Automobilkonzernen und Energieanbietern sagen. Egal, das bringt uns in der Frage nicht weiter.“

„In welcher Frage?“

„Na, in der Frage, warum das Ganze in den USA so lange dauert!? Wobei ich durchaus noch mehr Fragen hätte. Beispielsweise die, wie es sein kann, dass wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch darüber diskutieren müssen, dass dieser spinnerte Amtsinhaber mit dem Betragen eines Vierjährigen auf Angel Dust vielleicht sogar noch eine weitere Amtszeit bekommt? Wie kann es sein, dass er seinen Stimmenanteil unter Latinos vergrößert hat? Wie kann es sein, dass er seinen Stimmenanteil unter Schwarzen vergrößert hat? Haben die in der jüngeren Vergangenheit irgendwas nicht mitbekommen, oder sind die so egozentrisch, dass es ihnen egal ist, wenn andere Menschen durch Polizeigewalt, durch institutionellen Rassismus ums Leben kommen, solange sie selbst einen Gehaltsscheck bekommen? Wie kann es sein, dass er seinen Stimmenanteil unter Frauen vergrößert hat? Frauen! Sie wissen schon, Lübke, Frauen, der intelligente Teil der Menschheit! Was hat der Spinnerte seinerzeit doch so schön gesagt? „Grab ‚em by the pussy!“? Ein Spruch, für den er in erster Linie einen Schlag in die Schnauze verdient hat, aber sicherlich keinen Stimmenzuwachs! Was geht in den Menschen vor, Lübke!?“

„Ich …“

„Wissen Sie, das Wahlvolk hatte die einmalige Chance, Donald Trump als Tattoo am Arsch der amerikanischen Demokratie zu betrachten, welches sie sich während einer vierjährigen durchzechten Nacht hat stechen lassen und das in der Zukunft vielleicht noch manchmal weh tut, das man aber gut ignorieren kann, wenn man nicht hinsieht. Aber nein, stattdessen sitzen wir jetzt Ewigkeiten später hier und müssen darüber diskutieren, ob die Flachpfeife nicht doch nochmal Präsident wird!“

„Also mittlerweile …“

„Wissen Sie, Lübke, ich habe einfach keinen Bock mehr drauf. Ich habe wirklich keinen Bock mehr drauf, weitere vier Jahre jeden Tag dieses Sackgesicht zu sehen! Ich habe keinen Bock mehr drauf, dass weitere vier Jahre jeden Tag aufgeregte Journalisten mit Sensationshintergrund hysterisch über jeden noch so banalen covfefe-Tweet diskutieren! Ich habe einfach keinen Bock mehr drauf, weitere vier Jahre damit konfrontiert zu werden, dass jemand mit dem Charisma eines am Straßenrand verwesenden Longhornrind-Kadavers, den verbalen Fähigkeiten von Torf und dem Auftreten eines Chemieunfalls den einflussreichsten Staat der Welt reagiert!“

„Ja, das verstehe ich ja alles. Aber hey, zuletzt sah die Entwicklung bei der Auszählung doch ganz gut aus!? Wenn es so weiter geht, dürfte Biden Nevada gewinnen und hat dann die notwenigen 270 Stimmen schon zusammen, und wenn es gut läuft, kommt von den drei verbliebenen Staaten Pennsylvania, North Carolina oder Georgia auch noch mindestens einer dazu, dann ist der Vorsprung schon komfortabel, dann ist Ruhe.“

„Nein, Lübke, dann ist nicht Ruhe, dann geht es vor Gericht weiter. Wochenlang werden sich entsprechende Gerichte ob der Frage prügeln, wer die Wahl gewonnen hat. Und wer weiß, wie die entscheiden!? Im blödesten Fall macht Biden dann noch einen auf Al Gore und sagt irgendwann: „Ach, ich hab keine Lust mehr, dann behalte doch den Job!“ Nein, Lübke, das ist mir alles zu unsicher.“

„Tja, aber was soll man machen?“

„Ich sage Ihnen, was man machen soll: „Stand down and stand by“, sagte Trump vor einiger Zeit zu den rassistischen Proud-Boys-Arschlöchern. „Haltet euch zurück und haltet euch bereit.“ Und genau das habe ich auch getan, mich zurück- und bereitgehalten, aber jetzt ist die Zeit zum Handeln.“

„Aha …“

„JA! Jetzt handeln wir, Lübke! Jetzt … geben Sie mir mal die Mitarbeiterkartei, Buchstabe B“

„Warum?“

„Ich suche John Wilkes Booth, der müsste meines Wissens irgendwo in unserer PR-Abteilung arbeiten.“

„Und?“

„Und ich wusste immer, dass man den vielleicht nochmal gebrauchen kann!“

„Aber Chef, das ist selbst für Sie …“

„Schnauze, Lübke!“

Neulich in der Hölle …

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan den vorangegangenen Abend zusammen mit einer Flasche Basaltfeuer – 56 Umdrehungen – im Büro verbracht hat und deswegen gleich dort geblieben ist. Als er am nächsten Morgen mit höllischen Kopfschmerzen wach wird, ist irgendetwas anders, weswegen er sich auf die gewohnt freundliche Art auf die Suche nach seinem Assistenten Lübke macht.

„LÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜBKÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!“

„Hier, mein Herr und Gebie… uh, Sie sehen aber schlecht aus, Chef!“

„Ja, ich hab gesoffen! Lenken Sie nicht ab! Fällt Ihnen hier irgendwas auf, Lübke?“

„Nun …“

„Dann helfe ich Ihnen ein wenig auf die Sprünge, Lübke: Hier drin ist es kalt! Arschkalt, um genau zu sein! Dabei HASHIRNSCHEISEISESEIN!“

„Bitte?“

„DABEI HAT ES HIER DRIN SCHEISS HEISS ZU SEIN!“

„Ähm, ja, also …“

„Was „also“? Was geht hier vor? Warum kondensiert mitten in der Hölle meine Atemluft? Warum kann ich Eisblumen von den Fenstern kratz… seit wann hat mein Büro eigentlich Fenster? Und wofür? Tageslicht? Na, egal, also – warum friert es hier drin?“

„Tja, also, Chef – um ehrlich zu sein, sieht es in allen unseren Geschäfträumen so aus, vielleicht hat die Zentralheizung…“

„Zentralheizung? Versuchen Sie witzig zu sein? Hier braucht es keine Zentralheizung, das ist der verdammte Höllenpfuhl, Sie Komiker! Aus den Texten der Bib… ähm, des Buches, das hier drin nicht genannt werden darf, kann man errechnen, dass es hier drin bis zu 444 Grad Celsius sein sollten, verdammte Axt.“

„Ja, aber aus den Texten lässt sich auch errechnen, dass die Temperatur des Himmels 525 Grad Celsius beträgt …“

„LÜBKE!“

„Verzeihung, ich wollte nur die Stimmung … nun ja, egal – jedenfalls hat es den Anschein, als sei die gesamte Hölle zugefroren!“

„Die Hölle ist zugefroren?“

„Exakt, Chef!“

„Verdammt, dann kann doch das nur heißen …“

„Was denn?“

„Der BER hat eröffnet!“

abc.Etüden KW 43/44 III

abc.etüden 2020 43+44 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

es gibt da ja eine gewisse Gruppierung, von der ich mir wünschen würde, dass sie einfach mal für längere Zeit den Mund hält. Nur tut sie, tun ihre Vertreter das nicht, weswegen es jetzt aus aktuellem Anlass eine weitere der von Christiane organisierten Etüden zur Wortspende von Judith und ihrem Blog „Mutiger Leben“ gibt.

„Hallo?“

„Huäääää …“

„Ähm …“

„Ich bin im Bad … huuäääää …“

„Ähm, darf ich reinkommen?“

„NEIN! Ich übergebe mich gerade!“

„Oh, hast du dir was eingefangen?“

„Nein, ich hab Gauland zugehört. Der hat angesichts der Regierungserklärung von Frau Merkel im Bundestag gesprochen. Der Schmutzfink, der seine Rede geschrieben hat, sollte sich schämen. Und er auch!“

„Na, fabelhaft, warum tust du dir das auch an!?“

„Damit ich es dir sagen kann, damit du hinterher nicht behauptest, nichts gewusst zu haben!“

„Was hat er denn nun gesagt?“

„Zu Anfang verglich er die Opfer der Pandemie mit Todesopfern im Straßenverkehr, um klar zu machen: Shit happens. Dann sagte er Dinge wie: „Das tägliche Infektionszahlen-Bombardement soll aber den Menschen offenbar Angst machen, weil die meisten im Alltag nichts von Covid-19 sehen.“

„Bitte?“

„Jepp! Und er fügt hinzu: „Entschuldigung, aber es handelt sich um eine Art Kriegspropaganda, wozu ja auch passt, dass wir neuerdings von einer Art Kriegs-Kabinett, dem Corona-Kabinett, regiert werden.“

„Kriegs-Kab…“

„Jepp. Dann zitiert er Carl Schmitt.“

„Wen?“

„Carl Schmitt, ein deutscher Staatsrechtler, zwischen 1933 und 1945 Mitglied der NSDAP.“

„Alter …“

„“Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand befindet“ zitiert er und fordert, Entscheidungen wieder dem Bundestag zu überlassen, weiß aber wohl nicht, dass sich Schmitt an anderer Stelle selbst relativiert, indem er sagt: „Keine Verfassung kommt ohne Ausnahmezustand aus, mag dieser als kommissarische Diktatur, politischer Belagerungszustand, Notstand, Regime außerordentlicher Vollmachten oder wie immer benannt werden.“

„HA!“

„Ja. Und letztlich heißt es, dass sich eine „Corona-Diktatur auf Widerruf“ nicht mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung vertrage.“

„Gerade Gauland will unsere freiheitl…“

„Jepp. Und schließlich meint er noch: „Wir müssen abwägen, auch um den Preis, dass Menschen sterben.““

„Das bedeutet ungefähr: „Wir wollen weiter saufen, singen und tanzen, scheißegal ob jemand stirbt!?“

„Könnte man so begreifen, ja.“

Alter, was ein widerliches Gefasel! Ob der sich wohl den Lobbyistenkoffer vom Lauterbach gemopst hat?“

300 Worte.

Übrigens hat Carl Schmitt – wenn man ihn denn partout zitieren wollte – auch gesagt: „Die Statue der Freiheit wird für einen bestimmten Moment mit einem Schleier umhüllt. Wird der Schleier wieder abgenommen, dann tritt […] der Normalzustand mit allen Rechtsgarantien wieder ein.“ Das wiederum passte aber wohl nicht in das Gedankenkonstrukt des Herrn Gauland.

abc.Etüden KW 43/44 II

abc.etüden 2020 43+44 | 365tageasatzaday

Guten Abend, liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich hatte ich bis hierhin noch die eine oder andere Etüde geplant, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Jetzt gibt es aber trotzdem noch eine weitere der von Christiane organisierten Etüden zu Wortspende von Judith und ihrem Blog „Mutiger Leben“. Also, auf gehts:

„Sag mal, wolltest du mir nicht noch irgendwas über journalistische Schmutzfinken in privaten Nachrichtensendern erzählen?“

„Och ja, eigentlich, aber so richtig aktuell ist das in Zeiten eines erneuten Lockdowns ohnehin nicht mehr.“

„Ach, gibt es den jetzt?“

„Japp, wurde vorhin in einer PK durch die Kanzlerin, Herrn Söder und Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, verkündet.“

„Na, ob das wirklich so eine fabelhafte Idee ist? Hätte man da nicht eine andere Lösung …“

„Ach, nein, mal im Ernst, wer die Kanzlerin und Herrn Müller bei der PK gesehen hat, hat gemerkt, dass die sich mit der Entscheidung wirklich nicht leicht getan haben.“

„Und Söder?“

„Ach, den lasse ich mal unkommentiert, sonst rege ich mich nur wieder auf. Einerseits ging mir nämlich seine dämliche Medikamenten-Analogie auf die Nerven. Andererseits legt er in jedem Interview, jeder PK eine irritierende, affektiert staatstragende Attitüde an den Tag, so dass man sich nie sicher sein kann, ob er im Folgenden nur den Wetterbericht vorliest oder nicht vielleicht doch den alternativlosen Einmarsch der Bundeswehr in Polen verkündet.“

„Uuuuhhh …“

„Ach, komm. Jedenfalls: Im November sollten wir also alle zu Hause bleiben.“

„Perfekte Bedingungen für Karl Lauterbach, möchte man meinen.“

„Inwiefern?“

„Na, der hat sich kürzlich dafür ausgesprochen, Kontaktbeschränkungen auch im privaten Umfeld zu kontrollieren.“

„Bitte was?“

„Jepp. „Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein.“, sagte er.“

„Ähm, doch!?“

„Ja, na sicher. Zumal die Unverletzlichkeit der Wohnung ja gemäß Infektionsschutzgesetz ohnehin eingeschränkt werden kann. Aber das reicht dem Herrn Lauterbach augenscheinlich nicht. Ihm schwebt vielleicht viel eher eine angenehme Denunziantenatmosphäre vor, in der mir unliebsame Blockwart-Nachbarn die Gesta…, äh, die Polizei auf den Hals hetzen, nur weil ich unter Umständen allein zu laut Musik höre.“

„Was hat der denn bloß genommen …?“

„Keine Ahnung, vielleicht hat er irgendwas aus einem unbeaufsichtigten Lobbyistenkoffer im Bundestag gemopst …?“

300 Worte.