abc.Etüden KW 39/40 II

abc.etüden 2020 39+40 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

es gibt ja so Tage, Wochen, Phasen, da hoffe ich fast, dass die Welt mir keinen Anlass liefert, Etüden zu schreiben, denn in diesen rege ich mich ja nun mehrheitlich auf. Aber die Welt schafft es eben doch immer wieder, mir Anlässe zu geben, weswegen es eine weitere der von Christiane organisierten Etüden zur Wortspende von Lea und ihrem Blog Kommunikatz gibt.

 

„Na, wie ist es?“

„Könnte den ganzen Tag nur schlafen. Muss AfD-Müdigkeit sein…“

„Was haben die nun wieder verbrochen?“

„Einiges. Beispiel: Die Wahlen zum Stadtratsvorsitz in Gera.“

„Was war denn da?“

„Na, dort wurde der AfD-Kandidat mit 23 von 40 Stimmen zum Vorsitzenden im Stadtrat gewählt.“

„Und?“

„Nun ja … die AfD verfügt im Stadtrat nur über 12 eigene Sitze …“

„Autsch – das bedeutet aber doch, dass …“

„Genau. Und kaum erlaubt sich Olaf Scholz, darauf hinzuweisen, dass es eine dumme Idee bleibt, AfDler in Ämter zu wählen, kocht in der Kommentarsektion der „Welt“ des Volkes Zorn hoch …“

„Du liest immer noch …“

„Nein! Also gut, ja. Gelegentlich. Wenn ich mich aufregen möchte.“

„Scheint ja gut funktioniert zu haben.“

„Allerdings. Zumal ich mir immer noch die Frage stelle, worin überhaupt der Wahlerfolg in Gera begründet liegt.“

„Wie hoch war denn der Stimmenanteil da?“

„28,8 %!“

„Alter … wie überaus traurig.“

„Ja, eben – und ich begreife das irgendwie nicht.“

„Hat vielleicht wirtschaftliche Gründe? Oder liegt am Ausländeranteil? Am Niedergang der Geraer Pilzeindustrie?“

„Ach, Mumpitz! Wenn ich Gera beispielsweise mit Flensburg vergleiche, weil ähnliche Einwohnerzahl, eher etwas weniger, dann komme ich zum Schluss, dass Flensburg einen doppelt so hohen Schuldenstand hat, der Ausländeranteil in Flensburg liegt bei über 10 %, in Gera vor zwei Jahren nur bei 6,9 % und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt und …

„Na, vielleicht sind das noch 7 % zu viel?“

„Untebrich mich nicht. Jedenfalls, diese 6,9 % liegen überdies weniger im Zuzug begründet, sondern darin, dass „Biodeutsche“ wegziehen und, mit Verlaub, wegsterben und …

„Wegsterben?“

„Ja, wieso?“

„Hm, ich arbeite an einem Wortspiel mit Gera und Geriatrie, aber …“

„Bleib mal ernst! Jedenfalls, in Flensburg kommt die AfD auf gerade mal auf 3,7 % und mir will diese gesamte Sachlage nicht in den Kopf. Und niemand aus der Wählerschaft kann behaupten, man hätte nichts gewusst, nicht nach den Aussagen von Christian Lüth.“

„Der gesagt hat?“

„Dazu komme ich noch …“

abc.Etüden KW 39/40 I

abc.etüden 2020 39+40 | 365tageasatzaday

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die abc.Etüden der geschätzten Bloggerkollegin Christiane gehen in die Kalenderwochen 39 und 40 und ich gehe natürlich mit. Die Wortspende stammt diesmal von Lea und ihrem Blog Kommunikatz.

 

„Schon mitbekommen? Heute ist HerbstanfAUA! Spinnst du? Wofür war das?“

„Die Jahreszeit, deren Namen nicht genannt werden darf, fällt aus, wird abgeschafft, verboten!“

„Alter, enstpann dich! Bist du auf Pilzen, oder so!? Geh lieber wieder schlafen! Du wirkst schon wie die ganzen Internet-Lynchmobs, die derzeit über verschiedenste Politiker herfallen!“

„Über wen?“

„Christian Lindner zum Beispiel.“

„Dann hält sich mein Mitgefühl in Grenzen. Was hat er getan?“

„Er hat anlässlich der Verabschiedung von Linda Teuteberg gesagt: „Ich denke daran, Linda, dass wir in den vergangenen 15 Monaten etwa 300 Mal den Tag zusammen begonnen haben“. Als darauf einzelne Lacher erklangen, führte er an: „Ich spreche über unser tägliches morgendliches Telefonat zur politischen Lage – nicht was Ihr jetzt denkt“.

„Okay … und?“

„Nun wird ihm Sexismus und Chauvinismus vorgeworfen.“

„Traurig!“

„Das Gesagte oder die Reaktion?“

„Das überlasse ich mal deiner Interpretation. Und wen lyncht man noch?“

„Merz!“

„HAAA!“

„Ich dachte mir, dass dich das freut …“

„Was hat er vorbrochen?“

„Er wurde von einem Bild-Redakteur gefragt – und ja, man kann bereits die Frage geschmacklos und tendenziös finden – ob er Vorbehalte hätte, wenn ein Schwuler Bundeskanzler würde.“

„Uuuuhhhh …“

„Japp. Darauf Merz: „Nein“!“

„Ja und? Dann ist doch alles gut.“

„Nicht wirklich. Entscheidend ist ein Nachsatz auf die Nachfrage,ob das für ihn „völlig normal“ wäre …

„Uuuuuhhh …“

„Jepp. Jedenfalls fügte er daraufhin an: „Über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion.“

„Uuuuuuhhh …“

„Japp.“

„Also Homosexualität unterschwellig mit Pädophilie gleichzusetzen oder auch nur in die Nähe zu rücken, ist schon selten dämlich. Er hat nicht dazugelernt, nachdem er seinerzeit dafür auf die Mütze bekam, dass er Rechtsradikalismus mit Grenzschließungen bekämpfen wolle.“

„Exakt.“

 

300 Worte.

 

 

Freitagsfragen # 115

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

meiner persönlichen Ansicht nach, ging diese Woche verdächtig schnell rum, deswegen erstaunt es mich doch ein wenig, dass schon wieder Freitag ist und dementsprechend eine neue Ausgabe der Freitagsfragen ins Haus steht. Bis ich zu einem Schluss hinsichtlich der Frage, ob meine Wahrnehmung einer schnell vergangenen Woche an mir selbst, einem Fehler im Raum-Zeit-Kontinuum oder einem defekten Fluxkompensator in meinem Auto liegt, beschäftige ich mich einstweilen mit der Beantwortung eben jener Freitagsfragen, die da diesmal lauten:

 

1.) Was ist Deine Meinung zur Präsidentschaftswahl in den USA?

Hach, wie lange haben wir denn Zeit? Na ja, ich zumindest wenig, weswegen ich mich hier mal auf das Nötigste beschränke: Je länger die Präsidentschaft des, ähm, sagen wir mal diplomatisch, des Amtsinhabers dauert, umso deutlicher wird, wie wichtig es eigentlich wäre, dass er doch möglichst bald eben dieses Amtes verlustig ginge. Sonst sind bald keine Bündnisse, aus denen er austreten und keine Verträge, die er kündigen kann, mehr übrig.

Darüber dass er innenpolitisch eine reine Flitzpiepe ist, muss derzeit nicht viel gesagt werden, sein Verhalten hinsichtlich der Pandemie und der BLM-Proteste spricht Bände. Leider ist er aber eben auch außenpolitisch eine reine Flitzpiepe.

Erinnert sich noch jemand daran, wie er einst die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem verkündete und sich dafür feiern ließ, obwohl alle seine Amtsvorgänger seit Clinton von ihrem Recht Gebrauch machten, eben diese Umsetzung eines alten Kongressbeschlusses unbegrenzt nach hinten zu verschieben? Dafür ließ sich der Herr seinerzeit feiern und auch nach Meinung seines ehemaligen Sicherheitsberaters John Bolton verlief diese Angelegenheit bzw. der bisherige Umzug weitgehend problemlos. Gut, bei Protesten gegen die Entscheidung der Verlegung der Botschaft wurden 2018 mindestens 60 Palästinenser erschossen und über 2.700 verletzt, aber hey …

Erinnert sich noch jemand an die beiden Treffen von Trump bzw. Pompeo mit dem kleinen, pummeligen Nordkoreaner 2018 und 2019, seinerzeit von Trump ebenfalls gefeiert, als hätte er gerade Weltfrieden und Beendigung des Welthungers gleichzeitig über die Menschheit gebracht? Geblieben ist davon nichts, Ende 2019 nannte Trump sein nordkoreanisches Gegenüber wieder „Raketenmann“, von dort konterte man, indem man Trump als einen „dementen Alten“ bezeichnete. Recht hatten vermutlich beide, trotzdem wurde es als Beleidigung aufgefasst …

Erinnert sich noch jemand daran, als er 2019 die EU als „schlimmer als China“ bezeichnete und bereits ein Jahr vorher sagte: “ „Die Europäische Union wurde gebildet, um uns beim Handel auszunutzen. Und das ist, was sie getan haben. Niemand behandelt uns viel schlechter als die Europäische Union.“!? Hach, manchmal möchte man ihm ein Eis kaufen und über die Straße helfen.

Erinnert sich noch jemand an die Austritte aus den Veträgen hinsichtlich der nuklearen Mittelstreckenrakten mit Russland, dem Austritt aus dem Iran-Deal, dem geplanten Ausstieg aus den Open-Skies-Veträgen und zuletzt, verdammte Axt nochmal, die Ankündigung des Austritts aus der WHO weil zwar die USA größter Geldgeber der WHO seien, diese aber unter dem Einfluss Chinas stünde – „Warum, wenn ihr doch der größte Geldgeber seid, habt ihr da was falsch gemacht?“ möchte man reflexartig fragen – und außerdem von Trump für die hohe Anzahl an Toten durch die Corona-Pandemie in den USA verantwortlich gemacht wurde!

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich habe seinerzeit nicht geglaubt, dass dieser Mann tatsächlich gewählt wird – um ehrlich zu sein, habe ich bei Bekanntwerden der Kandidatur sogar schallend gelacht -, nun glaube ich heute aber leider auch nicht, dass man ihn abwählt. Das wäre für die Welt zwar fatal, würde mir aber ein größeres Zeitfenster einräumen, das Buch von John Bolton zu lesen, dass ich nur deswegen noch nicht durchgelesen habe, weil sein Schreibstil trockener ist als das Death Valley.

2.) Gab es in Deiner Kindheit und Jugend strenge Regeln, wie viel und was auf dem TV du sehen durftest?

Nein, nicht dass ich wüsste. Es ging weniger um das „wieviel“ und „was“, es ging mehr um das „bis wann“, denn irgendwann musste man dann ja doch mal im Bett sein. So erinnere ich mich noch selig zurück, dass damals™ beispielsweise Fußball-Länderspiele noch zu einer Zeit begannen, die es mir ermöglicht hat, wenigstens noch die erste Halbzeit zu sehen, manchmal auch die zweite, wenn ich dafür versprach, am nächsten Tag nicht darüber zu nörgeln, dass ich müde sei. Nachdem man mittlerweile den Anstoß für CL-Spiele auf 21 Uhr gelegt hat – was im Falle solcher Lustigkeiten wie Verlängerung und Elfmeterschießen auch für die arbeitende Bevölkerung irgendwann mal zum Ärgernis werden kann – haben nachfolgende Generationen da noch größere Schwierigkeiten.

3.) Hörst Du gerne anderen Menschen zu?

Eine Reihe von Menschen, denen ich dahingehend vertraue, so etwas nicht nur zu behaupten, um mir zu gefallen, würde wohl sagen, dass ich das gern tue und auch gut kann. Ich gebe aber zu, dass ich es noch lieber habe, wenn andere Menschen mir zuhören. 🙂

4.) Die Wahl der Qual: Soll alles was Du besitzt für immer zerstört oder unwiederbringlich gestohlen werden?

Ich würde ja „weder, noch“ sagen, aber das geht wohl nicht. Hm, einerseits könnte ich ganz altruistisch sagen, dass der gestohlene Besitz dann ja wenigstens noch anderen Menschen zugute kommt, aber hey, er bliebe immer noch gestohlen. Daraus sollte sich kein Gewinn erzielen lassen. Insofern würde ich mich dafür entscheiden, dass alles unwiederbringlich zerstört wird. Oder halt, noch besser: Ich bin dafür, dass es erst gestohlen und DANN für immer zerstört wird, aus reiner Boshaftigkeit dem Dieb gegenüber und unter Hinweis auf die alte Fußballerweisheit: „Wenn wir nicht gewinnen können, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.“

 

Das war es auch schon wieder. Ich wünsche allseits ein schönes Wochenende und verabschiede mich in ein ebensolches, welches in meinem Fall daovn bestimmt sein wird, dass die Bundesligasaison wieder losgeht, ich angesichts der hier zu erwartenden Wetterlage wohl viel zum Lesen kommen werde, die Bundesligasaison wieder losgeht, ich vielleicht mal dazu komme, wirklich auszuschlafen und ansonsten muss noch darauf hingewiesen werden, dass die Bundesligasaison wieder losgeht.

abc.Etüden KW 37/38 V

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

aller guten Dinge sind, ähm, fünf, deswegen gibt es jetzt noch eine der von Christiane organisierten Etüden zur Wortspende von Ludwig Zeidler. Dann muss aber auch gut sein. 🙂

„Hey!“

„Oh, nein …“

„Was denn?“

„Bitte kein Gerede über von der Leyen oder Politik.“

„Hatte ich nicht vor!?“

„Nicht? Worüber willst du dann reden?“

„Erinnerst du dich an meinen Gedichtzyklus „Keimzeit ist Reimzeit“?“

„Hm, andererseits ist gegen eine Diskussion über die Rede von Frau von der Leyen so viel auch wieder nicht einzuwen…“

„Vergiss es!“

„Okay.“

„Also: Ich habe eine Gedichtgruppe geschrieben. Thematisch gesehen.“

„Worüber?“

„Über Gemüsebrühe!“

„Über Gem…“

„Genau! Tolle Idee, oder? Und ich nenne sie: „Mit Brüh´ und Not!“ Oder auch …“

„Spar dir die Brühe!“

„Ja, das ist es! Genial! Meins war nur ein Arbeitstitel, aber das …“

„Nein, ich meinte: Mach lieber was anderes!“

„Ach so? Gefällt dir nicht? Hm, dann vielleicht eines meiner religionskritischen Gedich… wo willst du hin?“

„Ich schichte schon mal deinen Scheiterhaufen auf …“

„Nix da, hiergeblieben, zuhören. Folgendes Werk nenne ich „Engelhaft“. Substantiv. Wie Himmelsbotengefängnis quasi.“

„Aha …“

„Also … *räusper*

„Am Tische sitzt der Gabriel und knabbert voller Not,
und voller Weh und Ach im Herz an einem Kanten Brot
.

Gleich neben ihm sitzt Michael, der döst so vor sich hin,
scheint angesichts der Lage noch recht positiv im Sinn.

Dort drüben an der Wand, dort kauert Raphael
hat ähnlich wie der Erstgenannte Pein in seiner Seel.

Ihr Chef, der hat sie weggesperrt: Insubordination!
Die Tür schlug zu, zu auch das Schloss, der Knast war nun ihr Lohn,

„Vielleicht“, so sprach der Gabriel, „solln wir doch letztlich tun,
was der Chef da von uns will, nichts anderes bleibt doch nun.“

„Hast recht!“, rief da der Michael, „jetzt gibt es auf die Mütze.
Wir legen los, mit voller Kraft: Nu‘ is‘ Apokalypse!“

Ihr Chef war gnädig, ließ sie raus, erwartend nun ihr Tun,
alsbald die panisch‘ Menschheit lief herum, wie’s aufgescheuchte Huhn.“

„Na? Genial, oder!? Total tief irgendwie!“

„Tief, ja, tief würde ich’s im Garten vergraben!“

300 Worte.

abc-Etüden KW 37/38 IV

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

noch läuft die 38. Kalenderwoche, was gleichbedeutend damit ist, dass man Etüdenorganisatorin Christiane noch weitere Etüden zur aktuellen Wortspende von Ludwig Zeidler zukommen lassen kann. Also mache ich das doch einfach mal:

 

„Wie jetzt, du löst Kreuzworträtsel?“

„Jepp. Hilf mir mal eben: Anderes Wort für zart oder ätherisch mit neun Buchstaben!?“

„Engelhaft?“

„Passt, danke!“

„Gern. Noch keine Nachrichten gehört?“

„Welche?“

„Na, Deutschland nimmt 1.500 Flüchtlinge aus Griechenland auf. Gute Idee, oder!?“

„Ach, wie man es nimmt …“

„Was? Wirste jetzt zum AfDler …?“

„Ach, Unfug.“

„Und dennoch bist du irgendwie unzufrieden?“

„Schon.“

„Weil?“

„Weil ich denke, dass europaweit so viel mehr möglich wäre. Sieh mal, schon in §2 des EUV steht: „Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde (…)“ etc. – aber man scheint bei der EU derzeit angetreten zu sein, um eben diese Menschenwürde mit Füßen zu treten und Heuchelei zum Grundsatz des Handelns zu machen.“

„Inwiefern Heuchelei?“

„Die geplante Aufnahme von 400 unbegleiteten Kindern wurde von der EU nach dem Moria-Brand als brandneue Idee verkauft. Dabei berichtete die Presse über diese Pläne schon im März.“

„Es braucht halt Zeit bis zu einer europäischen Lösung …“

„Ach, die haben wir doch, und da sind wir schon bei der Menschenwürde.“

„Inwiefern?“

„Na, all diese Dinge, die Pushbacks, Internierungslager in Libyen, EU-finanzierte Flüchtlingslager in Tripolis, aus denen sich sogar das UNHCR zurückzog, weil man die Sicherheit der Menschen nicht mehr gewährleisten konnte, die überfüllten Lager in Griechenland und anderen südeuropäischen Staaten, die man weitgehend allein mit der Situation lässt, all das, machen wir uns doch nichts vor, all das IST die europäische Lösung. Zumindest scheint man an keiner anderen interessiert zu sein.“

„…“

„Und das Schlimmste sind die Deppen, die sich heute aus aktuellem Anlass wieder in den asozialen Hetzwerken und sonstwo auskotzen, obwohl sie mehrheitlich die Sprache des Landes, das sie zu verteidigen angetreten sind, nicht mal in Wort und Schrift beherrschen. Widerlich!“

„Tja, und nun?“

„Vielleicht baue ich mir ´n Bunker und vergrabe mich darin.“

„Hm, da bekäme „Wolfsschanze“ eine völlig neue…“

„Sags nicht!“

 

300 Worte.

abc.Etüden KW 37/38 III

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich starte mal ohne große Vorrede in die dritte der Etüden, die weiterhin von Christiane organisiert werden, während die Wortspende von Ludwig Zeidler beigesteuert wurde.

 

„Wenn hierzulande nicht die Verbrennung von Druckerzeugnissen eine so schlechte Lobby hätte, dann …“

„WAS?“

„… dann würde ich ja dazu aufrufen, regelmäßig die gesamte Auflage der „Bild“ abzufackeln.“

„Aha. Du würdest also alle verfügbaren Exemplare aufkaufen und dann dem Feuer überantworten!?“

„Genau!“

„Hm, ob es Julian Reichelt wohl egal ist, ob man sein ekelerregendes Pamphlet liest oder verbrennt, solange man es bezahlt hat …!?“

„Ich … habe nie gesagt, dass mein Plan perfekt ist …!“

„Offensichtlich. Worum geht es denn überhaupt?“

„Um Rügen!“

„Die Insel?“

„Nein, die des Presserats. Die „Bild“, die sich in ihren widerlichen Werbespots ja immer so engelhaft-bürgernah gebärdet, die bekam nämlich von allen seit 1986 durch den Presserat ausgesprochenen Rügen – 797 an der Zahl – ganze 214 verpasst. Das sind etwa 27 Prozent aller erteilten Rügen. Und neulich kamen erst wieder neue dazu. Zwölf Rügen wurden verteilt, fünf gingen an die „Bild“.

„Und wofür?“

„Oh, unter anderen für die Berichterstattung über die Drosten-Studie, die seinerzeit „grob falsch“ genannt wurde. Momentan muss sich der Presserat aber noch mit etwas viel Schlimmerem befassen.“

„Nämlich?“

„Die „Bild“ hat anlässlich der Berichterstattung über die getöteten Kinder in Solingen Kontakt zu einem Schulfreund des überlebenden Sohnes aufgenommen und dessen Whatsapp-Chat mit besagtem Sohn vom Tag der Tat auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Oh, und ein Bild des besagten Schulfreunds haben sie auch veröffentlicht, ohne den Jungen darauf unkenntlich zu machen.“

„Was? Wie widerlich ist das denn?“

„Jepp! Das Schlimme ist: Interessiert das die Schergen dieses Hetzblatts? Gehen die jetzt vor Scham in Sack und Asche oder vergraben sich in selbstauferlegter Journalismus-Quarantäne oder etwas in der Art?“

„Nein?“

„Ach, Quatsch, die machen einfach weiter. Sie müssen nur in einer der nächsten Ausgaben die Rüge veröffentlichen – fertig“

„Hm, dann sind diese Rügen ja irgendwie eine gute Idee, die aber zahnlos wirkt, wenn die Konsequenzen ausbleiben.“

„Tja, die Pressefreiheit ist halt ein hohes Gut …“

 

300 Worte.

abc.Etüden KW 37/38 II

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich hänge thematisch noch an gestern fest, deswegen gibt es heute eine weitere der von Christiane organisierten Etüden zur Wortspende des Etüdenerfinders Ludwig Zeidler.

 

„Ich fasse es nicht!“

„Was denn?“

„Na, nach dem Brand von Moria hätte ich erwartet, dass Frau von der Leyen kommt und sagt: „Passt mal auf, ich habe eine Excel-Tabelle aller EU-Staaten unter Berücksichtigung von Einwohnerzahl und Durchschnittseinkommen aufgestellt und darauf basierend errechnet, wie viele der Menschen in Moria jedes Land aufnehmen muss – und die nimmt jetzt jeder. Punkt. Basta. Ende.““

„Aber?“

„Stattdessen schwafelt sie etwas davon, „den unverzüglichen Transfer der verbleibenden 400 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen auf das griechische Festland zu finanzieren.“ Womit dort „nur“ noch etwa 12.000 Menschen verblieben – na hurra! Andere Teile der deutschen Politikerkaste bewerfen sich derzeit gerade mit verbalen Exkrementen der Schuld oder aber fallen durch ausnehmende Pietätlosigkeit auf.“

„Beispiel?“

„Alice Weidel.“

„Wie überraschend …“

„Japp, sie schrieb bei Facebook: „Wer Lager mutmaßlich anzündet, damit andere Bewohner gefährdet, Tote in Kauf nimmt und die Feuerwehr am Einsatz hindert, verdient ein Ticket: das nach Hause ins Heimatland!““

„Übel!“

„Japp, in die Kerbe schlagen aber auch andere. Hessens Europaministerin sagt: „„Dieser Gewaltausbruch einiger darf nicht belohnt werden.“ und schlägt stattdessen vor, dass man alles dafür tun solle, „die Bedingungen in diesen Einrichtungen zu verbessern“.“

„Na, was für eine großartige Idee!“

„Ja, oder!? Derweil gelingt es Biszurletztenpatrone-Innenhorst und der sich 2015 engelhaft gebenden Kanzlerin, trotz und gerade während Deutschlands EU-Ratspräsidentschaft nicht, dafür zu sorgen, dass knapp 13.000 Menschen in einen Wirtschaftsraum mit fast 450 Millionen Einwohnern eingegliedert werden – wie peinlich ist das!? Unser Innenhorst bleibt bei seiner 200.000-Zuwanderer-Obergrenze, trotz der Tatsache, dass er selbst im Juli sagte, dass „die Zahl der neu Angekommenen in diesem Jahr noch weit unter dieser Marke“ liege. Schlimmer noch: Er blockiert seit Wochen jegliche Initiative aus den Bundesländern, insgesamt 2.100 Menschen aufzunehmen. Und währenddessen tut unsere Kanzlerin so, als habe sie sich in die Lektüre von „Der gute Mensch von Sezuan“ vergraben und als ginge sie das alles nichts an.“

abc.Etüden KW 37/38

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

„hurra, die Etüden gehen weiter!“ Undgefähr so lässt sich meine erste Reaktion auf die jüngst erfolgte Schreibeinladung durch die Etüdenorganisatorin Christiane zusammenfassen. Kurz danach folgte aber schon so ein Gedanke wie „Wie jetzt, 37 Kalenderwoche!?“ Wir befinden uns ernsthaft in der 37. Kalenderwoche? So ein Jahr hat doch nur so 52, oder bin ich da falsch informiert? Das ist ja gruselig, ich sehe George Michael schon am Horizont aufziehen. Im übertragenen Sinne. Bevor mich derlei Gedanken noch weiter frustrieren, wenden wir uns mal der ersten klassischen Etüde in meinem recht neuen Zweitblog zu. Die Wortspende dafür kommt diesmal von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder höchstselbst.

„Na, wie is´?

„Unterirdisch. Außerdem bin ich eben fast in einen Pflegedienst-Wagen geknallt, weil der so etwas wie blinken nicht kennt. Zu allem Überfluss: Moria brennt!“

„Du machst dir Sorgen, weil eine unterirdische Zwergenstadt im Tolkien-Universum …“

„Nicht Khazad-dûm, du Pfeife! Das Flüchtlingslager auf Lesbos!“

„Hihi, Lesbos …“

„Sag mal, kannst du mal ernst sein, das ist nicht witzig!“

„Tschuldigung. Was ist denn vorgefallen?“

„Nun, dieses völlig überfüllte Flüchtlingslager …“

„Moment, zuletzt waren da nur noch etwa 13.000 Menschen untergebracht, das ist ein Fortschritt, es waren nämlich schon mal durchaus mehr!“

„Und ausgelegt ist es immer noch nur für etwa 3.000, und allein die Tatsache, dass du mir jetzt eine vierfache Überbelegung als Fortschritt verkaufen willst …“

„Tschuldigung.“

„Jedenfalls, aus ungeklärten Gründen brennt es da jetzt. Vorher gab es Unruhen, weil das Camp coronabedingt unter Quarantäne gestellt werden sollte. Geile Idee, oder? Ein Camp, in dem niemand Abstand halten kann, unter Quarantäne stellen …“

„Na, vielleicht tut die EU jetzt ja mal was …?“

„Muhahahaha, entschuldige, aber die sich engelhaft darstellende Präsidentin der EU hat in der Hinsicht bisher genau nichts vorzuweisen.“

„Aber immerhin hat der EuGH im April beschlossen, dass sich die Ostländer der EU, namentlich Polen, Ungarn und Tschechien, niemals hätten weigern dürfen, Flüchtlinge aufzunehmen.“

„Aha – und hat das Urteil rückwirkend Konsequenzen?“

„Äh,  nein …!“

„Ach  – und zukünftig!“

„Ähm … noch nicht!“

„Toll, dann ist das ungefähr so, als würde ich meinen Nachbarn erschlagen, das Gericht feststellen, dass ich das aber nun wirklich nicht hätte tun dürfen und man mich dann gehen lässt.“

„Vielleicht sollte man Menschen sowieso nicht dort unterbringen, wo sie nicht willkommen sind!?“

„Sachsen?“

„Nein, ich…“

„Ja, ich habs begriffen. Dennoch bleibt diese ganze Sache mit dem jetzigen Resultat des Brandes ein Totalversagen der gesamten EU, die ihre einstigen Ideale zusammen mit der ach so erfolgreichen „Europäischen Migrationsagenda“ unter dem Altar der Scheinheiligkeit vergraben sollte.“

300 Worte.

Sparta 2.0 in Berlin

„Hey! Na, wie siehts aus bei Dir heute?“

„Ach, halt doch die Fresse!“

„Na hör mal – ich frag doch nur …“

„Ach, ich bin halt immer noch angepisst.“

„Wovon?“

„Na, von der Demo in Berlin am letzten Samstag.“

„Ach so. Tja, die hätte wohl wirklich verboten bleiben sollen, was!?“

„Wie kommst du denn auf dieses schmale Brett!? Es ist gut, dass sie nicht verboten wurde! Keine Demonstration – sofern sie sich nicht gerade erkennbar gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet – sollte verboten werden. Soll doch jeder sein Weltbild kundtun dürfen, und mag es noch so verschroben sein. Nein, ich bin absolut gegen ein Verbot. Ich verstehe da auch den Berliner Innensenator nicht.“

„Inwiefern?“

„Na, der verbietet die Demo aus Gründen des Infektionsschutzes und fügt anschließend an: „„Ich bin nicht bereit, ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird.““

„Nun ja, das war aber seine persönliche Meinung, die hatte auf das Verbotsverfahren und das Verbot als solches gar keinen Einfluss.“

„Aha. Und hat er das auch ganz deutlich so dargestellt, sodass da keinerlei Missverständnisse aufkommen konnten und sich nicht vorab schon unzählige Demonstranten als „Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten“ dikreditiert sehen mussten?“

„Na ja … eigentlich nicht!“

„Eben! Bei den Demonstranten kam doch auf die Weise an, dass die Versammlungsfreiheit in Berlin davon abhängt, wozu der Innenminister bereit ist oder nicht, dabei ist die Frage, wozu er bereit ist, oder eben nicht, in diesem Zusammenhang vollkommen scheißegal.“

„Aber … also, die Ereignisse geben ihm schon recht …“

„Ach, Mumpitz!“

„Da ist aber doch so einiges schief gelaufen!“

„“Schief gelaufen“ ist in diesem Zusammenhang ein ziemlich übler Euphemismus. Da verschafft sich eine Menge von mehreren hundert Leuten Zugang zu den Treppen des Reichtstagsgebäudes und muss von gerade mal drei Polizisten aufgehalten werden wie weiland die Perser von den Spartanern an den Thermopylen.“

„Ähm, die Spartaner haben letztlich verloren, die Verluste waren bedeutend!“

„Willst du damit sagen, dass du nicht verstehst, was wiederum ich damit sagen will?“

„Doch, doch …“

„Also spar dir deine Spitzfindigkeiten!“

„Aber …“

„Klappe zu! Da stehen also drei Beamte …“

„… die die Menge, realistisch betrachtet, auch nicht wirklich hätten „aufhalten“ können, wie du sagst, wenn diese Menge wirklich ins Gebäude gewollt hätte …“

„Das mag sein, auch wenn die Beamten, rein von den Videoaufnahmen her, einen derartigen Eindruck auf mich gemacht haben, dass ich als Demonstrant umgehend nach Hause gefahren wäre, im Auto leise „Die Gedanken sind frei“ gewimmert und mich dann in Fötushaltung unterm Bett versteckt hätte. Die hätte ich gerne nachts als Begleitung, wenn man mal Ärger bekommt. Aber darum geht es auch nicht.“

„Sondern um was?“

„Um die Demonstranten selbst und um die, die sie unterstützen. Die gehen mir nämlich auf den Sack!“

„Ja, aber du hast doch eben noch gesagt, jeder soll sein Weltbild …“

„Ja, aber auch darum geht es nicht. Es geht um die Selbstwahrnehmung dieser Demonstranten.“

„Inwiefern?“

„Na, die heulen doch immer: „Buhuhu, ich bin kein Verschwörungstheoretiker/Reichsbürger/Rechter/whatever, sondern ich mache mir einfach nur Sorgen um unsere Grundrechte und werde trotzdem mit solchen Leuten in einen Topf geworfen. Voll ungerecht, buhuhu …““

„Ja, stimmt. Und?“

„Nun, wenn das doch so ist, dann habe ich mir schon in der Vergangenheit immer gedacht: „Ja, dann marschiert halt einfach nicht mit denen mit. Dann organisiert eure eigene, meinetwegen kleinere Demo, wo eben keine Leute rumlaufen, von denen ihr das nicht wolltet. Und wenn ihr schon mit denen mitmarschierst, dann setzt euch doch wenigstens durch! Ihr, die ihr euch angeblich nur Sorgen macht, seit doch angeblich die überwältigende Mehrheit. Dann verhaltet euch doch auch so. Distanziert euch von deren verschissener, verachtenswerter Ideologie, haut dem Nazi-Abschaum meinetwegen, wenn es gar nicht anders geht, aufs Maul, wickelt sie in ihre Reichsflaggen und legt sie am Wegesrand ab, aber tut etwas. Nur hört auf mit dieser weinerlichen Opferrolle auf!“ Aber nee, nie ist irgendwas in der Richtung passiert, stattdessen wurde fleißig weitergejammert.“

„Stimmt. Und weiter?“

„Na, jetzt hätten sie, nach den Vorkomnissen, wo drei Beamte sozusagen das politische Zentrum unserer Demokratie verteidigen mussten, jetzt hätten sie doch mal, die doch angeblich so besorgten Nicht-Rechten, die Gelegenheit zu sagen: „Okay, jetzt reichts! Mit denen wollen wir nichts zu tun haben und wir distanzieren uns davon deutlich!“ Aber nee!“

„Nee?“

„Nee! Beispielsweise der Veranstalter: „Querdenken 711″. Würden sie doch wenigstens tatsächlich denken, ob quer oder stringent, wäre mir egal, dann würden sie die Chance nutzen, sich von dem, was da passiert ist, zu distanzieren. Aber nee …“

„Nee?“

„Nee! Zum einen hat die das zwischenzeitliche Verbot anscheinend gar nicht interessiert. „Eine Demo braucht keine Genehmigung, es ist unser Grundrecht, uns versammeln zu dürfen“, schrieben sie bei Telegram nach Verkündung des Verbots, vollkommen ausblendend, dass eine Demo natürlich keine Genehmigung braucht, dass sie aber eben schon angemeldet werden muss und unter bestimmten Voraussetzungen – beispielsweise bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung, Artikel 15 Versammlungsgesetz – selbstredend auch verboten werden kann. Aber das sind Menschen, die zitieren, wenn es um die Meinungsfreiheit geht, auch immer nur den ersten Satz von Artikel 5 unseres Grundgesetztes. Wie auch immer, auch hinsichtlich der Geschehnisse bei der Demo hat man sich von nichts und niemandem distanziert. Nee, stattdessen veröffentlichen die zwei Videos von „KenFM“, sprich von Ken Jebsen, in denen die ganze Veranstaltung verklärend bunt geschildert und gezeigt wird. Vermeintlich ganz normale Menschen werden befragt, die Atmosphäre beschreibt eine der Befragten als „friedlich, sehr friedlich, positiv, liebevoll“ – na ja – ein anderer weist sinngemäß darauf hin, dass, „sollte da mal´n Nazi tatsächlich dazwischen sein“, dann gehöre er genau da hin, denn wo solle er sonst lernen, dass – sinngemäß – jede Art von Trennung falsch sei und man es nur zusammen erreichen könne. Eine junge Frau mutmaßt, dass die Polizei mit der Verschiebung der Demo bewusst darauf hinarbeitet, dass die Demonstranten die Abstände nicht mehr einhalten können. Während dieses Videos sieht man keine einzige Reichsflagge, kein einziges anderes in diese Richtung deutendes Symbol.“

„Ach, und wo kommen die auf den Videos der nicht voreingenommenen Medien so plötzlich her? Gerade die vorm Reichstag?“

„Ja, jetzt kommt es: Nicht nur der Veranstalter versäumt es, sich von den Faschos und den anderen Deppen zu distanzieren. Nein, das schaffen auch die Demonstranten und deren Unterstützer nicht. So wird im Netz gemutmaßt, dass es sich bei der Reichstagsaktion um eine „false flag“-Aktion der Antifa gehandelt haben müsse und die „Welt“ titelt „Die gefährliche Legende vom „Sturm““, so als ob es irgendwie relevant wäre, ob die Dreckspenner sich ihren Weg auf die Stufen des Reichstags nun „erstürmt“ hätten oder gemütlich voranmarschiert wären.“

„Also …“

„Ewigkeiten jammern die Teilnehmer dieser Demonstrationen, dass sie mit Rechten in einen Topf geworfen werden, und jetzt, wo es eindeutige, für alle ersichtliche Beweise dafür gibt, dass von eben diesen Vertretern des geistigen Prekariats nicht nur so zwei, drei Versprengte da rumlaufen, da versäumen sie es, auf den gebotenen Mindestabstand zu diesen Leuten zu gehen und versuchen lieber, die Aktion dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben. Und DAS ist es, was mich so anpisst.“

Freitagsfragen #113

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

im vollen Bewusstsein, die Freitagsfragen 110 bis 112 bisher verpasst zu haben – die werden irgendwann nachgeholt und sozusagen dazwischengeschoben – widme ich mich jetzt erst mal der aktuellen Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Bist Du handwerklich begabt?

Gute Güte, nein! Früher, mit anderen Worten zu meiner Zeit – hach, das wollte ich immer schon mal sagen – beinhaltete das niedersächische Schulsystem noch etwas, das sich Orientierungsstufe nannte. Dorthin kam man nach der Grundschule für zwei Jahre, bevor man sich dann für einen weiteren Besuch der Haupt- oder Realschule oder am Gymnasium entschied bzw. empfahl. Dagegen wetterten aber erfolgreich Elterngenerationen, weil dann ja das Kind einmal zusätzlich aus seinem Klassenverbund gerissen wird, buhuhu, und letztlich wurde diese Orientierungsstufe dann abgeschafft – und phasenweise dadurch ersetzt, dass man Kindern in der Grundschule Schreiben nach Gehör beigebracht hat, weil es natürlich totaaal wichtig ist, das Damian-Jeremy und Jaques-Noëlle ihre Individualität entdecken und ausleben dürfen und es absolut nicht wichtig ist, etwas von Anfang an richtig zu machen, schließlich kann man ja später umlernen, und auch dadurch, dass Kinder heute in der Grundschule bereits so eine Singen-und-Klatschen-Variante von Englisch-Unterricht bekommen, der den selben „Is‘ nich‘ so wichtig, wie man es schreibt“-Ansatz verfolgt, mit dem Erfolg, dass man an Gymnasien heute Schüler und Innen hat, die keine adäquate Stifthaltung vorweisen können, aber dafür … ich schweife ab!.

Jedenfalls gab es an dieser Orientierungsstufe auch ein Fach, das nannte sich „Werken“. Und bereits da wurde deutlich, wie bemerkenswert untalentiert ich doch bin, wenn es um handwerkliche Tätigkeiten jeder Art geht. Und irgendwie hat sich daran bis heute nichts geändert. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn Umlernen kann man ja immer noch …

2.) Welches Möbelstück hast Du zuletzt angeschafft?

Das dürfte mein Schreibtisch gewesen sein und auch das ist schon wieder eine ganze Weile her. Ich neige ja dazu, Dinge so lange weiter zu benutzen, bis sie wirklich den Geist aufgeben und das meist aus ganz simplen ökonomischen Beweggründen, weswegen eine Möbelanschaffung jetzt auch nicht wirklich etwas ist, das in regelmäßigen oder gar kurzen Abständen ansteht.

3.) Wenn Deutschland einen Nationalsaurier hätte, welcher würde es am besten repräsentieren?

Was für ´ne geile Frage! 🙂 Von sämtlichen bekannten Saurierarten würde ich mir wohl den Citipati aussuchen, ein zu den Coelurosauria (Hohlschwanz-Echsen) gehörendes Exemplar aus der Mongolei, und zwar weil „Citipati“ übersetzt so viel heißt wie „Herr des Scheiterhaufens“. Denkt mal drüber nach, ich finds gut. 🙂

Sollte ich mir selbst ein Exemplar zusammenklöppeln, wäre mein Teutonicusaurus ein sehr pünktliches Exemplar. Morgens immer der Erste an der Wasserstelle. Man munkelt sogar, er habe das eine oder andere Exemplar seiner Beutetiere gehäutet, um eben damit dann den Bereich zu markieren, der ihm seines Erachtens an der Wasserstelle zusteht.

Er wäre sehr strebsam, eigentlich den ganzen Tag auf der Jagd. Würden ihn andere Dinosaurierkollegen ansprechen und darauf hinweisen, dass, wenn man die Beute, die alle machen, ansatzweise gleich verteilen würden, alle ganz gut davon leben könnten und niemand mehr aussterben müsste, dann würde er diesen Vorschlag weit von sich weisen, weil davon ja auch diese faulen Brontosaurier und andere Pflanzenfresser profitieren, die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als durch die prähistorischen Wälder zu flanieren und Blätter zu knabbern, ungeachtet der Tatsache, dass diese mit seiner Beute ja nun wenig anfangen könnten. Nein, trotzdem, das würde dem Teutonicusaurus nicht gefallen, denn Leistung muss sich lohnen und belohnt werden.

Natürlich würde er seinen Müll, also die Überreste seiner Beute, säuberlich trennen. Splitternde Knochen hierhin, sehniges Fleisch dorthin und alles andere da drüben. Diese Vorgehensweise wird die Paläontologen dereinst vor interessante Fragen stellen.

Insgesamt wäre er kein sonderlich geselliger Typ, nur einmal im Jahr gestattet er sich, über einen begrenzten Zeitraum über die Stränge zu schlagen. Dann lässt er sich von den faulen Pflanzenfressern die Bäume mit den vergorenen Früchten zeigen, haut sich damit tierisch die Rübe voll, wirft sich dann den eben noch hilfreichen und arglosen Pflanzenfresser ein und grölt anschließend durch die Gegend. Hieraus werden später Schützen-, Ernte- und Oktoberfeste entstehen.

Insgesamt wäre er kein sonderlich geselliger Typ, ein eher ichbezogenes Exemplar also. Seine übersteigerte Egozentrik wird dann später auch der Grund sein, warum die Art ausstirbt, weil man eben alleine häufig nicht weit kommt. Bis das dem Teutonicusaurus klar wird, ist es aber einerseits zu spät, andererseits ist aber sowieso schon der Asteroid Chicxulub am Himmel zu erkennen.

4.) Die Wahl der Qual: Hättest Du lieber Fischschuppen oder Federn am ganzen Körper wachsen?

Nun trage ich privat eher selten Dinge wie Federboas oder solche Scherze, könnte mir aber vorstellen, dass Fischschuppen noch befremdlicher aussehen würden, insofern entscheide ich mich für die Federn.

Das war es auch schon wieder. Für später wünsche ich einen guten Start in ein schönes Wochenende, bleibt gesund und

gehabt euch wohl.