abc.Etüden KW 37/38

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

„hurra, die Etüden gehen weiter!“ Undgefähr so lässt sich meine erste Reaktion auf die jüngst erfolgte Schreibeinladung durch die Etüdenorganisatorin Christiane zusammenfassen. Kurz danach folgte aber schon so ein Gedanke wie „Wie jetzt, 37 Kalenderwoche!?“ Wir befinden uns ernsthaft in der 37. Kalenderwoche? So ein Jahr hat doch nur so 52, oder bin ich da falsch informiert? Das ist ja gruselig, ich sehe George Michael schon am Horizont aufziehen. Im übertragenen Sinne. Bevor mich derlei Gedanken noch weiter frustrieren, wenden wir uns mal der ersten klassischen Etüde in meinem recht neuen Zweitblog zu. Die Wortspende dafür kommt diesmal von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder höchstselbst.

„Na, wie is´?

„Unterirdisch. Außerdem bin ich eben fast in einen Pflegedienst-Wagen geknallt, weil der so etwas wie blinken nicht kennt. Zu allem Überfluss: Moria brennt!“

„Du machst dir Sorgen, weil eine unterirdische Zwergenstadt im Tolkien-Universum …“

„Nicht Khazad-dûm, du Pfeife! Das Flüchtlingslager auf Lesbos!“

„Hihi, Lesbos …“

„Sag mal, kannst du mal ernst sein, das ist nicht witzig!“

„Tschuldigung. Was ist denn vorgefallen?“

„Nun, dieses völlig überfüllte Flüchtlingslager …“

„Moment, zuletzt waren da nur noch etwa 13.000 Menschen untergebracht, das ist ein Fortschritt, es waren nämlich schon mal durchaus mehr!“

„Und ausgelegt ist es immer noch nur für etwa 3.000, und allein die Tatsache, dass du mir jetzt eine vierfache Überbelegung als Fortschritt verkaufen willst …“

„Tschuldigung.“

„Jedenfalls, aus ungeklärten Gründen brennt es da jetzt. Vorher gab es Unruhen, weil das Camp coronabedingt unter Quarantäne gestellt werden sollte. Geile Idee, oder? Ein Camp, in dem niemand Abstand halten kann, unter Quarantäne stellen …“

„Na, vielleicht tut die EU jetzt ja mal was …?“

„Muhahahaha, entschuldige, aber die sich engelhaft darstellende Präsidentin der EU hat in der Hinsicht bisher genau nichts vorzuweisen.“

„Aber immerhin hat der EuGH im April beschlossen, dass sich die Ostländer der EU, namentlich Polen, Ungarn und Tschechien, niemals hätten weigern dürfen, Flüchtlinge aufzunehmen.“

„Aha – und hat das Urteil rückwirkend Konsequenzen?“

„Äh,  nein …!“

„Ach  – und zukünftig!“

„Ähm … noch nicht!“

„Toll, dann ist das ungefähr so, als würde ich meinen Nachbarn erschlagen, das Gericht feststellen, dass ich das aber nun wirklich nicht hätte tun dürfen und man mich dann gehen lässt.“

„Vielleicht sollte man Menschen sowieso nicht dort unterbringen, wo sie nicht willkommen sind!?“

„Sachsen?“

„Nein, ich…“

„Ja, ich habs begriffen. Dennoch bleibt diese ganze Sache mit dem jetzigen Resultat des Brandes ein Totalversagen der gesamten EU, die ihre einstigen Ideale zusammen mit der ach so erfolgreichen „Europäischen Migrationsagenda“ unter dem Altar der Scheinheiligkeit vergraben sollte.“

300 Worte.

Sparta 2.0 in Berlin

„Hey! Na, wie siehts aus bei Dir heute?“

„Ach, halt doch die Fresse!“

„Na hör mal – ich frag doch nur …“

„Ach, ich bin halt immer noch angepisst.“

„Wovon?“

„Na, von der Demo in Berlin am letzten Samstag.“

„Ach so. Tja, die hätte wohl wirklich verboten bleiben sollen, was!?“

„Wie kommst du denn auf dieses schmale Brett!? Es ist gut, dass sie nicht verboten wurde! Keine Demonstration – sofern sie sich nicht gerade erkennbar gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet – sollte verboten werden. Soll doch jeder sein Weltbild kundtun dürfen, und mag es noch so verschroben sein. Nein, ich bin absolut gegen ein Verbot. Ich verstehe da auch den Berliner Innensenator nicht.“

„Inwiefern?“

„Na, der verbietet die Demo aus Gründen des Infektionsschutzes und fügt anschließend an: „„Ich bin nicht bereit, ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird.““

„Nun ja, das war aber seine persönliche Meinung, die hatte auf das Verbotsverfahren und das Verbot als solches gar keinen Einfluss.“

„Aha. Und hat er das auch ganz deutlich so dargestellt, sodass da keinerlei Missverständnisse aufkommen konnten und sich nicht vorab schon unzählige Demonstranten als „Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten“ dikreditiert sehen mussten?“

„Na ja … eigentlich nicht!“

„Eben! Bei den Demonstranten kam doch auf die Weise an, dass die Versammlungsfreiheit in Berlin davon abhängt, wozu der Innenminister bereit ist oder nicht, dabei ist die Frage, wozu er bereit ist, oder eben nicht, in diesem Zusammenhang vollkommen scheißegal.“

„Aber … also, die Ereignisse geben ihm schon recht …“

„Ach, Mumpitz!“

„Da ist aber doch so einiges schief gelaufen!“

„“Schief gelaufen“ ist in diesem Zusammenhang ein ziemlich übler Euphemismus. Da verschafft sich eine Menge von mehreren hundert Leuten Zugang zu den Treppen des Reichtstagsgebäudes und muss von gerade mal drei Polizisten aufgehalten werden wie weiland die Perser von den Spartanern an den Thermopylen.“

„Ähm, die Spartaner haben letztlich verloren, die Verluste waren bedeutend!“

„Willst du damit sagen, dass du nicht verstehst, was wiederum ich damit sagen will?“

„Doch, doch …“

„Also spar dir deine Spitzfindigkeiten!“

„Aber …“

„Klappe zu! Da stehen also drei Beamte …“

„… die die Menge, realistisch betrachtet, auch nicht wirklich hätten „aufhalten“ können, wie du sagst, wenn diese Menge wirklich ins Gebäude gewollt hätte …“

„Das mag sein, auch wenn die Beamten, rein von den Videoaufnahmen her, einen derartigen Eindruck auf mich gemacht haben, dass ich als Demonstrant umgehend nach Hause gefahren wäre, im Auto leise „Die Gedanken sind frei“ gewimmert und mich dann in Fötushaltung unterm Bett versteckt hätte. Die hätte ich gerne nachts als Begleitung, wenn man mal Ärger bekommt. Aber darum geht es auch nicht.“

„Sondern um was?“

„Um die Demonstranten selbst und um die, die sie unterstützen. Die gehen mir nämlich auf den Sack!“

„Ja, aber du hast doch eben noch gesagt, jeder soll sein Weltbild …“

„Ja, aber auch darum geht es nicht. Es geht um die Selbstwahrnehmung dieser Demonstranten.“

„Inwiefern?“

„Na, die heulen doch immer: „Buhuhu, ich bin kein Verschwörungstheoretiker/Reichsbürger/Rechter/whatever, sondern ich mache mir einfach nur Sorgen um unsere Grundrechte und werde trotzdem mit solchen Leuten in einen Topf geworfen. Voll ungerecht, buhuhu …““

„Ja, stimmt. Und?“

„Nun, wenn das doch so ist, dann habe ich mir schon in der Vergangenheit immer gedacht: „Ja, dann marschiert halt einfach nicht mit denen mit. Dann organisiert eure eigene, meinetwegen kleinere Demo, wo eben keine Leute rumlaufen, von denen ihr das nicht wolltet. Und wenn ihr schon mit denen mitmarschierst, dann setzt euch doch wenigstens durch! Ihr, die ihr euch angeblich nur Sorgen macht, seit doch angeblich die überwältigende Mehrheit. Dann verhaltet euch doch auch so. Distanziert euch von deren verschissener, verachtenswerter Ideologie, haut dem Nazi-Abschaum meinetwegen, wenn es gar nicht anders geht, aufs Maul, wickelt sie in ihre Reichsflaggen und legt sie am Wegesrand ab, aber tut etwas. Nur hört auf mit dieser weinerlichen Opferrolle auf!“ Aber nee, nie ist irgendwas in der Richtung passiert, stattdessen wurde fleißig weitergejammert.“

„Stimmt. Und weiter?“

„Na, jetzt hätten sie, nach den Vorkomnissen, wo drei Beamte sozusagen das politische Zentrum unserer Demokratie verteidigen mussten, jetzt hätten sie doch mal, die doch angeblich so besorgten Nicht-Rechten, die Gelegenheit zu sagen: „Okay, jetzt reichts! Mit denen wollen wir nichts zu tun haben und wir distanzieren uns davon deutlich!“ Aber nee!“

„Nee?“

„Nee! Beispielsweise der Veranstalter: „Querdenken 711″. Würden sie doch wenigstens tatsächlich denken, ob quer oder stringent, wäre mir egal, dann würden sie die Chance nutzen, sich von dem, was da passiert ist, zu distanzieren. Aber nee …“

„Nee?“

„Nee! Zum einen hat die das zwischenzeitliche Verbot anscheinend gar nicht interessiert. „Eine Demo braucht keine Genehmigung, es ist unser Grundrecht, uns versammeln zu dürfen“, schrieben sie bei Telegram nach Verkündung des Verbots, vollkommen ausblendend, dass eine Demo natürlich keine Genehmigung braucht, dass sie aber eben schon angemeldet werden muss und unter bestimmten Voraussetzungen – beispielsweise bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung, Artikel 15 Versammlungsgesetz – selbstredend auch verboten werden kann. Aber das sind Menschen, die zitieren, wenn es um die Meinungsfreiheit geht, auch immer nur den ersten Satz von Artikel 5 unseres Grundgesetztes. Wie auch immer, auch hinsichtlich der Geschehnisse bei der Demo hat man sich von nichts und niemandem distanziert. Nee, stattdessen veröffentlichen die zwei Videos von „KenFM“, sprich von Ken Jebsen, in denen die ganze Veranstaltung verklärend bunt geschildert und gezeigt wird. Vermeintlich ganz normale Menschen werden befragt, die Atmosphäre beschreibt eine der Befragten als „friedlich, sehr friedlich, positiv, liebevoll“ – na ja – ein anderer weist sinngemäß darauf hin, dass, „sollte da mal´n Nazi tatsächlich dazwischen sein“, dann gehöre er genau da hin, denn wo solle er sonst lernen, dass – sinngemäß – jede Art von Trennung falsch sei und man es nur zusammen erreichen könne. Eine junge Frau mutmaßt, dass die Polizei mit der Verschiebung der Demo bewusst darauf hinarbeitet, dass die Demonstranten die Abstände nicht mehr einhalten können. Während dieses Videos sieht man keine einzige Reichsflagge, kein einziges anderes in diese Richtung deutendes Symbol.“

„Ach, und wo kommen die auf den Videos der nicht voreingenommenen Medien so plötzlich her? Gerade die vorm Reichstag?“

„Ja, jetzt kommt es: Nicht nur der Veranstalter versäumt es, sich von den Faschos und den anderen Deppen zu distanzieren. Nein, das schaffen auch die Demonstranten und deren Unterstützer nicht. So wird im Netz gemutmaßt, dass es sich bei der Reichstagsaktion um eine „false flag“-Aktion der Antifa gehandelt haben müsse und die „Welt“ titelt „Die gefährliche Legende vom „Sturm““, so als ob es irgendwie relevant wäre, ob die Dreckspenner sich ihren Weg auf die Stufen des Reichstags nun „erstürmt“ hätten oder gemütlich voranmarschiert wären.“

„Also …“

„Ewigkeiten jammern die Teilnehmer dieser Demonstrationen, dass sie mit Rechten in einen Topf geworfen werden, und jetzt, wo es eindeutige, für alle ersichtliche Beweise dafür gibt, dass von eben diesen Vertretern des geistigen Prekariats nicht nur so zwei, drei Versprengte da rumlaufen, da versäumen sie es, auf den gebotenen Mindestabstand zu diesen Leuten zu gehen und versuchen lieber, die Aktion dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben. Und DAS ist es, was mich so anpisst.“

Freitagsfragen #113

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

im vollen Bewusstsein, die Freitagsfragen 110 bis 112 bisher verpasst zu haben – die werden irgendwann nachgeholt und sozusagen dazwischengeschoben – widme ich mich jetzt erst mal der aktuellen Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog. Die Fragen und Antworten lauten:

1.) Bist Du handwerklich begabt?

Gute Güte, nein! Früher, mit anderen Worten zu meiner Zeit – hach, das wollte ich immer schon mal sagen – beinhaltete das niedersächische Schulsystem noch etwas, das sich Orientierungsstufe nannte. Dorthin kam man nach der Grundschule für zwei Jahre, bevor man sich dann für einen weiteren Besuch der Haupt- oder Realschule oder am Gymnasium entschied bzw. empfahl. Dagegen wetterten aber erfolgreich Elterngenerationen, weil dann ja das Kind einmal zusätzlich aus seinem Klassenverbund gerissen wird, buhuhu, und letztlich wurde diese Orientierungsstufe dann abgeschafft – und phasenweise dadurch ersetzt, dass man Kindern in der Grundschule Schreiben nach Gehör beigebracht hat, weil es natürlich totaaal wichtig ist, das Damian-Jeremy und Jaques-Noëlle ihre Individualität entdecken und ausleben dürfen und es absolut nicht wichtig ist, etwas von Anfang an richtig zu machen, schließlich kann man ja später umlernen, und auch dadurch, dass Kinder heute in der Grundschule bereits so eine Singen-und-Klatschen-Variante von Englisch-Unterricht bekommen, der den selben „Is‘ nich‘ so wichtig, wie man es schreibt“-Ansatz verfolgt, mit dem Erfolg, dass man an Gymnasien heute Schüler und Innen hat, die keine adäquate Stifthaltung vorweisen können, aber dafür … ich schweife ab!.

Jedenfalls gab es an dieser Orientierungsstufe auch ein Fach, das nannte sich „Werken“. Und bereits da wurde deutlich, wie bemerkenswert untalentiert ich doch bin, wenn es um handwerkliche Tätigkeiten jeder Art geht. Und irgendwie hat sich daran bis heute nichts geändert. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn Umlernen kann man ja immer noch …

2.) Welches Möbelstück hast Du zuletzt angeschafft?

Das dürfte mein Schreibtisch gewesen sein und auch das ist schon wieder eine ganze Weile her. Ich neige ja dazu, Dinge so lange weiter zu benutzen, bis sie wirklich den Geist aufgeben und das meist aus ganz simplen ökonomischen Beweggründen, weswegen eine Möbelanschaffung jetzt auch nicht wirklich etwas ist, das in regelmäßigen oder gar kurzen Abständen ansteht.

3.) Wenn Deutschland einen Nationalsaurier hätte, welcher würde es am besten repräsentieren?

Was für ´ne geile Frage! 🙂 Von sämtlichen bekannten Saurierarten würde ich mir wohl den Citipati aussuchen, ein zu den Coelurosauria (Hohlschwanz-Echsen) gehörendes Exemplar aus der Mongolei, und zwar weil „Citipati“ übersetzt so viel heißt wie „Herr des Scheiterhaufens“. Denkt mal drüber nach, ich finds gut. 🙂

Sollte ich mir selbst ein Exemplar zusammenklöppeln, wäre mein Teutonicusaurus ein sehr pünktliches Exemplar. Morgens immer der Erste an der Wasserstelle. Man munkelt sogar, er habe das eine oder andere Exemplar seiner Beutetiere gehäutet, um eben damit dann den Bereich zu markieren, der ihm seines Erachtens an der Wasserstelle zusteht.

Er wäre sehr strebsam, eigentlich den ganzen Tag auf der Jagd. Würden ihn andere Dinosaurierkollegen ansprechen und darauf hinweisen, dass, wenn man die Beute, die alle machen, ansatzweise gleich verteilen würden, alle ganz gut davon leben könnten und niemand mehr aussterben müsste, dann würde er diesen Vorschlag weit von sich weisen, weil davon ja auch diese faulen Brontosaurier und andere Pflanzenfresser profitieren, die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als durch die prähistorischen Wälder zu flanieren und Blätter zu knabbern, ungeachtet der Tatsache, dass diese mit seiner Beute ja nun wenig anfangen könnten. Nein, trotzdem, das würde dem Teutonicusaurus nicht gefallen, denn Leistung muss sich lohnen und belohnt werden.

Natürlich würde er seinen Müll, also die Überreste seiner Beute, säuberlich trennen. Splitternde Knochen hierhin, sehniges Fleisch dorthin und alles andere da drüben. Diese Vorgehensweise wird die Paläontologen dereinst vor interessante Fragen stellen.

Insgesamt wäre er kein sonderlich geselliger Typ, nur einmal im Jahr gestattet er sich, über einen begrenzten Zeitraum über die Stränge zu schlagen. Dann lässt er sich von den faulen Pflanzenfressern die Bäume mit den vergorenen Früchten zeigen, haut sich damit tierisch die Rübe voll, wirft sich dann den eben noch hilfreichen und arglosen Pflanzenfresser ein und grölt anschließend durch die Gegend. Hieraus werden später Schützen-, Ernte- und Oktoberfeste entstehen.

Insgesamt wäre er kein sonderlich geselliger Typ, ein eher ichbezogenes Exemplar also. Seine übersteigerte Egozentrik wird dann später auch der Grund sein, warum die Art ausstirbt, weil man eben alleine häufig nicht weit kommt. Bis das dem Teutonicusaurus klar wird, ist es aber einerseits zu spät, andererseits ist aber sowieso schon der Asteroid Chicxulub am Himmel zu erkennen.

4.) Die Wahl der Qual: Hättest Du lieber Fischschuppen oder Federn am ganzen Körper wachsen?

Nun trage ich privat eher selten Dinge wie Federboas oder solche Scherze, könnte mir aber vorstellen, dass Fischschuppen noch befremdlicher aussehen würden, insofern entscheide ich mich für die Federn.

Das war es auch schon wieder. Für später wünsche ich einen guten Start in ein schönes Wochenende, bleibt gesund und

gehabt euch wohl.

Etüdensommerpausenintermezzo III – 2020

Etüdensommerpausenintermezzo 2020 – Alphabet | 365tageasatzaday

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die Etüden befinden sich in der Sommerpause, aber als Art Methadonprogramm für Etüdensüchtige gibt es ja das Etüdensommerpausenintermezzo bei der geschätzten Kollegin Christiane, im Folgenden aus Effizienzgründen ESPI genannt. In der aktuellen Ausgabe des ESPIs geht es diesmal darum, zu einem frei wählbaren Oberbegriff einen Text zu verfassen, der 26 in den Kontext des Oberbegriffs passende Begriffe von A-Z enthalten muss. Ich hoffe, ich habe das halbwegs verständlich zusammengefasst!?

Legen wir also gleich los. Der folgende Text steht, wie sollte es vor dem Hintergrund mittlerweile lieb gewonnener Figuren auch anders sein, unter dem Oberbegriff „Hölle“. Und was bzw. wer dahin gehört, ist Ergebnis meines höchst subjektiven Empfindens. Also dann:

 

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der „Fate LLP“, dessen Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan in Begleitung seines Assistenten Lübke gerade einen chinesischen Investor durch die einzelnen Abteilungen der Hölle führt.

„Soooo, Herr Wang, wir …“

„Ach, bitte, sagen Sie doch Bailong zu mir. Wir kennen uns doch jetzt schon eine Weile.“

„Ach, was für ein schöner Vorname.“

„Ja, er bedeutet „Weißer Drache“ und …“

„Ja, faszinierend … nun, wie auch immer, wir haben also jetzt schon den Großteil unserer unheiligen Hallen gesehen, es fehlt jetzt eigentlich nur noch der Bereich, für den wir Ihre Investition bräuchten: die Vorhölle!“

„Unterbrechen Sie mich, wenn ich etwas Falsches sage, aber: Hat die Katholische Kirche die Vorhölle nicht abgeschafft?“

„Ja, na und? Wir machen Sie einfach mit neuem Konzept wieder auf. Früher, ja, da war das eigentliche Konzept der Vorhölle eher weniger erfreulich, deswegen lassen wir uns jetzt etwas Neues einfallen und eröffnen eine alphabetisch geordnete Vorhölle, in der wir, je nach Gusto, Personen und Personengruppen unterbringen, die uns nicht passen.“

„Spannende Idee, Herr Atan. Oder darf ich S. sagen?“

„Meinetwegen …“

„Also, S., spannende Idee, aber wie sieht das denn auf der rechtlichen Seite aus? Wird die Katholische Kirche da nicht intervenieren?“

„Ach, papperlapapp, wir sind hier weitgehend autark und müssen uns von niemandem etwas vorschreiben lassen.“

„Außer von Olaf Scholz, wenn es um Abführung von Steuern geht, Meister.“

„Ja, Lübke. Danke, Lübke. Ein äußerst hilfreicher Einwand … – jedenfalls, Bailong, rechtlich ist die Sache hieb- und stichfest, keine Sorge. Ich würde Ihnen jetzt gerne zeigen, wie das Ganze aussieht.“

*Die Gruppe schlendert in einen angrenzenden Bereich, der aus einem nahezu unendlich langen Flur zu bestehen scheint, von dem links und rechts in großem Abständen Türen abgehen*

„Voilà, unsere Vorhölle!“

„Na, das sieht doch schon sehr beeindruckend aus. Wofür brauchen Sie mich denn dann noch?“

„Weil das bis jetzt nur einfache Türen sind. Die Räume dahinter sind noch leer. Sie würden uns die komplette Inneneinrichtung finanzieren, das geben nämlich unsere derzeitigen liquiden Mittel nicht her.“

„Tja, ich würde sagen, um ein genauerer Bild zu bekommen, müsste ich wissen, wen Sie hier unterzubringen gedenken.“

„Tja, dann fangen wir doch mal vorne an. Hier unter A kommt, wie sollte es anders sein, die AfD rein. Hinten in der Ecke stelle ich mir einen vergitterten Bereich vor, speziell für die AfD Solingen.“

„Wieso, was hat die getan?“

„Oh, die hat kürzlich sinngemäß auf ihrer Facebookseite geschrieben, dass, wenn es für einen geplanten Krankenhausbau zu wenig Geldmittel gebe, man doch endlich Flüchtlinge abschieben solle, um Mittel freizubekommen. Und dann heißt es da:

„Wenn bei Ihnen daheim der Hausmüll stinkt:

A ) Bringen Sie den Müll raus oder

B ) Schaffen Sie einen Stuhlkreis, der darüber diskutiert, wie man den Gestank besser ertragen kann ?““

„Puh, das ist heftig!“

„In der Tat, lieber Bailong, in der Tat. Aber damit nicht genug.“

„Nein?“

„Nein. Nachdem Journalisten über die Sache berichteten, hieß es auf der FB-Seite: „In einem vernünftig regierten Land würde man solche ,Journalisten‘ in den Bau stecken“

„Unfassbar. So etwas würde bei uns niemals … ähm, ich meine …, ach, egal – jedenfalls, das Konzept gefällt mir. Gehen wir weiter?“

„Gerne. Hier unter B kommt die gesamte Mannschaft von Bayern München rein!“

„Mit Hoeneß?“

„Mit Hoeneß!“

„Gefällt mir! Und unter C?

„Unter C haben wir eine gemütliche Unterkunft für die gesamte CSU!“

„Aha – tja … darf ich einen Vorschlag machen?“

„Aber gerne …“

„Wenn Sie hier die CSU unterbringen, haben Sie keinen Platz mehr für die Corona-Leugner!“

„Die wollten wir eigentlich unter Q wie „Querdenken“ unterbringen …“

„Dann hätten Sie dort aber keinen Platz mehr für die Spinner von QAnon!?“

„Verdammt, Sie haben recht. Okay, also unter C kommen die gesamten Corona-Leugner unter. Übrigens, kennen Sie den: Wie lauten die letzten Worte des Corona-Leugners?“

„Ich bin  überhaupt nicht krank! Das ist eine Erfindung von Bill Gates und der Lügenpressssss …!?“

„Ach, den kannten Sie schon, schade. Wie auch immer, also unter C die Corona-Leugner, die auf die Straße gehen, um dafür zu kämpfen, dass sie etwas wiederbekommen, was sie nie verloren haben, dann lassen wir dafür die CSU laufen und beschränken uns auf einige, wenige ihrer führenden Köpfe.“

„Klingt gut.“

„Setzen wir das doch gleich in die Tat um. Dann kommt unter D Alexander Dobrindt rein.“

„Für die Maut?“

„Ja, sicher. Und für die Tatsache, dass er als Verkehrsminister seiner Heimatregion und Bayern allgemein wesentlich mehr Geld zugeschustert hat, als anderen Regionen, so wie übrigens alle CSU-Verkehrsminister vor und nach ihm. Und insbesondere für seinen Ausspruch bei der Diskussion um die sogenannte „Ehe für alle“, als er sagte: „Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit.“

„Man muss sagen, Sie sind schon liberal hier unten!?“

„Nein, nur vernünftig. Egal, weiter im Text. Der Bereich E ist für den türkischen Staatspräsidenten Erdogan reserviert. Meinetwegen könnte er hier auch zusammen in einer WG mit Sebastian Edathy leben, den aber keine Sau mehr kennt und von dem offensichtlich auch irgendwie niemand weiß, wo er gerade ist …“

„Pssst, um Himmels Willen, S., Sie …“

„Ich würde Sie bitten, hier unten auf Ihre Wortwahl zu achten, Bailong.“

„Na, dann eben „in Dreiteufelsnamen“?“

„Besser.“

„Na, dann also: Pssst, in Dreiteufelsnamen, S., so eine Ankündigung kann gefährlich sein, wenn die durchsickert.“

„Ach, was will er denn machen, der Erdogan? Mich verklagen? Und wenn: Ich habe die Nummer von Böhmermanns Anwalt … – gehen wir weiter  und kommen wir zu F. Dort kommt der FC Bayern München rein!“

„Aber den hatten Sie schon!?“

„Die haben noch eine zweite Mannschaft in der 3. Liga …

„Finde ich nicht gut, die sollte man aus Effizienzgründen zusammenlegen.“

„Na gut, dann kommt hier eben die FDP rein.“

„Die komplette?“

„Ja, sicher!“

„Aber die ist doch wichtig innerhalb des demokratischen Systems!?“

„Für wen? Damit Kubicki sein Gesicht in weitere 70 Talkshows halten kann, muss er kein Parteibuch haben. Und die eigentliche Wählerschaft, Zielgruppe, Klientel, whatever ist schon dadurch genug vertreten, dass wir bereits vor zwei Jahren mehr Lobbyisten mit Hausausweis für den Bundestag hatten als Abgeordnete, und besser ist das sicher nicht geworden. Nein, ich bleibe dabei, die FDP kann weg!“

„Na gut. Kommen dann unter G die Grünen rein?“

„Nein, wo denken Sie denn hin? Es gibt niemals mehr eine linke Mehrheit auf Bundesbene, wenn wir die wegsperren, das kann ich nicht machen. Nein, ganz einfach: Unter G wie Gas, genauer gesagt Erdgas, ist unsere Energieversorgung für den gesamten Bereich untergebracht. Im Vertrauen: Wir zapfen von hier direkt von der Nord Stream 2 ab …“

„Ach, die Pipeline ist schon fertig?“

„Na ja, zu 95 Prozent. Das müsste bis zum Baubeginn hier eigentlich passen. Sofern die Amerikaner das nicht doch noch irgendwie verhindern, angesichts ihres „Gesetzes zum Schutz Europas Energiesicherheit“. Das muss man sich mal vorstellen: Die nennen ein Gesetz „Gesetz zum Schutz Europas Energiesicherheit“. Klingt super, oder? Irgendwie alstruistisch. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Dabei wollen die Amis eigentlich nur ihr eigenes Flüssiggas auf ökologisch fragwürdige Weise quer über den Atlantik schippern, um es dann hier zu verticken. Warum sagt man das dann nicht so!?“

„Da bin ich ganz hier Meinung. Wer kommt denn in den Bereich H? Hofreiter?“

„Nein! Was haben Sie denn immer mit den Grünen, verdammt?“

„Dann Habeck?“

„Der ist auch Grüner, Herrgott!“

„Ihre Wortwahl, S., denken Sie an Ihre Wortwahl!“

„Sacklzement, ist doch gut jetzt. Nein, unter H kommt Björn Höcke!“

„Ich dachte, der käme unter A!?“

„Nee, nee, der Herr kriegt ein Einzelzimmer. Mit speziellen Einrichtungen zur Dauerbeschallung mit „Die Internationale“. Mit 47 Monitoren, in denen nachts durchgehend Erklärfilme der Bundeszentrale für politische Aufklärung laufen. Und regelmäßig kommen Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg von oben auf ein Stück Kuchen vorbei. An der Wand ein riesiger Setzkasten mit 150 Miniaturen des Holocaust-Denkmals in Berlin. Hach, ich sehe es schon vor mir. Er wird es lieben …“

„Klingt bezaubernd, ja. Wie sieht es mit I aus?“

„Tja, ehrlich gesagt, das wissen wir noch nicht so genau. Ich hatte ja spontan an die Firma Intel gedacht, aber …“

„Warum?“

„Na … ich mag AMD, außerdem wird Intel dauernd verklagt und oft auch verurteilt. Mal wegen Missbrauchs ihrer Vormachtstellung auf dem Markt, dann wegen Sicherheitslücken, zuletzt wegen Wertpapierbetrugs. Nein, ich denke, es wäre besser, wenn die heimlich still und leise verschwinden würden.“

„Soll mir nur recht sein, ich halte nennenswerte Anteile an HiSilicon …“

„An wem?“

„Einem chinesischen Chiphersteller. Gehört zu Huawei …“

„Na, dann wäre das doch eine win-win-situation!?“

„Absolut. Keine Einwände!“

„Gut, dann geht es mit J wie „Junge Alternative“ weiter, hier kommt also die Jugendorganisation der AfD rein.“

„Können die nicht auch unter A?“

„Nein, lassen Sie die junge Leute hier mal unter sich sein. Außerdem plane ich, die jungen Leute hier drin intensiv zu beschulen, denn offensichtlich wurde da etwas versäumt und es besteht ein eklatanter Nachholbedarf in Fächern wie Geschichte, Ethik, Sozialkunde und … ach, in eigentlich allem.“

„Sehr nobel von Ihnen.“

„Tja, was tut man nicht alles. Kommen wir zu K, reserviert für Andreas Kalbitz von der AfD.“

„Gute Idee! Und der bekommt dann das gleiche Programm wie der Höcke?“

„Nein, bei jemandem, der so einen Hintergrund hat wie Kalbitz und dann noch aussieht wie Himmler, nein, bei so jemandem ist Hopfen und Malz verloren. Nee, Kalbitz kommt hier einfach nur rein und wird dann offiziell vergessen.“

„Ach, und Höcke meinen Sie mit Ihrer Beschallung und dem ganzen anderen Zeug noch beeinflussen zu können?“

„Gute Güte, nein, das mache ich alles rein zu meinem Vergnügen!“

„Verständlich.“

„Gehen wir weiter zu L. L wie Lukaschenko.“

„Oh, ja, ich denke, dazu braucht nicht mehr viel gesagt werden, Sie würden der Menschheit wohl einen Dienst erweisen.“

„Eben. Dann weiter zu M, reserviert für Jörg Meuthen.“

„Sie bringen die berühmtesten AfDler separat unter, so scheint es mir?“

„Allerdings, das vervielfacht den Spaß. Also … meinen.“

„Das sei Ihnen gegönnt, mittelfristig könnte man überlegen, ob man aus Effizienzgründen hier nicht anders vorgeht …“

„Na gut, bei Meuthen ließe ich mit mir reden, bei Kalbitz und Höcke nicht!“

„Wird notiert. Und jetzt N?“

„Japp, N wie NRA – ich kann gar nicht sagen, wie lange ich diesen Verein schon von der Bildfläche verschwinden sehen möchte!“

„Nachvollziehbar – aber werden die nicht sowieso gerade von New Yorks Generalstaatsanwältin verklagt, mit dem Ziel, die NRA aufzulösen?“

„Nun ja, grundsätzlich habe ich nach dem immer wiederkehrenden Scheitern von Trumps Einwanderungspolitik vor dem Supreme Court habe ich ja grundlegendes Vertrauen in die Justiz der USA …

“ … zumindest mehr als Trump selbst, Chef, denn der nannte die Entscheidung des Supreme Courts aus dem Juni gegen ihn „politically charged decision“, also im weitesten Sinne „politisch beeinflusste Entscheidung“, womit er der Justiz vorwirft, nicht unabhängig zu sein und worüber er vielleicht noch länger mal nachdenken sollte als er jetzt schon im Amt ist, Chef.“

„Interessanter Beitrag, Lübke, danke. Nun, jedenfalls habe ich grundlegendes Vertrauen in die US-Justiz, aber um ehrlich zu sein: Sicher ist sicher! Also, weg mit der NRA!“

„Einverstanden. Was ist mir O?“

„O wie Onlinehandel!“

„Sie wollen den kompletten Onlinehandel … ähm … wegsperren? Mit Verlaub aber, wie um alles in der Welt soll das gehen? Jeff Bezos entführen und als Voraussetzung für seine Freilassung die Zerschlagung Amazons fordern?“

„Hm, ich gebe zu, über die Frage der Umsetzung wird derzeit noch in einem Fachgremium beraten, aber ich muss zugeben: Alles was ich von denen gehört habe, war schlechter als ihre Idee! Aber mein Entschluss steht fest, der Onlinehandel muss weg, die Leute müssen zum Einkaufen mal wieder aus dem Haus, in Geschäfte vor Ort.“

„Das können wir nicht machen! Ich verdiene doch selbst durch Onlinehandel Geld. Ich müsste mit der Muffe gepufft sein, um freiwillig darauf zu verzichten!?“

„Mit der was? Ich gebe zu, Ihre Kenntnisse der deutschen Sprache ist beeindruckend!“

Sind beeindruckend! Und lenken Sie nicht ab. In den Bereich O muss etwas anderes, sonst muss ich mein Investment leider …“

„Nein, halt, warten Sie, Sie haben gewonnen. Dann kommt in O eben … Günther Oettinger, um die Welt davor zu bewahren, dass er nochmal so etwas wie „In my homeland Baden-Württemberg we are all sitting in one boat.“ sagt. Oder „„Was die Netzneutralität betrifft, da haben wir gerade in Deutschland Taliban-artige Entwicklungen.“ Oder überhaupt irgendwas anderes.“

„Klingt nach einer mit heißer Nadel gestrickten Idee, aber …“

„Alles hier ist mit heißer Nadel gestrickt …“

„Schnauze, Lübke!“

„Was hat er denn gesagt?“

„Ach, nichts. Gehen wir weiter zu P, wie Polizei und Polizeigewerkschaft.“

„Was? Sie können doch nicht …

„Nein, natürlich nicht. Nur so vereinzelte, wie beispielsweise den Herrn, der bei den „Querdenken“-Covidioten aufgetreten ist und ganz viele lustige Dinge sagte, wie beispielsweise, dass es aus seiner Sicht keine Gewaltenteilung in diesem Land mehr gebe und der die jetzige Situation mit dem Beginn der Nazi-Zeit verglich. Der bei einer Veranstaltung auftauchte, auf der sich immer öfter und immer zahlreicher auch die Rechtsradikalen zeigen, und der bei der Polizeidirektion Hannover zuständig war für das Sicherheitskonzept von Synagogen. Kannste Dir nicht ausdenken so was, wenn es nicht so traurig wäre, wäre es komisch.“

„Und was kann die Gewerkschaft für solche Einzelfälle?“

„Kommen Sie mir nicht mit „Einzelfälle“. Die 5.500 „Dissidenten“, die in ihrem Heimatland in Haft sitzen, sind sicherlich auch alles nur …“

„Chef, nicht! Sie lassen das Geschäft platzen!“

„Also, ich muss doch sehr bitten, S., nicht in diesem Ton, ja!?“

„Verzeihung. Jedenfalls, was die Gewerkschaft angeht: Nachdem unser Bundesinnenhorst die Idee einer bundesweiten Studie zum racial profiling untersagt hat – mit der Begründung, dass racial profiling ja sowieso verboten sei … -, hat Niedersachsens Innenminister Pistorius vorgeschlagen, das auf Landesebene zu tun. Was folgte, war nicht nur eine reflexhafte Ablehnung des Vorschlags durch diverse Amtkollegen, unter anderem aus Brandenburg. „“Ich sehe für Brandenburg die Notwendigkeit einer solchen Studie nicht“, sagte Brandenburgs Innenminister Stübgen seinerzeit. Nein, in Brandenburg, von wo erst unlängst über eine wachsende Zahl von Polizisten mit AfD-Parteibuch berichtet wurde, nein, da braucht man das wirklich nicht … Und das sieht eben auch der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft in Niedersachsen so, für den der Vorschlag von Pistorius eine „Vorverurteilung darstellt“. Die alle können meinetwegen gerne unter P geparkt werden. Und wenn sie dann zur Besinnung kommen, dann lassen wir sie wieder raus. Außer den „Querdenker“ von der Dortmunder Demo, der bleibt hier.“

„Na gut, so sei es! Weiter mit Q?“

„Hatten wir doch vorhin schongeklärt, da kommen die QAnon-Spinner hin.“

„Ach ja. Dann R.“

„Ja, R wie „Rückreisewelle“.“

„Sie wollen eine Rückreisewelle einsperren? Wie soll das gehen?“

„Nicht die Welle an sich, nur die Reisenden. Wer derzeit in Urlaub fliegt, der kann meinetwegen gerne da bleiben, wo er gerade ist, alternativ aber auch bei uns untergebracht werden, bis er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellt.“

„Ja, aber dafür gibt es doch Tests …“

„… deren Finanzierung zum Teil immer noch nicht geklärt ist und die deswegen unter Umständen von denen mitfinanziert werden müssen, die sich keinen Urlaub leisten können oder aber so helle sind, wenigstens mal einen Sommer lang mit dem Arsch zu Hause zu bleiben. Oder meinetwegen irgendwo im Bundesgebiet Urlaub zu machen.“

„Klingt sinnvoll, das würde ich so genehmigen. Gehen wir weiter zu S. Warum steht hier 4S?“

„Na, 4S steht für „Seehofer, Söder, Scheuer, Sulfur“.“

„Es gibt einen CSU-Abgeordneten namens Sulfur?“

„Nein, jedenfalls nicht, dass ich wüsste. Sulfur ist Schwefel, Mensch. In dieser Abteilung arbeiten Seehofer, Söder und Scheuer in der Schwefelgewinnung!“

„Gefällt mir, trägt auch ein bisschen zu Eigenfinanzierung der Anlage bei.“

„Eben! Kommen wir zu T. Und da ich zwar der US-Justiz vertraue, aber nicht der amerikanischen Wählerschaft oder dem Wahlsystem an sich, kommt hier rein prophylaktisch der amtierende 45. Präsident der USA, Donald J. Trump rein.“

„Ihre Ideen gefallen mir immer besser. Ich denke, ich zücke schon mal mein Scheckbuch …“

„Nein, warten Sie, bis Sie alles gesehen haben. Wobei – für U ist uns bislang nichts eingefallen.“

„Wie wäre es mit einer simplen Umkleide?“

„Genial! Machen wir! Dann weiter zu V, reserviert für Beatrix von Storch, die im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme 190 Stunden die Woche Computermäuse putzen darf, bis sie darauf abrutscht.“

„Klingt aber nicht so, als könnte man damit – anders als beim Schwefel-Trio – Geld verdienen!?“

„Nein, die Maßnahme beruht auf reiner Boshaftigkeit meinerseits.“

„Genehmigt. Wie sieht es mit W aus?“

„Wahlcomputer!“

„Bitte?“

„Na, wir stellen hier sämtliche Wahlcomputer der USA unter. Während der noch amtierende Präsident keine Gelegenheit ausnutzt, gegen die Briefwahl zu wettern, sagt keiner irgendwas über dieWahlcomputer, die eigentlich jedes mäßig begabte Skriptkiddie-Kellerkind hacken kann. Die Dinger müssen weg!“

„Ich würde Sie Ihnen abkaufen!?“

„Bitte?“

„Ja, ich … würde sie Ihnen abkaufen, ich … bin mir sicher, damit lässt sich … noch einiges anstellen.“

„Na, meinetwegen. Kommen zu X. Hier …  ähm, nun ähm, ja, also hier kommen … XYLOPHONE, ja, genau, Xylophone kommen hier rein.“

„Eine seltsame Wahl – warum denn Xylophone?“

„Nun, ich … mag sie einfach nicht diese Dinger, die …

„Aber Chef, X war doch für Xi Jinping gedacht …“

„WAS! SIE WOLLEN UNSEREN ÜBERRAGENDEN FÜHRER EINSPERREN!? ICH BIN ENTRÜSTET! ACH, NOCH VIEL MEHR ALS DAS, ICH BIN ENTSETZT! DAS WIRD EIN NACHSPIEL HABEN! LEBEN SIE WOHL, SIE SPINNER! RÜCKREISEWELLE, PAH, WAS FÜR EIN VERRÜCKTER!“

„Nein, halt, warten Sie, sie können noch nicht gehen, Sie haben doch noch gar nicht Y für die Yakuza und Z wie … wie … Zebu … Zauneidechse … Zoohandlung …?

„Geben Sie es auf, Chef, er ist weg.“

„LÜÜÜÜÜBKÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!“

 

Freitagsfragen # 109

 

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

an neuer Wirkstätte geht es hier mit der hundertneunten Ausgabe der Freitagsfragen im Brüllmausblog weiter. Diesmal in sehr kurzer Form, da das Ganze eher eine Art Testballon hinsichtlich der Frage, ob nach der Neueinrichtung des Blogs schon alles, oder wenigstens das Wesentliche, oder aber wenigstens überhaupt etwas schon so funzt, wie es soll.

Selbst wenn alles so funktioniert, wie es soll, gilt festzuhalten, dass das hier alles noch „work in progress“ ist. Auch wenn nicht auszuschließen ist, dass dieser „progress“ fürderhin vergleichsweise langsam verläuft. Wir werden sehen.

Schreiten wir aber nun zur Beantwortung in Kurzform der Freitagsfragen vom 24. Juli 2020, die da lauten:

1.) Was war Dein bisheriges Highlight in diesem Jahr?

Das mag wehleidiger klingen als es beabsichtigt ist, aber: Dieses vergleichsweise beschissene Jahr weist bis jetzt nicht das Geringste, aber auch mal so gar nichts, auf, was ich in die Kategorie Highlight einsortieren würde. Wäre das Jahr ein Skat, man bräuchte ihn gar nicht erst aufnehmen. Nee, 2020 kann meinetwegen gerne weg.

2.) Gäbe es eine TV-Sendung über Dich, was wäre die Titelmelodie?

„Alive“ von Pearl Jam.

3.) Welchem Mitglied Deiner Familie ähnelst Du am meisten?

Auch wenn man als Teenie nie, niemals, um Himmels Willen nicht so werden will wie seine Eltern, würde ich hier trotzdem meine Eltern anführen.

4.) Die Wahl der Qual: eine Woche ohne Internet oder ohne Dein Handy?

Das fällt mir diesmal ausgesprochen leicht: Ich nehme die Woche ohne Internet.

 

Das war es auch schon wieder. Demnächst, wenn hier alles so eingerichtet ist, wie ich mir das wünsche, ihr euch Keks nehmen und es euch gemütlich machen könnt, dann werde ich auch wieder ausführlicher.

Bis dahin gehabt euch wohl und bleibt gesund.