abc.etüden 2021 18+19 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die aktuellen Etüden werden, wie üblich, weiterhin von Christiane organisiert und gehen nun aus mehr oder weniger aktuellem Anlass und zur Wortspende von Nina und ihrem Blog „Das Bodenlosz-Archiv“ in ihre Dritte Runde, diesmal unter der Rubrik: „Dinge, die man bundesweit vielleicht nicht mitbekommen hat.“

„Na, wie isses?“

„Ich amüsiere mich.“

„Worüber?“

„Über die Leibniz-Uni in Hannover. Da ist derzeit, mit Verlaub, die Kacke am dampfen.“

„Was ist denn passiert?“

„Nun, eigentlich sollte ein Polizist und Soziologe, promoviert zu Alterskriminalität, an der Uni im Fachbereich Soziologe ein Einführungsseminar zum Thema „Polizei und Kriminalität“ halten.“

„Und?“

„Nun ja … sagen wir mal: Das passte dem AStA nicht.“

„Ach was!?“

„Japp. Man hat sich gegen den Dozenten ausgesprochen. Die Polizei sei „fast täglich durch strukturellen Machtmissbrauch, Rassismus und Rechtsextremismus in den Blick der Öffentlichkeit“ geraten, der AStA thematisiert regelmäßige Todesfälle in Polizeigewahrsam und überhaupt und außerdem könne er als Polizeibeamter gar nicht die nötige Distanz aufbringen, um angemessen zu kritisieren, was innerhalb der Polizei schief läuft.“

„Hm, ist das nicht irgendwie ein bisschen zu … pauschal?“

„Nun ja, zu den Veröffentlichungen des Dozenten gehören auch Texte, in denen er behauptet, die Polizeiarbeit sei nicht rassistisch geprägt und in denen er vom „vermeintlichen racial profiling“ spricht.“

„Ja, und? Das kann doch zunächst mal das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit sein!? Und das kann man dann gerne kritisieren. Hinterher. Ich meine, das ist doch wohl kein rechtsdrehender Höcke-Verschnitt, der da reden soll.“

„Nö, aber im starren Echokammern-Gedankenkorsett des AStA ist vielleicht nur Platz für Menschen, deren Meinung auch genehm ist.“

„Traurig. Also, ich habe in der Schule noch gelernt, dass man sein Gegenüber erst mal ausreden lassen soll und halte es außerdem für wichtig, auch andere Meinungen aushalten zu können. Nun gut, aber wer will schon resiliente Studenten!?“

„Studierende!“

„Ach, Schnauze! Und nun?“

„Tja, nun hat der Dozent in seinem Autoreifen einen Metallstift entdeckt, vermutet keinen Zufall, sondern einen inhaltlichen Zusammenhang und ist mit sofortiger Wirkung von seinem Lehrauftrag zurückgetreten.“

„Heftig.“

„Jepp. Das erinnert irgendwie an den Historiker Bley, der in Hannover kürzlich ausgeladen wurde, oder!?“

„Hä?“

„Ach, egal – andere Geschichte, selbes Problem.“

300 Worte.

Der AStA beklagt mittlerweile in einer Stellungnahme, dass „eine inhaltliche Auseinandersetzung über das Für und Wider der Institution Polizei an der Universität“ leider ausgeblieben sei.

Tja, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Lehrveranstaltung ist ja nun leider auch ausgeblieben … – aber hey, was weiß ich schon!?

3 Gedanken zu “abc.Etüden KW 18/19 2021 III

  1. Okay, nicht mitbekommen. Aber so, wie du die Geschichte zusammenfasst, scheint die tatsächlich zu stinken. Ich hätte da auch einen gewissen inhaltlichen Zusammenhang vermutet 🤔
    Und jetzt?
    Danke dir und Morgenkaffeegrüße, du weißt schon 😁🌦️☕🍩👍

    Gefällt 1 Person

    1. Die stinkt absolut. Ebenso wie es allerdings stinkt, dass Unbekannte im Zuge dieser Diskussion die Scheibe des AStA eingeworfen haben, was ebenso wenig einen konstruktiven Diskussionsbeitrag darstellt wie die augenscheinliche, bockige Verweigerungshaltung des AStA.

      Ich habe die starke Vermutung, wir gehen immer mehr der Fähigkeit verlustig, Diskussionen mit unterschiedlichen Standpunkten sachlich zu führen und driften dabei immer mehr ins Extreme ab. Offensichtlich reicht es dafür schon aus, wenn jemand etwas sagt oder tut, was der eigenen Meinung oder Überzeugung widerspricht. O tempora, o mores.

      Was das „Und jetzt?“ angeht: Tja, jetzt haben die Studenten – Verzeihung, die Studierenden natürlich, auch wenn selbige eigentlich nur im Moment des Studierens Studierende sind, ebenso wie „Lesende“ nur dann „Lesende“ sind, wenn sie gerade ein Buch lesen, aber was weiß ich schon – die haben also jetzt gemerkt, dass sie auf lange Sicht mit so was durchkommen können. Vielleicht lehren an Universitäten zukünftig dann bald nur noch Menschen, deren Weltsicht den Stu…dierenden genehm ist. Man weiß es nicht, aber man darf gespannt sein …

      Gefällt 2 Personen

      1. Das ist ja etwas, was irgendwie jede*r beklagt: Die Unfähigkeit (immer der anderen Seite) sich sachlich und friedlich auseinanderzusetzen.
        O tempora, o mores, o schlechte Nerven und Launen etc. Meine Güte. Da kommt was auf uns zu.
        Ich bin ziemlich „ungespannt“ 🤬😭, ich halte das für ein riesiges Problem.

        Gefällt 2 Personen

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