abc.etüden 2021 03+04 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nach langer Etüdenabstinenz meinerseits gibt es jetzt doch mal wieder eine neue Etüde von mir. Trotz meiner längerfristigen Abwesenheit hat sich an der Leitung der Etüden durch Christiane nichts geändert, die Wortspende kommt diesmal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Schreiten wir zur Tat:

„Was liest du da?“

„Christine Aschbachers Doktorarbeit.“

„Wessen Doktorarbeit?“

„Christine Aschbacher, österreichische Arbeits- und Familienministerin. Also … ehemalige Ministerin.“

„Warum?“

„Weil ein neuerlicher Plagiatsskandal unser Nachbarland erschüttert. Offenbar hat Frau Aschbacher mitten in der Pandemie Zeit gefunden, ihre Dissertation zu verteidigen. Nun hat sich aber leider herausgestellt, dass sich die Arbeit zu geprüften 21 Prozent aus Plagiaten zusammensetzt. Und darüber hinaus … sagen wir … Stilblüten enthält.“

„Gibts Beispiele?“

„Klar. Also, wenn sie fremdsprachige Zitate verwendet, ist die Übersetzung häufig eher … holprig. So steht dort beispielsweise zu lesen: „Vielleicht, daher ist es seltsam, dass, wenn es irgendeine Phrase, die garantiert wird, um mich auf den Weg, es ist, wenn jemand zu mir sagt: Okay, du bist der Chef!“

„Aaaa … ha.“

„Genau! Oder auch: „Okay, dann, glaube ich nicht mit Ihnen einverstanden, aber ich werde rollen und tun es weil sie sagen mir zu.“ Beides Zitate von Richard Branson.

„Rollen?“

„Rollen!“

„Faszinierend.“

„Japp. Aber auch eigene Formulierungen sind eher so semi … „Aufgrund der teilweise bewährten Führungsstile entsprechen die bisherigen Ergebnisse teilweise für Führungsstile oder Innovation in Führungsunternehmen.“

„Ähm, was!?“

„Ja, das weiß ich doch auch nicht! Ich weiß nur: Frau Aschbacher ist schnellstmöglich zurückgetreten.“

„Löblich!“

„Nun ja, eigentlich nicht, denn sie habe die Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt …“

„…was nicht für sie spräche, wenn dem so wäre …“

„… und der eigentliche Grund sei, „dass die Medien und die politischen Mitstreiter (…) mich medial in unvorstellbarer Weise vorverurteilen.“

„Medien medial …?“

„Jepp. Klingt wie damals der Lautsprecher zu Guttenberg: „Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.“

„Exakt.“

„Und was wird nun aus Frau Aschbacher?“

„Keine Ahnung, vielleicht versucht sie es nochmal in einer anderen Partei!? Schwarz ist ohnehin so eine trostlose Farbe.“

„Wie wäre es mit … orange?“

„Das wäre in Österreich meines Wissens das „Bündnis Zukunft Österreich“ – das gibts praktisch nicht mehr.

„Ist besser so …“

300 Worte.

9 Gedanken zu “abc.Etüden 2021 KW 3/4

  1. Dazu gibt es einen sehr aufschlussreichen TAZ-Artikel. Ziemlich grauslich, besonders die Sache mit den computerübersetzten Zitaten. 😠
    Dann denke ich mir, dass man diese Chuzpe erst mal haben muss, aber wenn es einem so leicht gemacht wird?
    Vielleicht sollte man bei unseren Politikern auch mal checken, ob die ihre Doktortitel an vergleichbaren Unis erworben haben … 🧐🤔😉
    So schön, dass du wieder einsteigst! Gerade rechtzeitig zum Vierjährigen! 😁
    Morgenkaffeegruß 😁☁️☕🍪👍

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    1. Es mag sein, dass es ihr leichtgemacht wurde, und sicherlich sollte man angesichts solcher Vorfälle auch mal generell die gängige Praxis im akademischen Bereich hinterfragen, aber nur weil man es ihr möglicherweise leichtgemacht hat, muss man davon ja keinen Gebrauch machen. Nur weil mein Nachbar sein Autor nicht abschließt und den Schlüssel stecken lässt, muss ich damit ja nicht wegfahren. 😉

      Im vorliegenden Fall scheint nur wenig Unrechtsbewusstsein vorhanden zu sein, stattdessen verzieht man sich die „Alle sind so gemein zu mir“-Deckung. Und währenddessen fragen sich unzählige ehrliche mit ihrer Dissertation beschäftige Menschen, warum sie sich diesen Stress eigentlich antun, und nicht der Einfachheit halber auch 30.000 Euro nach Bratislava zu überweisen …

      Ich wollte das Thema schon vor Tagen aufgreifen, aber irgendwie passt diese Wortspende deutlich besser dazu. 🙂

      Lieben Morgenkaffeegruß zurück

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, da bin ich komplett bei dir. Seit wann darf man eigentlich alles machen, egal wie bescheuert (und unehrlich) es ist, solange man es bezahlen kann? Früher waren das gefühlt Einzelfälle, inzwischen steigt die Zahl aber rasant 😠

        Gefällt 1 Person

  2. Wenn die Formulierung der eigenen Gedanken schon fast so konfus ist wie die Google-Übersetzung fremdsprachiger Zitate, für deren Überarbeitung zu sinnvollem Deutsch offensichtlich die Zeit fehlte, dann braucht man vielleicht Nachhilfe in Deutsch, aber keinen Doktortitel.

    Ich frage mich, ob Dissertationen von niemandem in der titelvergebenden Uni gelesen werden?

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    1. Exakt so sieht es aus! Was die Uni angeht, so befindet sich diese in Bratislava. Ich nehme daher an, dass der Ursprungstext in deutscher Sprache – oder dem, was die Verfasserin dafür hielt – verfasst wurde, dann ins Slowakische übersetzt wurde und dass es dabei … Übertragungsschwierigkeiten gab, sodass der eher holprige Stil nicht auffiel. Vielleicht kümmert es dort aber auch niemanden, was wirklich in so einer Disertation drinsteht, solange die Verfasserin 30.000 Euro gelatzt hat!? Die Uni ist berühmt für so etwas, man spricht wohl allgemein vom „Dr. Bratislava“.

      Im Übrigen herzlichen Dank für das 0:1 gestern … 😉

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