abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich starte mal ohne große Vorrede in die dritte der Etüden, die weiterhin von Christiane organisiert werden, während die Wortspende von Ludwig Zeidler beigesteuert wurde.

 

„Wenn hierzulande nicht die Verbrennung von Druckerzeugnissen eine so schlechte Lobby hätte, dann …“

„WAS?“

„… dann würde ich ja dazu aufrufen, regelmäßig die gesamte Auflage der „Bild“ abzufackeln.“

„Aha. Du würdest also alle verfügbaren Exemplare aufkaufen und dann dem Feuer überantworten!?“

„Genau!“

„Hm, ob es Julian Reichelt wohl egal ist, ob man sein ekelerregendes Pamphlet liest oder verbrennt, solange man es bezahlt hat …!?“

„Ich … habe nie gesagt, dass mein Plan perfekt ist …!“

„Offensichtlich. Worum geht es denn überhaupt?“

„Um Rügen!“

„Die Insel?“

„Nein, die des Presserats. Die „Bild“, die sich in ihren widerlichen Werbespots ja immer so engelhaft-bürgernah gebärdet, die bekam nämlich von allen seit 1986 durch den Presserat ausgesprochenen Rügen – 797 an der Zahl – ganze 214 verpasst. Das sind etwa 27 Prozent aller erteilten Rügen. Und neulich kamen erst wieder neue dazu. Zwölf Rügen wurden verteilt, fünf gingen an die „Bild“.

„Und wofür?“

„Oh, unter anderen für die Berichterstattung über die Drosten-Studie, die seinerzeit „grob falsch“ genannt wurde. Momentan muss sich der Presserat aber noch mit etwas viel Schlimmerem befassen.“

„Nämlich?“

„Die „Bild“ hat anlässlich der Berichterstattung über die getöteten Kinder in Solingen Kontakt zu einem Schulfreund des überlebenden Sohnes aufgenommen und dessen Whatsapp-Chat mit besagtem Sohn vom Tag der Tat auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Oh, und ein Bild des besagten Schulfreunds haben sie auch veröffentlicht, ohne den Jungen darauf unkenntlich zu machen.“

„Was? Wie widerlich ist das denn?“

„Jepp! Das Schlimme ist: Interessiert das die Schergen dieses Hetzblatts? Gehen die jetzt vor Scham in Sack und Asche oder vergraben sich in selbstauferlegter Journalismus-Quarantäne oder etwas in der Art?“

„Nein?“

„Ach, Quatsch, die machen einfach weiter. Sie müssen nur in einer der nächsten Ausgaben die Rüge veröffentlichen – fertig“

„Hm, dann sind diese Rügen ja irgendwie eine gute Idee, die aber zahnlos wirkt, wenn die Konsequenzen ausbleiben.“

„Tja, die Pressefreiheit ist halt ein hohes Gut …“

 

300 Worte.

14 Gedanken zu “abc.Etüden KW 37/38 III

      1. Wie schön, dass wir uns einig sind 🙂

        Sonst so blicke ich gespannt auf die politische Zukunft in Bonn 😉 Ich übe mich weiterhin darin, ein Wal zu sein, freue mich über die Sonne, das Essen heute abend bei Schwiegermutti und daddel so vor mich hin – gesundes Mittelmaß mir Luft nach oben….. Und selbst so?

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      2. Sind wir das nicht immer!? 🙂

        Ich musste mich gerade mal schlau machen, was das Ergebnis angeht und stelle fest, dass ich mit diesem Ergebnis zumindest hinsichtlich dieser ekligen Partei vom äußersten rechten Rand auch auf Bundesebene leben könnte, sehe aber ein, dass das wohl ein frommer Wunsch bleiben wird.

        Mittelmaß muss nicht immer schlecht sein, selbst wenn man unter einer ausbaufähigen Selbstwahrnehmung leidet. 😛 😉

        Selbst so? Ich wage mich, bildlich gesprochen, an diverse literarische Achttausender und freue mich drüber. Ansonsten recht ereignislos, ein Stückchen unterhalb des Mittelmaßes, aber ebenfalls mit Luft nach oben. 🙂

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      3. Oh, doch, du hast mich sehr wohl verstanden, und es ist völlig zwecklos, Gegenteiliges zu behaupten. 🙂

        Was die Achttausender angeht: Momentan „Effingers“ von Gabriele Tergit, eine Familengeschichte vom Ende des 19. Jahrhundert bis in die Zeit der Weltkriege hinein. Davon wird bald zu reden sein. Und ansonsten warten diverse Klassiker von Dostojewski bis Dickens auf mich und in einem Anfall geistiger Umnachtung habe ich mir kürlich Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ gekauft … 😉

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      4. Ah ja – das mit den Klassikern hattest du ja erwähnt. Und die Familiengeschichte interessiert mich jetzt schon – die Zeit mag ich geschichtlich auch 🙂 Musil sagt mir irgendwas – gucke ich später mal. Jetzt werde ich mich weiter meinen hausfraulichen Tätigkeit widmen ….. oder lesen 😉

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      5. Ich werde zeitnah von der Familiengeschichte berichten. Wobei – „zeitnah“ ist relativ, für 900 Seiten brauche ich halt schon ein bisschen.

        Viel Vergnügen bei den hausfraulichen Tätigkeiten – oder beim Lesen. 😉

        Wünsche eine schönen Resttag.

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    1. Ich würde das nicht „schlimm“ nennen, ich würde das eher „bezeichnend“ nennen. Die Bild hat so oft Grenzen überschritten, dass man das offensichtlich nur noch mit resigniertem Schulterzucken hinnimmt, während weiterhin irgendwas bei acht Millionen Menschen das Drecksblatt mehrheitlich unwidersprochen lesen. Ich persönlich finde das bedenklich …

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      1. Ja, es mag einem vorkommen, dass es – um im Bild zu bleiben – an allen Ecken und Enden brennt, ich muss aber zugeben, dass ich keinen Brandherd davon als wirklich existenziell einstufen würde und meines Erachtens alles noch zu löschen ist. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur abgestumpft. 🙂 Die Löscharbeiten wären allerdings wesentlich einfacher, wenn es eben nicht Machwerke und Menschen wie die „Bild“ und ihre Journalisten gäbe, die einerseits allenthalben noch Öl ins Feuer gießen und andererseits auch noch davon leben!

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