abc.etüden 2021 38+39 | 365tageasatzaday

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich habe beschlossen, den Vorlauf vor den einzelnen Etüden fürderhin kurz zu halten, daher: Auf Einladung von Christiane und zur Wortspende von Werner und seinem Blog „Mit Worten Gedanken horten“ gehen die Etüden hier in die nächste Runde. Rettungstruppe aufi:

„Und sonst?“

„Ich versuche, ein auf der „Vogelhochzeit“ basierendes Gedicht zur Bundestagswahl unter stetiger Wiederholung der Zeile „Triellalala, Triellalala, Triellalalalala“ zu schreiben.“

„Lass es lieber.“

„Okay, dann … reg ich mich alternativ halt doch wieder auf.“

„Worüber?“

„Dass alles den Bach runtergehen wird.“

„Düstere Prophezeihung. Konkret?“

„Na, im Landkreis Rosenheim wurde jetzt eine mutmaßliche „Querdenker“-Schule ausgehoben.“

„Nicht dein Ernst!“

„Doch. Dort wurden 50 Kinder der Klassen 1 bis 9 unterrichtet.“

„Von wem?“

„Nun, von „Kräuter- und Musikpädadogen“, sagte die Leiterin. Und von „Schamanen“.“

„Kräu… was soll das überhaupt sein?“

„Ja, keine Ahnung. Die Leiterin – eine verbeamtete Lehrerin einer Grund- und Mittelschule, die sich offiziell im Krankenstand befindet und die sich selbst als „aus dem System ausgestiegene Lehrerin“ bezeichnet …“

„…also so was wie Höcke …?“

„Hm, irgendwie schon, nur dass der auch noch beispielsweise über die Parteienfinanzierung staatlich alimentiert wird. Jedenfalls, die Leiterin sagte, sie habe die Einrichtung, die im Übrigen „russisches Staatsgebiet“ sei, als Stiftung gegründet, nach „Eingebungen von oben“.

„Von Ballweg?“

„Nee, ich glaub, das meinte sie anders.“

„Vermutlich. Und jetzt?“

„Jetzt wäre es mir am liebsten, diese ganzen Irren und Bemackten würden sich eine schottische Insel kaufen und sich dahin verkrümeln, aber stattdessen … sollte man ihnen vielleicht nach Demos vor Schulen, Mollies auf Impfzentren und Schüssen in Tankstellen mal endlich anständig vor den Koffer kacken und sagen: „Ihr seid irre im Kopf, lasst euch helfen!“

„Und du meinst, das würde helfen?“

„Vielleicht. Jahrelang hat die Politik doch gesagt, man müsse die Sorgen und Ängste der Bürger ernst nehmen, auch wenn die darin bestanden, sich vor einer unheiligen Allianz aus Smaug und dem Geheimdienst Neuschwabenlands zu fürchten, die mich aus der Garage überwachen. Vielleicht ist jetzt die Zeit des Belächelns  und Kopfschüttelns vorbei und stattdessen Zeit für klare Kante. Nennenswerte Bevölkerungsanteile scheinen in behandlungsürdigem Umfang krank im Kopf zu sein!“

„Stimmt!“

300 Worte.

9 Gedanken zu “abc.Etüden KW 38/39 I

  1. Wenn die Politik die Sorgen und Ängste der Bürger jemals ernst genommen hätte (also, der Bürger ohne fettes Portemonnaie und mit Glauben an das, was im Grundgesetz so alles steht), dann wären wir nicht da, wo wir heute sind. WTF.
    „Triellalala“ finde ich übrigens wirklich sehr bezaubernd, und die Abwesenheit längerer Vorreden betrübt mich – aber vielleicht hältst du es ja eh nicht durch. 😉
    Danke jedenfalls.
    Trüb gelaunte Morgenkaffeegrüße 😉☁️🌳☕🍪👍

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    1. Die Forderung, die Sorgen und Ängste der Bürger ernst zu nehmen, war jahrelang in erster Linie eine Anbiederung an die Wählerinnen und Wähler, die an die AfD abgewandert waren, mit dem Ziel, sie nicht völlig zu verprellen und irgendwann zurückzugewinnen. Ein Peer Steinbrück hätte dazu wahrscheinlich noch gesagt: „Eure Sorgen und Ängste sind aber irrational und ergeben keinen Sinn!“, heute traut sich das aber niemand mehr, weil man als staatlich geprüfter Kuschelrhetoriker so etwas offensichtlich nicht mehr macht. Gleichzeitig wähnen sich andere aber in einer „Gesinnungsdiktatur“, obwohl man ihnen sehr viel länger als nötig das Gefühl gegeben hat, sie ernst zu nehmen, anstatt ihnen einfach eine Überweisung zu einer Fachärztin oder einem Facharzt in die Hand zu drücken …

      Man merkt, ich bin von bestimmten Menschen gerade schwer genervt …

      Morgenkaffeegrüße zurück!

      Gefällt 2 Personen

    1. Erschreckenderweise muss ich zugeben, dass diese Geschichte an mir vorbeiging. Aber wenn es im Spot heißt, die CDU würde „auch mit denen, die eine kritische Haltung haben. Ja, gerade mit denen.“ reden, dann ist das genau das, was ich meine. Es gibt so Leute, mit denen redet man nicht, eben weil sie doof oder irre oder beides sind. Punktum.

      Gefällt 1 Person

    1. Ja, das mit der Demokratie und was selbige aushalten muss, das hab ich in der Vergangenheit auch oft gehört. Fast so oft wie das mit den ernst zu nehmenden Sorgen und Ängsten. Natürlich hält eine Demokratie ein paar Sonderlinge aus. Aber wo ziehen wir denn die Grenze, was die Demokratie auszuhalten bereit ist? Schon bei Querdenker-Demos vor Schulen wegen anstehender Impfaktionen? Doch erst beim Sturm auf den Reichstag? Oder vielleicht erst, wenn unschuldige Menschen in Tankstellen erschossen werden?

      Ich will niemanden internieren und niemandem den Mund verbieten, ich erwarte nur, dass man gegenüber gewissen Menschen endlich eine klare Haltung zeigt.

      Bei jeglicher Art von Bockmist der hierzulande passiert, allerdings immer wieder darauf hinzuweisen, dass Demokratie so was aushalten muss, ist im Einzelfall zynisch, ganz generell aber eine solide Basis für einen fatalen laissez-faire-Umgang mit der Situation.

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