abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

noch läuft die 38. Kalenderwoche, was gleichbedeutend damit ist, dass man Etüdenorganisatorin Christiane noch weitere Etüden zur aktuellen Wortspende von Ludwig Zeidler zukommen lassen kann. Also mache ich das doch einfach mal:

 

„Wie jetzt, du löst Kreuzworträtsel?“

„Jepp. Hilf mir mal eben: Anderes Wort für zart oder ätherisch mit neun Buchstaben!?“

„Engelhaft?“

„Passt, danke!“

„Gern. Noch keine Nachrichten gehört?“

„Welche?“

„Na, Deutschland nimmt 1.500 Flüchtlinge aus Griechenland auf. Gute Idee, oder!?“

„Ach, wie man es nimmt …“

„Was? Wirste jetzt zum AfDler …?“

„Ach, Unfug.“

„Und dennoch bist du irgendwie unzufrieden?“

„Schon.“

„Weil?“

„Weil ich denke, dass europaweit so viel mehr möglich wäre. Sieh mal, schon in §2 des EUV steht: „Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde (…)“ etc. – aber man scheint bei der EU derzeit angetreten zu sein, um eben diese Menschenwürde mit Füßen zu treten und Heuchelei zum Grundsatz des Handelns zu machen.“

„Inwiefern Heuchelei?“

„Die geplante Aufnahme von 400 unbegleiteten Kindern wurde von der EU nach dem Moria-Brand als brandneue Idee verkauft. Dabei berichtete die Presse über diese Pläne schon im März.“

„Es braucht halt Zeit bis zu einer europäischen Lösung …“

„Ach, die haben wir doch, und da sind wir schon bei der Menschenwürde.“

„Inwiefern?“

„Na, all diese Dinge, die Pushbacks, Internierungslager in Libyen, EU-finanzierte Flüchtlingslager in Tripolis, aus denen sich sogar das UNHCR zurückzog, weil man die Sicherheit der Menschen nicht mehr gewährleisten konnte, die überfüllten Lager in Griechenland und anderen südeuropäischen Staaten, die man weitgehend allein mit der Situation lässt, all das, machen wir uns doch nichts vor, all das IST die europäische Lösung. Zumindest scheint man an keiner anderen interessiert zu sein.“

„…“

„Und das Schlimmste sind die Deppen, die sich heute aus aktuellem Anlass wieder in den asozialen Hetzwerken und sonstwo auskotzen, obwohl sie mehrheitlich die Sprache des Landes, das sie zu verteidigen angetreten sind, nicht mal in Wort und Schrift beherrschen. Widerlich!“

„Tja, und nun?“

„Vielleicht baue ich mir ´n Bunker und vergrabe mich darin.“

„Hm, da bekäme „Wolfsschanze“ eine völlig neue…“

„Sags nicht!“

 

300 Worte.

9 Gedanken zu “abc-Etüden KW 37/38 IV

    1. Dich traurig zu machen, war sicherlich nicht meine Intention. 🙂 Dennoch finde ich, dass der Begriff „asoziale Hetzwerke“ recht treffend beschreibt, was dort mittlerweile los ist. Und nicht nur dort. Was ich beispielsweise heute schon im Kommentarbereich meines Mail-Anbieters lesen musste, lässt dezente Übelkeit in mir aufkommen.

      Was die „Wolfsschanze“ angeht, so beglückwünschen sich derzeit immer noch verschiedene meiner Hirnareale gegenseitig für die Idee, die ich ausnehmend gut finde. 😉

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      1. Ich lese fast keine Kommentare außerhalb von meiner Blogblase, damit ich nicht den ganzen Tag schlechte Laune habe. Okay, manchmal. SEHR manchmal.
        Das wird immer schlimmer, oder? Auch der Ton unter denen, die einander angeblich mögen, oder seh ich das falsch und bin bloß empfindlich? :-/
        Die Idee mit der Wolfsschanze ist auch ausnehmend gut 😀

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      2. Ich muss das gelegentlich lesen, allein um mir klar zu machen, dass wir eben nicht in meiner kleinen Märchenwelt voller Feen, Elfen und Eskimos leben. Auf der anderen Seite gilt aber eben auch, sich klarzumachen, dass das nicht die überwältigende Mehrheit ist, sondern eine kleine, aber laute Minderheit. So wie der sturzbetrunkene Onkel, der auf der Familienfeier die Bedienung angrapscht, während sich alle anderen zvilisiert benehmen. 😉 Und ja, in meiner Wahrnehmung wird der Ton unter dem Deckmantel des „Das wird man doch noch sagen düfen“ wirklich immer rauer. Das liegt offensichtlich aber auch an den Problemen, an denen viele Kommentarbereiche augenscheinlich leiden, nämlich der überschaubaren Moderation der Beiträge, weil die Menschen, die sich damit auseinandersetzen müssen, angesichts der Fülle der Kommentare die Segel streichen und daher ggf. Äußerungen durchwinken, die anderswo gelöscht würden. Und das geistige Prekariat orientiert sich eben an der auf diese Weise immer höher gelegten Messlatte.

        Sicherlich gibt es da Mittel und Wege, die der Situation entgegenwirken würden. Nur leider funktionieren die alle eher langfristig. Man kann also aus den Pöblern von heute wohl nicht die barmherzigen Samariter von morgen machen, aus deren Kindern aber eben schon. Aber das führt jetzt dann doch zu weit. 😉

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      3. Eins bloß noch: Du weißt selbst, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, eine Kommentarspalte gut zu moderieren. Ich glaube, dass die armen Schweine (die zuständigen Onlineredakteure) oft die Zeit nicht haben, die es braucht. Und vielleicht auch nicht das Standing.

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      4. Ja, das ist ja gerade das, was ich meine. Ich bin an anderer Stelle selbst im Bereich der Moderation unterwegs und weiß, was für ein immenser zeitlicher und auch nervlicher Aufwand das sein kann. Aber dann muss ich als Betreiber der Plattform – egal ob eine große wie Facebook oder diverse Mail-Anbieter oder eine kleine – eben für die entsprechende Infrastruktur sorgen.

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    1. Herzlichen Dank! Ich würde mir ja wünschen, ich wäre in der Lage, diese Meinung mal etwas entspannter und zurückhaltender zu äußern, aber nach fünf Jahren Herumgeeier auf europäischer Ebene in dieser Angelegenheit kriege ich das einfach nicht mehr hin. 🙂

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