Steile These in Gold #4

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Älteren werden sich vielleicht erinnern: Ursprünglich hatte ich das Bestreben, in so kurzen wie regelmäßigen Abständen hier in meinem Blog die „Steile These in Gold“ als Preis für die Person zu verleihen, die in jüngerer Vergangenheit den wohl dümmsten Satz gesagt hat. Von diversen amerikanischen Politikerinnen bis zu Boris Palmer war schon alles dabei, was Rang und … nee, so kann ich das nicht … – ach, egal.

Einerseits ist meiner allgemeinen Blogfaulheit im Laufe dieses Jahres auch die Fortführung dieser Preisverleihung zum Opfer gefallen, andererseits hänge ich aber irgendwie an diesem Preis, auch weil er ähnlich krisenfest ist wie diverse Wirtschaftszweige. Denn Dummes wird immer gesagt. Also wird es Zeit, den Preis abzustauben und neu zu verleihen.

Die Nominierten sind:

Der Fernsehmoderator Florian „Schmiso“ Schmidt-Sommerfeldt für die im Rahmen einer Gameshow mit 99 Teilnehmern verwendete Anrede „Liebe alle“, womit augenscheinlich gewährleistet sein soll, gendergerecht auch Gruppen sprachlich zu inkludieren, die zahlenmäßig in etwa auf Höhe der Klavierstimmerinnung des Saarlandes liegen, während ich mich frage: „Ja, alle was denn? Alle Mann? Wohl eher nicht? Alle Neune? Alleluja? Oder, um es mit Otto Waalkes zu sagen, „sind es vier alle“?“

Alexander Ceferin, seines Zeichens UEFA-Präsident, für: „Wenn ich höre, dass Politiker sagen, Menschen hätten sich bei den Spielen infiziert, ohne jeden Beweis, dann enttäuscht mich das ein bisschen. Ja, ich bin auch immer enttäuscht, wenn ich höre, dass die Menschen ohne jeden Beweis den Sonnenuntergang mit nächtlicher Dunkelheit in Verbindung bringen. Die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC – nicht zu verwechseln mit der ähnlich und überdies seit Jahrzehnten unverändert klingenden australischen Hard-Rock-Band – sieht zumindest in etwa 2.500 Fällen in sieben Ländern einen direkten Bezug zur EM, aber was weiß die schon. Ein slowenischer Rechtsanwalt kann das sicherlich viel besser beurteilen.

Andreas Scheuer, anlässlich der unendlichen Debatte über ein Tempolimit, für: „Die Bürger können sich bei der Wahl entscheiden, ob sie die Freiheit bei der Mobilität haben wollen – oder Beschränkungen und Verbote. Und da sind die Grünen ganz vorne.“ Mal ganz davon ab, dass damit wieder mal das alte, gähnend langweilige Narrativ der Grünen als Verbotspartei befördert wird, muss man schon einen veritablen Draht in der Mütze haben, um das Tempolimit mit Freiheit in Verbindung zu bringen. Ich dachte immer, Freiheit sei mehr, dass ich beispielsweise unsanktioniert sagen kann, dass ich Andreas Scheuer für eine außerordentliche Fehlbesetzung halte, von der eigentlich kein Mensch in diesem Land weiß, warum besagte Fehlbesetzung noch im Amt ist. Ich dachte weniger, dass Ausdruck der Freiheit sei, seinen 345-PS-Boliden mit 270 Km/h über die A2 zu ballern. Aber gut, er sagte ja nicht einfach nur „Freiheit“, sondern er nutzte den Zusatz „Freiheit bei der Mobilität“. Ganz ehrlich, Herr Scheuer, Freiheit bei der Mobilität bedeutet für mich in erster Linie, adäquate Wahlmöglichkeiten hinsichtlich der Mobilität zu haben, beispielsweise also morgens entscheiden zu können, ob ich mit dem Auto, dem Fahrrad oder den Öffis zu Arbeit fahre. Insbesondere im ländlichen Raum besteht da nämlich keine Freiheit, da muss man das Auto nehmen. Die Nutzung des Fahrrads wäre aufgrund der Fahrradwegsituation oftmals lebensgefährlich und die Nutzung der Öffis käme, je nach Abgelegenheit des Ortes, nur dann infrage, wenn ich nur einen Tag in der Woche arbeiten muss, und zwar an dem, an dem der Bus kommt, was dann in jedem Fall aber übrigens kein Tag an einem Wochenende sein darf, denn da kommt keiner. Anstatt also die Schumi-Visionen testosterongeschwängerter Jungspunde mit kleinem … Selbstgewusstsein zu fördern und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich auf der A irgendwas auf die Schnauze zu legen, hätte Herr Scheuer also etwas, womit er sich tatsächlich aktiv befassen könnte, aber hey …

 

Nun denn, schreiten wir zur Verleihung, die übrigens subjektiv und basisdiktatorisch nur aufgrund meiner persönlichen Meinung erfolgt:

Gäbe ich „Schmiso“ den Preis, würde ich wahrscheinlich geteert und gefedert und auf Bahnschienen aus dem Internet getragen, wohingegen offen bleiben muss, ob das nun wirklich eine so schlimme Vorstellung ist. „Schmiso“ ist also raus.

Scheuer den Preis zu verleihen, wäre sicherlich berechtigt, aber langweilig.

Also bleibt nur Herr Ceferin, der auf beeindruckende Weise gezeigt hat, dass der UEFA sämtliche Einwände gegen die europaweite Durchführung eines Sportveranstaltung, die in der Form sicherlich eine geniale Idee war, deren Umsetzung man aber doch zu einem besseren Zeitpunkt hätte angehen können, scheißegal sind. Zusätzlich zum an sich schon blamablen Bild, das die UEFA im Laufe des Turniers abgegeben hat, legt der Herr noch mal einen obrendrauf, deshalb kann es keinen würdigeren Preisträger geben als Alexander Ceferin.

Damit entlasse ich euch alle in diese Woche.

Gehabt euch wohl.

 

Neulich in der Hölle #5

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“ deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan sich gerade gemeinsam mit seinem Assistenten und Untergebenen Lübke im Pausenraum dem Nichtstun hingibt und mit zunehmendem Kopfschütteln durch die Zeitung blättert, während im Hintergrund Iron Maidens „The Number of the Beast“ aus dem Radio dödelt.

„Wissen Sie, Lübke, Sie haben das ja sensationell gemacht, damals in Wuhan. Was hab ich über ihren Dialog mit dem Verkäufer gelacht: „Ich hätte gerne die Fledermaus.“ – „Die ist aber noch nicht ganz durch!“ – Ach, kein Problem, ich mag sie gerne medium.“ Ach, wunderbar! Wenn die Leute damals gewusst hätten, was sich daraus entwickelt. Na, wie auch immer. Mittlerweile, Lübke, mittlerweile …“

„Ja?“

„…glaube ich, dass ein neues Virus grassiert, das in erster Linie bemerkenswerte Dummheit hervorruft. Als Patienten 0 vermute ich den ehemaligen, amerikanischen Präsidenten. Der hat das bestimmt bei irgendeinem Staatsbesuch eingeschleppt und seitdem verbreitet es sich.“

„Bei welchem Staatsbesuch soll das gewesen sein?“

„Keine Ahnung – Dänemark?“

„Da war er doch nie.“

„Ach ja, weil man ihm Grönland nicht verkaufen wollte. Ein vortreffliches Beispiel übrigens, das meine These zum Patienten 0 veritabel stützt. Aber wann und wo ist letztlich auch egal. Wichtig ist: Es verbreitet sich in ganz Europa!“

„Woran machen sie das fest?“

„Nun, unter anderem an … also, wir … haben doch noch eine Pandemie, oder?“

„Man mag es derzeit kaum glauben, aber: Ja, sicher!“

„Und trotz dieser Pandemie findet eine europaweite Sportveranstaltung statt, bei der man auf Druck des eigentlichen Veranstalters …“

„Sie meinen, des Veranstalters, der so unpolitisch ist, dass er Dinge wie Toleranz, Akzeptanz und Gleichberechtigung als politische Themen begreift, der maßgeblich dafür mitverantwortlich ist, dass man Spiele in Ungarn und Aserbaidschan – lupenreine Demokratien mit einem Herz für Oppositionelle und Randgruppen, wie insbesondere im Fall Aserbaidschan Heerscharen von CDU-Politikern bestätigen können – austrägt, der maßgeblich dafür mitverantwortlich ist, dass man eine WM nach Katar vergibt, wo nach Auskunft von „Kaiser“ Beckenbauer, der diesbezüglich über eine unbestreitbare Expertise verfügt, keine Sklaven rumlaufen, des Veranstalters, der gerade eben deswegen auch gerne Werbung für die dort beheimatete Fluglinie macht und hinsichtlich der Bandenwerbung auch nicht verabsäumt, eine erkleckliche Zahl davon mit chinesischen Schriftzeichen zu versehen, da wir ja immerhin so etwa 210.000 Menschen mit chinesischer Abstammung sowie 2.350 Sineologie-Studenten im Land haben, die sie lesen können, des Veranstalters, der damit droht, trotz einer sich verschärfenden Pandemielage in einigen Veranstaltungsorten eben diese Veranstaltungsorte leer ausgehen zu lassen und die Spiele stattdessen in Ungarn, der eben erwähnten lupenreinen Demokratie des sympathischen Herrn Orbán, austragen zu lassen, jenes Herrn Orban, der gar nichts gegen Schwule und Lesben hat, dessen Gesetz sich deswegen ausschließlich gegen Pädophilie richte, womit er einerseits das eine mit dem anderen gleichsetzt und überdies eine Begründung in die Welt setzt, die ich allenfalls als „Orbáne Mythen“ durchgehen lassen will und der … wissen Sie, Chef, so langsam weiß ich was Sie meinen!“

„Na, eben! Auf Druck von wem auch immer 60.000 Menschen in ein Stadion zu pferchen, trotz einer landesweiten 7-Tage-Inzidenz von über 270 – ist das nicht irgendwie dämlich!? Sowohl von Zuschauer- als auch von Veranstalter-Seite?“

„Unbestreitbar!“

„Eben! Überdies: Die Dummheit macht ja beim Fußball nicht halt.“

„Sondern?“

„Nun, nehmen wir doch mal die Posse um Frau Baerbock. Da wird seit Tagen eine junge Frau durchs mediale Dorf getrieben, als wäre der Leibhaftige hinter ihr her …“

„Hahaha!“

„Was?“

„Na, nettes Wortspiel?“

„Was?“

„Na, der Leibhaftige. Weil … na, weil Sie doch …“

„Ach, bitte, Lübke! Jedenfalls, da prügeln also seit Tagen alle möglichen Medien auf Frau Baerbock ein. Ich meine, wenn sogar die „taz“ ihren Rücktritt fordert, dann …“

„Nun ja, sie hat sich … in manchen Dingen auch nicht gerade clever verhalten!“

„Natürlich. Das bestreite ich auch nicht! Aber hey, wenn Heerscharen an CDU-Politikern sich an Masken bereichern oder an Gas aus Aserbaidschan oder an aserbaidschanischen Gasmasken oder was auch immer, dann wird das als eine Randnotiz behandelt, die Leute treten still und leise zurück, verdienen immer noch eine Menge Kohle und wenige Tage später hat man es vergessen. Wenn aber Frau …

„Ist das nicht Whataboutism?“

„Nein, das ist eine Zustandbeschreibung bezüglich der Dinge, die man in diesem Land offensichtlich der Diskussion für würdig erachtet! Wenn Politiker sich als korrupt erweisen, dann ist das allenfalls eine Randnotiz, wodurch der Eindruck entsteht – und das ist das eigentlich Schlimme – dass das deswegen so ist, weil die Menschen das von der Politiker-Kaste schon fast erwarten. Leistet sich eine Kanzlerkandidatin dann aber Verfehlungen, die irgendwo zwischen dämlich und fahrlässig changieren, DANN muss daraus aber natürlich ein Politikum gemacht werden, DANN kommt der Social-Media-Pöbel und prügelt auf diese Person ein, die ihnen ja sowieso alles wegnehmen und verbieten will und überhaupt und so. Haben Sie mal stichprobenhaft gelesen, was der besagte Pöbel über Frau Baerbock online schreibt – übrigens weitgehend unwidersprochen bis unmoderiert, in jedem Fall aber unsanktioniert?“

„Nein, lieber nicht!“

„Nun, ich schon. Vom Vorschlag, sich Brustimplantate einsetzen zu lassen, die Frau Baerbock dann wenigstens in optischer Hinsicht erträglich gestalten würden bis hin zur pauschalen Veunglimpfung aller Grünen als Pädophile ist da alles dabei. Und dabei spare ich die schlimmsten Dinge noch aus. Wissen Sie, Lübke, ich bin ja so etwas wie Ghandi in friedlich – aber solchen Leuten möchte ich einfach ansatzlos in die Fresse schlagen und nur sagen: „Du weißt schon, wofür!“

„Aber Gewalt ist keine Lö…“

„Das. Weiß. Ich. Und trotzdem … etwas Sinnvolleres fällt mir nicht ein.“

„Ich wäre ja für eine großangelegte Bildungsoffensive. Das beste Mittel gegen das von Ihnen beschriebene Virus.“

„Aber auch durch eine Bildungsoffensive wird aus einem Arschloch allenfalls ein intelligentes Arschloch, es bleibt aber im Kern ein Arschloch!“

„Aber vielleicht wenigstens eines, das erkennt, dass es ein Arschloch ist!? Auch das kann ja schon viel bewegen. Und wenn nicht in dieser, dann wenigstens in der nächsten Generation. Die macht doch hoffnungsvoll! Nehmen Sie beispielsweise die „Fridays for Future“-Demos.“

„Mag sein, aber spätestens, wenn diese jungen Idealisten von heute später im wahren Leben bzw. Berufsleben zwischen wirtschaftlichen Zwängen und Nöten ankommen, wird es sich mit dem Idealismus erledigt haben. Die Arschlöcher in der jungen Generation dagegen – in Sachsen-Anhalt haben 19 % der 18- bis 24-Jährigen die AfD gewählt, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es sogar 28 %, in beiden Altersgruppen war die AfD stärkste Partei; ein Wahlergebnis übrigens, das medial gefeiert wurde, nur weil die AfD insgesamt 3,4 % verloren hat, was mich an der Zurechnungsfähigkeit der Berichtertattenden zweifeln lässt – , die Arschlöcher in der jungen Generation also, die bleiben dagegen langfristig Arschlöcher. Nee, Lübke, bauen Sie nicht auf jüngere Generationen, ich glaube, das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen.“

„Was tun wir also?“

„Entweder wir warten auf das Eintreffen technisch und moralisch weit fortgeschrittener Aliens …“

„…die dann aber nach kurzem Lachkrampf weiter fliegen dürften …“

„… oder wir warten einfach ab, bis es sich mit dieser Spezies erledigt hat. Das dauert vielleicht noch ein bisschen, aber …“

„Das dürfte dann aber einsam werden …“

„Ach, Lübke, wir haben doch uns.“

abc.Etüden KW 18/19 2021 III

abc.etüden 2021 18+19 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die aktuellen Etüden werden, wie üblich, weiterhin von Christiane organisiert und gehen nun aus mehr oder weniger aktuellem Anlass und zur Wortspende von Nina und ihrem Blog „Das Bodenlosz-Archiv“ in ihre Dritte Runde, diesmal unter der Rubrik: „Dinge, die man bundesweit vielleicht nicht mitbekommen hat.“

„Na, wie isses?“

„Ich amüsiere mich.“

„Worüber?“

„Über die Leibniz-Uni in Hannover. Da ist derzeit, mit Verlaub, die Kacke am dampfen.“

„Was ist denn passiert?“

„Nun, eigentlich sollte ein Polizist und Soziologe, promoviert zu Alterskriminalität, an der Uni im Fachbereich Soziologe ein Einführungsseminar zum Thema „Polizei und Kriminalität“ halten.“

„Und?“

„Nun ja … sagen wir mal: Das passte dem AStA nicht.“

„Ach was!?“

„Japp. Man hat sich gegen den Dozenten ausgesprochen. Die Polizei sei „fast täglich durch strukturellen Machtmissbrauch, Rassismus und Rechtsextremismus in den Blick der Öffentlichkeit“ geraten, der AStA thematisiert regelmäßige Todesfälle in Polizeigewahrsam und überhaupt und außerdem könne er als Polizeibeamter gar nicht die nötige Distanz aufbringen, um angemessen zu kritisieren, was innerhalb der Polizei schief läuft.“

„Hm, ist das nicht irgendwie ein bisschen zu … pauschal?“

„Nun ja, zu den Veröffentlichungen des Dozenten gehören auch Texte, in denen er behauptet, die Polizeiarbeit sei nicht rassistisch geprägt und in denen er vom „vermeintlichen racial profiling“ spricht.“

„Ja, und? Das kann doch zunächst mal das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit sein!? Und das kann man dann gerne kritisieren. Hinterher. Ich meine, das ist doch wohl kein rechtsdrehender Höcke-Verschnitt, der da reden soll.“

„Nö, aber im starren Echokammern-Gedankenkorsett des AStA ist vielleicht nur Platz für Menschen, deren Meinung auch genehm ist.“

„Traurig. Also, ich habe in der Schule noch gelernt, dass man sein Gegenüber erst mal ausreden lassen soll und halte es außerdem für wichtig, auch andere Meinungen aushalten zu können. Nun gut, aber wer will schon resiliente Studenten!?“

„Studierende!“

„Ach, Schnauze! Und nun?“

„Tja, nun hat der Dozent in seinem Autoreifen einen Metallstift entdeckt, vermutet keinen Zufall, sondern einen inhaltlichen Zusammenhang und ist mit sofortiger Wirkung von seinem Lehrauftrag zurückgetreten.“

„Heftig.“

„Jepp. Das erinnert irgendwie an den Historiker Bley, der in Hannover kürzlich ausgeladen wurde, oder!?“

„Hä?“

„Ach, egal – andere Geschichte, selbes Problem.“

300 Worte.

Der AStA beklagt mittlerweile in einer Stellungnahme, dass „eine inhaltliche Auseinandersetzung über das Für und Wider der Institution Polizei an der Universität“ leider ausgeblieben sei.

Tja, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Lehrveranstaltung ist ja nun leider auch ausgeblieben … – aber hey, was weiß ich schon!?

abc.Etüden KW 18/19 2021 II

abc.etüden 2021 18+19 | 365tageasatzaday

Und schon gehts weiter mit der Fortsetzung Etüden, für die weiterhin Christiane verantwortlich zeichnet. Die Wortspende kommt diesmal von Nina und ihrem Blog „Das Bodenlosz-Archiv“. Auf gehts:

„Du wolltest noch etwas dampfen, … abdampfen. Nein, verdammt, Dampf ablassen, meine ich. Wegen des weltbildlich rechtsdrehenden Korsetts von „Welt“.

„Stimmt: Zweites Beispiel. Man berichtet über die Möglichkeit des Urlaubs auf Sylt und spricht in diesem Zusammenhang sinngemäß von „Freiheit durch ein striktes Testregime“.“

„Und?“

„Na: Regime! Wie klingt denn das? Die wissen doch wohl, wie negativ konnotiert der Begriff ist. Das hört sich doch …“

„Nun, eigentlich kommt der Begriff „Regime“ in diesem Zusammenhang aus der Politik selbst …“

„Ernsthaft?“

„Japp, in einer niedersächsischen Pressemittelung aus dem April heißt es unter anderem: „Ein konsequentes Testregime wird die Infektionszahlen nach und nach spürbar senken.“

„Alter, warum formulieren die das denn so?“

„Ja, was weiß denn ich?“

„Na gut, dann … klingt es trotzdem beschissen. Anderes Beispiel: Diesmal „n-tv“. Man berichtet lobend von der britischen Impfkampagne. Kurz danach dann über Indien. Und in dem Zusammenhang weist man dann darauf hin, dass die Inder zwar der größte Exporteur von Impfstoff sind, es aber wohl nicht hinbekommen, ihre eigene Bevölkerung zu impfen, erzählt noch schnell, dass die Inder ja sowieso alle gerade im Ganges baden und zu diesem Farbpulverfest …“

„Holi heißt das.“

„Meinetwegen. Dass die da also alle hingegangen sind. Und dann wirft man Indien „Staatsversagen“ vor. Und zwar nicht im Rahmen eines Redakteur-Kommentars oder so.“

„Heftig. Das impliziert irgendwie …

„Dass die Inder selbst schuld sind?“

„Genau.“

„Eben! Widerlicher wird das nur dann noch, wenn man weiß, dass die Inder ihren Impfstoff zu großen Teilen nach Afrika exportieren, wo noch Anfang April weiterhin 10 Länder noch gar keinen Impfstoff haben. Und woher haben wohl die hochgelobten Briten einen Teil ihres Imfpstoffs?“

„Aus Indien?“

„Na, eben! Und dafür, dass Indien nun fleißig Impfstoff exportiert, während beispielsweise die EU … na ja – jedenfalls, dafür bekommen sie von „n-tv“ jetzt auch noch auf die Fresse.“

„Eklig irgendwie.“

„Ja, sag ich doch!“

abc.Etüden KW 18/19 2021 I

abc.etüden 2021 18+19 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

für mich ungewöhnlich früh leiste ich dem Aufruf der geschätzten Bloggerkollegin und Etüdenorganisatorin Christiane Folge, Etüden für die nächsten beide Textwochen zu verfassen. Aber mir ist gerade danach. Die Wortspende kommt diesmal von Nina und ihrem Blog „Das Bodenlosz-Archiv“. Auf gehts:

 

„Oha, ich sehe schon: Du kochst innerlich! Du dampfst geradezu!“

„In der Tat!“

„Warum diesmal?“

„Ach, nur wieder wegen der Berichterstattung der sogenannten Nachrichtensender.“

„Inwiefern?“

„Nun, mit der Vehemenz, mit der „Welt“ seine Zuschauer gerade wissen lässt, aus welchem politischen Spektrum die Krawallschwachmaten von gestern kommen, könnten sie die Zuschauer ja eigentlich auch bei jeder Berichterstattung über die Quertreiber …“

„Du meinst „Querdenker“ …?“

„Solange sich diese Menschen weigern, sich ideologisch in die Nähe von Rechten rücken zu lassen, weigere ich mich, sie in die Nähe des Denkens zu rücken!“

„Okay …“

„Also, dann sollte „Welt“ auch so konsequent sein, seine Zuschauer wissen zu lassen – und zwar immer und explizit – wer da so bei den Quertreibern mitläuft. Wenn man die entsprechenden Berichterstattungen vergleicht, wird allerdings immer wieder das weltbildlich rechtsdrehende Korsett des Senders deutlich. Apropos weltbildlich rechtsdrehendes Korsett: Was macht eigentlich Julian Reichelt?“

„Der hat „Fehler in der Amts- und Personalführung“ begangen, hieß es vom Konzern.“

„Und?“

„Und muss seinen Geschäftsführungsposten räumen.“

„Und sonst?“

„Sonst nichts!?“

„Bleibt also Chefredakteur?“

„Ich denke schon …“

„Ernsthaft?“

„Japp, seine Fehler in der Amts- und Personalführung seien schließlich „nicht von strafrechtlichem Ausmaß“, hieß es.“

„Ach so, ich muss erst etwas strafrechtlich Relevantes tun, damit …“

„Augenscheinlich ja …“

„Faszinierend …“

„Ja, oder!? Wolltest du nicht noch was anderes über die Berichterstattung der …“

„Ja, aber das passt nicht mehr in den Text. Wir brauchen eine Fortsetzung.“

„Soll mir recht sein …“

 

 

abc.Etüden KW 14/15 I

abc.etüden 2021 14+15 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die zauberhafte Bloggerkollegin Christiane ruft mal wieder zur Erstellung neuer Etüden auf. Nun, eigentlich tat sie das schon vor geraumer Zeit, ich leiste diesem Aufruf halt erst mit erheblicher Verzögerung Folge. Aber hey, besser spät als nie. Schreiten wir also zur Wortspende von Ludwig Zeidler frisch, fromm, fröhlich und frei zur Tat:

 

„Schon gehört?“

„Was denn?“

„Na, Detlef Scheele, der hat …“

„Wer?“

„Detlef Scheele, Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit.“

„Aha. Und der hat was?“

„In einem Interview mit der „Zeit“ verkündet, dass er die geforderte Anhebung der Hartz-IV-Sätze auf 600 Euro wohl für haltlos und nicht angebracht hält. „Wer sorgenlos leben möchte, der muss sich berappeln und möglichst gut entlohnte Arbeit finden.“, hieß es.

„Hm, heißt das übersetzt nicht so viel wie: „Als Hartz-IV-Empfänger hast du per se die Kontrolle über dein Leben verloren, also reiß dich endlich zusammen, du faule Sau!“?

„Nun, das … könnte man so verstehen …“

„Faszinierend.“

„Ja, und er führt in einem Interview vom Sommer 2020 weiter aus: „Verbunden mit dem Geld für die Miete führt das schnell zu Einkommen, die bei einem Haushalt mit drei Personen so hoch sind wie die unteren Tariflöhne in manchen Berufen.“

„Tja, dann …“

„Vergleicht er das das Einkommen von drei Personen mit dem von einer?

„Ja auch, aber …?“

„Was noch?“

„Sollten wir dann vielleicht als nächsten Schritt nicht über eben diese Tariflöhne nachdenken …?“

„Ja, meine Rede, aber damit beißt man ja bei den Wirtschaftsvertretern auf Granit. Erinnerst du dich noch an die panischen Massenentlassungen nach Einführung des Mindestlohns für alle, von Friseurinnen bis Sonnenhutmachern?“

„Ähm, nein!?“

„Eben! Die gab es ja auch nicht! Der Weltuntergang durch den Mindestlohn wurde von den Wirtschaftsvertretern vor dessen Einführung trotzdem propagiert. Und momentan massiert sich meine Wut auf die Wirtschaft in deren Ablehnung gegenüber der verpflichtenden Bereitstellung für Tests für Mitarbeiter. „Viele machen das ja freiwillig!“, hieß es sinngemäß, man würde deren Bemühungen durch eine Testpflicht entwerten.“

„Ernsthaft?“

„Jepp!“

„Hm, jetzt ersetzen wir mal „Bereitstellung von Tests“ durch „Steuern zahlen“ oder  „Arbeitsschutzmaßnahmen“ und merken …“

„Dass diese Argumentation …“

„Genau!“

 

300 Worte.

abc.Etüden KW 8/9 2021 I

abc.etüden 2021 08+09 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich versuche einfach mal, mich mit aktivem Dagegenschreiben aus meiner derzeitigen Schaffens- und Sinnkrise zu arbeiten. Erfahrungsgemäß bieten sich dafür die sehr zu meiner Freude weiterhin von Christiane organisierten Etüden an, und da die Wortspende die den Textwochen 8/9 von der zauberhaftesten aller Bloggerkolleginnen kommt, bleibt mir eh nichts anderes übrig, als meinen Teil beizutragen. Auf gehts:

„Angola, Äthiopien, Äquatorialguinea, …“

„Was machst du denn da? Kreuzworträtsel?“

„Nein, eine Liste.“

„Nämlich welche?“

„Eine Liste der Länder, die immer noch kaum oder gar keinen Impfstoff haben.“

„Bitte?“

„Na, hast du dem UN-Guterres nicht zugehört?“

„Was hat er gesagt?“

„Dass sich zehn Länder insgesamt 75 Prozent des bisher ausgelieferten Impfstoffs unter den Nagel gerissen haben, während ganze 130 Länder noch nicht eine einzige Impfdosis bekommen haben.“

„Und du …“

„Genau, ich liste die jetzt auf und nagel die ans schwarze Brett des Gemeindehauses wie weiland Luther seine Thesen an …“

„Eigentlich hat er die nirgendwo drangenagelt, sondern dem Erzbischof von Mainz geschickt …“

„Hm – nein, das mache ich nicht, die katholische Kirche hat ohnehin gerade eigene Probleme. Aber mal im Ernst: In 130 Ländern gibt es noch nicht ein einziges Fläschchen Impfstoff – und hierzulande muss man sich von morgens bis abends anhören, wie beschissen doch alles ist. „Impfdesaster“ nennt das die Opposition, wobei es allenfalls dann ein Impfdesaster wäre, wenn von 100 Geimpften 70 umgehend tot umfallen.“

„Nun…“

„Jetzt fangen wir hier auch noch an, auf die Impfungen zu verzichten, weil Millionen halbwissender Hobbymediziner in einem spontanen Anfall von Morbus Mimose sagen: „Nee, also dann nicht. Ich möchte schon gerne das gute Zeug!“

„Also …“

„Wir geben uns ja sowieso der trügerischen Sicherheit hin, die Pandemie wäre beendet, sobald hier alle geimpft sind. Das wird ein Spaß, wenn die Menschen entdecken, dass das so nicht funktioniert …“

„Also …“

„Und in Afrika kündigt der Leiter der panafrikanischen Gesund­heitsbehörde voller Stolz „die Auslieferung der ersten Million Dosen auf dem Kontinent“ für kommende Woche an. Eine Million! Ungefähr die Menge, die BioNTech einmal die Woche schwarz in Spahns Vorgarten abkippt.“

„Also das kannst du doch wirklich so nicht …“

„Ich reg mich halt einfach auf! In der Zwischenzeit wird Afrika von China beliefert, zum Dank dafür kaufen die Zentralafrikaner zukünftig wie blöde chinesische Strickjacken.“

300 Worte.

abc.Etüden 2021 KW 3/4

abc.etüden 2021 03+04 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nach langer Etüdenabstinenz meinerseits gibt es jetzt doch mal wieder eine neue Etüde von mir. Trotz meiner längerfristigen Abwesenheit hat sich an der Leitung der Etüden durch Christiane nichts geändert, die Wortspende kommt diesmal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Schreiten wir zur Tat:

„Was liest du da?“

„Christine Aschbachers Doktorarbeit.“

„Wessen Doktorarbeit?“

„Christine Aschbacher, österreichische Arbeits- und Familienministerin. Also … ehemalige Ministerin.“

„Warum?“

„Weil ein neuerlicher Plagiatsskandal unser Nachbarland erschüttert. Offenbar hat Frau Aschbacher mitten in der Pandemie Zeit gefunden, ihre Dissertation zu verteidigen. Nun hat sich aber leider herausgestellt, dass sich die Arbeit zu geprüften 21 Prozent aus Plagiaten zusammensetzt. Und darüber hinaus … sagen wir … Stilblüten enthält.“

„Gibts Beispiele?“

„Klar. Also, wenn sie fremdsprachige Zitate verwendet, ist die Übersetzung häufig eher … holprig. So steht dort beispielsweise zu lesen: „Vielleicht, daher ist es seltsam, dass, wenn es irgendeine Phrase, die garantiert wird, um mich auf den Weg, es ist, wenn jemand zu mir sagt: Okay, du bist der Chef!“

„Aaaa … ha.“

„Genau! Oder auch: „Okay, dann, glaube ich nicht mit Ihnen einverstanden, aber ich werde rollen und tun es weil sie sagen mir zu.“ Beides Zitate von Richard Branson.

„Rollen?“

„Rollen!“

„Faszinierend.“

„Japp. Aber auch eigene Formulierungen sind eher so semi … „Aufgrund der teilweise bewährten Führungsstile entsprechen die bisherigen Ergebnisse teilweise für Führungsstile oder Innovation in Führungsunternehmen.“

„Ähm, was!?“

„Ja, das weiß ich doch auch nicht! Ich weiß nur: Frau Aschbacher ist schnellstmöglich zurückgetreten.“

„Löblich!“

„Nun ja, eigentlich nicht, denn sie habe die Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt …“

„…was nicht für sie spräche, wenn dem so wäre …“

„… und der eigentliche Grund sei, „dass die Medien und die politischen Mitstreiter (…) mich medial in unvorstellbarer Weise vorverurteilen.“

„Medien medial …?“

„Jepp. Klingt wie damals der Lautsprecher zu Guttenberg: „Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.“

„Exakt.“

„Und was wird nun aus Frau Aschbacher?“

„Keine Ahnung, vielleicht versucht sie es nochmal in einer anderen Partei!? Schwarz ist ohnehin so eine trostlose Farbe.“

„Wie wäre es mit … orange?“

„Das wäre in Österreich meines Wissens das „Bündnis Zukunft Österreich“ – das gibts praktisch nicht mehr.

„Ist besser so …“

300 Worte.

Steile These in Gold #3

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leserinnen,

auf vielfachen Wunsch einer einzelnen, ganz zauberhaften Person wird die „Steile These in gold“ ab heute in die „Steile These in Gold“ umbenannt. Einerseits, weil es einfach richtig ist. Andererseits, um meinen eigenen orthografischen Ansprüchen zukünftig vollumfänglich gerecht zu werden. Und darüber hinaus, weil ich selbst gerne leidenschaftlich klugscheiße. 🙂

Und da wir schon bei Ansprüchen sind, so könnte man auch erwähnen, dass die Verleihung in dieser Woche, wie üblich, eigentlich schon gestern hätte stattfinden sollen, sich aus Gründen aber verschoben hat, was aber andererseits sowieso niemandem auffallen würde und daher technisch gesehen auch hätte unerwähnt bleiben können. Sei´s drum …

Die Nominierten in dieser Woche sind:

Alice Weidel für: „Wir sind absolut gegen eine Impfpflicht. Das sagt natürlich auch die Bundesregierung bisher – damals hat man auch gesagt, man will keine Mauer bauen.“

Damit beweist Frau Weidel eindrucksvoll, dass sie es einerseits nicht so mit der indirekten Rede hat und andererseits, dass sie weiterhin nicht vor ätzenden Vergleichen zurückschreckt, ganz ähnlich wie ihre Wählerschaft.

Heiko Maas für: „Geimpfte sollten wieder ihre Grundrechte ausüben dürfen.“

Das Seltsamste an diesem Satz ist, dass Herr Maas in seiner weiteren Äußerung eigentlich begründet, warum er nicht Recht hat, indem er sagt: „Es ist noch nicht abschließend geklärt, inwiefern Geimpfte andere infizieren können. Eben! Und genau so lange, wie exakt das nicht geklärt ist, sollten wir von solchen Forderungen doch lieber Abstand nehmen. Auch wenn Maas hinzufügt: „Was aber klar ist: Ein Geimpfter nimmt niemandem mehr ein Beatmungsgerät weg. Das mag sein, vielleicht bringt er jemanden an ein Beatmungsgerät, falls er doch weiterhin ansteckend sein sollte!?

Ich verstehe die gesamte Diskussion irgendwie nicht. Wochen- und monatelang wird seitens der Regierung Solidarität eingefordert, und nun kann die Diskussion darüber, wer wann was wieder darf, offensichtlich nicht ausufernd genug sein …

Friedrich Merz für: „Ins Präsidium wären bei meiner Bewerbung noch weniger Frauen gewählt worden. Ich habe mich deshalb entschlossen, zugunsten der Frauen auf eine Kandidatur zu verzichten.“

Na, wie überaus generös. Mal ganz davon abgesehen, dass die gesamte Äußerung den Subtext „Ich wäre sowieso gewählt worden, wenn ich kandidiert hätte, weil ich ein geiler Typ bin.“ enthält und sich nahtlos einreiht in die sinngemäße Äußerung vom Parteitag, wenn er ein Problem mit Frauen hätte, würde er von seinen Töchtern schon längst die gelbe Karte gezeigt bekommen haben und überdies hätte ihn seine Frau vor 40 Jahren auch nicht geheiratet – was ungefähr so wäre, als würde Donald J. Trump behaupten, die Tatsache, dass er Frau und Kinder habe, würde beweisen, dass er nicht frauenfeindlich ist -, sagt das insgesamt viel über das Selbstverständnis des sympathischen Mittelschichtsmillionärs aus. Vor 40 Jahren sonst nicht geheiratet … pfff … vor 40 Jahren hatten sich die Frauen dieses Landes gerade erst seit 4 Jahren das Recht erkämpft, nicht mehr ihren Ehemann fragen zu müssen, wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollten …

Nochmal Friedrich Merz – als nachfolgende Äußerung zur oben stehenden – für: „Dem neuen Parteivorsitzenden Armin Laschet habe ich aber angeboten, in die jetzige Bundesregierung einzutreten und das Bundeswirtschaftsministerium zu übernehmen.“

Ich bin mir sicher, Peter Altmaier wird in diesem Moment der Löffel ins Müsli gefallen sein, vermutlich verbunden mit dem verständnislos gemurmelten: „Aber … ich bin doch … ich … hab doch …!“ Offensichtlich scheint Herr Merz sich wirklich als eine Art Gottesgeschenk an die CDU wahrzunehmen, die ohne ihn auch in der Regierung nicht mehr kann. Ich könnte …

Und Friedrich Merz zum Dritten für: „Jede Stimme für die AfD ist eine halbe Stimme für Rot-Rot-Grün.“

Nein, Herr Merz. Jede Stimme für die AfD ist das Ergebnis eines Versagens der großen Volksparteien, die den Menschen das Gefühl geben, vergessen zu werden. Der Versuch aber, Rot-Rot-Grün bzw. die daran beteiligten Parteien in irgendeiner Form in die Nähe dieser radikalen Menschenverächter zu schieben, ist allerdings so durchschaubar wie widerlich. Und ob es, wie Sie sagen, in diesem Land wirklich keine linke Mehrheit gibt, das sehen wir dann aller Voraussicht nach im September.

Gewonnen hat: Friedrich Merz! Nicht nur, weil die Fülle an Unsinn, die von sich zu geben er in der Lage ist, schon  beeindruckend ist, sondern in erster Linie, weil ich mich von letzterer Äußerung persönlich beleidigt fühle.

Steile These in gold #2

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

zugegeben, ich wollte in den vergangenen Tagen eigentlich mehrere wutentbrannte Beiträge und/oder Etüden schreiben, beispielsweise über offensichtlich übersteigert erlebnisorientierte Winterliebhaber, die ums Verrecken in den Schnee im Harz, in Winterberg oder auch auf den popeligen Hügel vor meiner eigenen Haustür mit einer Höhe von nicht mal 300 Metern über NN fahren mussten, weil … warum auch immer, um dort dann Zufahrtswege zuzuparken, Polizei und Rettungskräfte davon abzuhalten, etwas Sinnvolles zu tun und überdies aufgrund der geschlossenen Toiletten – was man hätte wissen können, wenn man gewollt hätte – in die Rabatten der Harzanwohner zu strullen.

Oder auch über die bärtigen „Vikings“-Lookalike-Hillbilly-Halbaffen, die unter der Woche nichts Besseres zu tun hatten, als Parlamente zu stürmen.

Aber, um ehrlich zu sein, eigentlich habe ich dazu gerade gar keine Lust, auch weil ich gedanklich anderswo war und bin.

Für die erneute Verleihung der „Steile These in gold“ muss nun aber noch kurz Zeit sein. Die Nominierten diesmal sind:

Der republikanische US-amerikanische Kongressabgeordnete Louie Gohmert für

„“Basically, in effect, the ruling would be that you’ve got to go to the streets and be as violent as antifa and BLM.”,

nachdem ein Versuch, den aktuellen Treppenwitz der Geschichte im Amt als US-Präsident zu belassen, vor Gericht scheiterte.

Dieser Satz stammt bereits vom Anfang letzter Woche, also noch vor der „Wir marschieren zum Kapitol“-Rede des besagten Treppenwitzes und lässt mich vermuten, dass Republikaner einerseits vielleicht allgemein einen Hang zur Gewalt auf den Straßen haben und andererseits augenscheinlich ganz klare Feindbilder.

Als zweite Nominierung ausgewählt ist heute Lauren Boebert, ihres Zeichens gewählte Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses, für: „Ich werde meine Schusswaffe in D.C. und im Kongress tragen.“ Ein Zitat, das ebenfalls vom Anfang letzter Woche stammt.

Zugegeben, wenn ich der Logik des oben erwähnten Treppenwitzes folge, nach der man Lehrerinnen und Lehrer – hach, an der Stelle könnte ich jetzt noch was Geharnischtes über den gesprochenen Gender Gap schreiben … – mit Waffen ausstatten wollte, damit sie im Falle eines „school shootings“ zurückschießen können, dann könnte ich sagen, dass das Tragen von Waffen den Abgeordneten unter der Woche vielleicht geholfen hätte, vielleicht aber auch zu verstörenden Bildern geführt hätte, auf denen eine wutentbrannte Nancy-Pelosi mit einer AK-47 auf Hillbillies ballert, wie weiland Milla Jovovich auf Zombies. Allein, das Tragen von Waffen ist den Abgeordneten im Kapitol nicht erlaubt. Und man sollte sich ein bisschen mit den Grundzügen des zukünftigen Arbeitsplatzes auskennen, bevor man großspurige Ankündigungen macht …

Gewinner in dieser Woche ist:

Louie Gohmert, weil wir alle gesehen haben, wohin es führen kann, wenn man eine mehrheitlich augenscheinlich zerebral nur mäßig funktionale Masse zur Gewalt aufruft.

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