abc.etüden 2022 08+09 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nach einer gefühlten Ewigkeit fühle ich mich auch mal wieder bemüßigt, an den von Christiane organisierten Etüden mitzuwirken, diesmal zur Wortspende von Gerda Kazakou. Auf gehts.

„Es gibt ja so Leute …“

„Ja?“

„Die testen im Falle von Zahnschmerzen gelegentlich mit der Zunge, ob die Schmerzen noch da sind, nur um dann festzustellen: Ja!“

„Und?“

„Und ich tue das auch. Nur anders.“

„Wie jetzt?“

„Na, mehr so in journalistischer, informationstechnischer Hinsicht.“

„Aha …“

„Ja – ich lese beispielsweise gelegentlich in den Online-Auftritt der „Welt“, nur um zu prüfen, ob ich mich wieder aufrege.“

„Und?“

„Funktioniert jedes Mal … Hier zum Beispiel: Unter der Überschrift „Flüchtlingslage spitzt sich dramatisch zu“ berichtet die „Welt“ in ihrer gewohnt feurigen Art und Weise …“

„Vom Leid der ukrainischen Flüchtlinge?“

„Ach, iwo – vom „Leid“, das wir damit in Deutschland haben werden!“

„Wie jetzt?“

„Nun ja, da wird behauptet, die Bundesrepublik gerate schon bald an ihre Kapazitätsgrenze – ich höre die Polen bis hierher lachen. Dann kommt mein Lieblingssatz: „Waren es zu Beginn fast ausschließlich ukrainische Mütter und Kinder, die in Zügen aus Kiew und anderen Regionen eintrafen, kauern nun zusätzlich Tausende junge Menschen mit anderen ausländischen Wurzeln in den überfüllten Bahnhofshallen.“

„Mit anderen Worten, die „Welt“ wundert sich, dass auch Ausländer aus der Ukraine ausreisen und schürt alte „Wer-weiß-wen-wir-uns-da-alles-ins-Land-holen-Ängste“?

„Exakt.“

„Widerlich!“

„Nein, wirklich widerlich ist: „Natürlich stellt sich auch die Kostenfrage, die eigentlich von Bund und Ländern zusammen beantwortet werden soll.“

„Alter, ich möchte ja nicht in der Haut des Schreiberlings stecken – ich müsste mich dauernd abkärchern …“

„Ich denke, die Schreiberlinge schweben einfach über den Dingen. Trotzdem, schlimmer als der offensichtliche Verlust jeglicher Menschlichkeit innerhalb dieses verrotteten Drecksblattes …“

„Du verlierst gerade Contenance und Eloquenz gleichzeitig…“

„… ist wie üblich nur die Kommentarspalte unter dem Artikel. Ich schäme mich, zusammen mit Menschen in einem Land zu wohnen, die angesichts der zu erwartenden Flüchtlinge „Ich bin es satt, immer nur für andere zu buckeln.“ von sich geben.“

„Selbst, während unweit ein Krieg tobt, beweisen wirklich einige, dass sie Arschlöcher sind!“

300 Worte. Für etwas, für das ich eigentlich keine habe …

6 Gedanken zu “abc.Etüden KW 8/9 I

  1. Hab schon auf derartige Reaktionen gewartet – nein, natürlich nicht, aber es war klar, dass die kommen würden. 😠
    Da fährt man doch lieber abgelegte Klamotten etc. an die Grenze (in meinem Umfeld wurde gesammelt), damit das Problem dortbleibt.
    Um dich mal zu zitieren: Alter, wir sind so am Arsch. (Ich glaube, das kam mal von dir und ist so schön variabel.)
    Davon ab nehme ich mit Freude zur Kenntnis, dass du endlich mal wieder Lust auf eine Etüde hattest. (Scheißkrieg. Und bei dir so?)
    Nachmittagskaffeegrüße 😏🌤️☕🍪🌼👍

    Gefällt 3 Personen

    1. Jo, das Zitat klingt irgendwie nach mir, auch wenn ich es gerade nicht zuordnen kann. 😉 Dass Menschen so reagieren, ist eine Sache, das kann ich gut abschuungswürdig finden, dass Medien allerdings bewusst auf eine solche Art der Berichterstattung aufspringen, um ganz bewusst eben genau solche Reaktionen zu produzieren, ist aber echt zum Kotzen.

      Bei mir so? Weiterhin „Teile meiner Antwort würden die Bevölkerung beunruhigen!“. 🙂 Details erspare ich dir bzw. möchte sie hier nicht ausbreiten. Selbst so?

      Müde prä-Kaffee-Grüße

      Gefällt 2 Personen

  2. Wenn ich mal wieder etwas abspecken möchte, dann vertiefe ich mich in die Kommentarspalten in den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ nicht nur unter den „Ergüssen“ der „Welt“, sondern auch vergleichsweise seriöser Medien wie der „tagesschau“ etc. Nach kurzem schon ist mir dermaßen übel, dass ich den ganzen Tag über keinen Bissen mehr hinunter bekomme…

    Gefällt 1 Person

    1. Kann ich nachvollziehen. Im Falle der „Tagesschau“ liegt das vermutlich dann aber eher daran, dass die Menschen anfangen, auf diese bösen, bösen Mainstream-Staats-Propaganda-Irgendwas-Medien zu schimpfen, von denen sie froh sein sollten, dass sie da sind, weil die Welt sonst wirklich „Russia Today“ wäre und weniger daran, dass das Medium, anders als eben die „Welt“, auch noch ganz bewusst damit anfängt, Ressentiments in ihrer Berichterstattung zu schüren.

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