abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzaday

 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ich hänge thematisch noch an gestern fest, deswegen gibt es heute eine weitere der von Christiane organisierten Etüden zur Wortspende des Etüdenerfinders Ludwig Zeidler.

 

„Ich fasse es nicht!“

„Was denn?“

„Na, nach dem Brand von Moria hätte ich erwartet, dass Frau von der Leyen kommt und sagt: „Passt mal auf, ich habe eine Excel-Tabelle aller EU-Staaten unter Berücksichtigung von Einwohnerzahl und Durchschnittseinkommen aufgestellt und darauf basierend errechnet, wie viele der Menschen in Moria jedes Land aufnehmen muss – und die nimmt jetzt jeder. Punkt. Basta. Ende.““

„Aber?“

„Stattdessen schwafelt sie etwas davon, „den unverzüglichen Transfer der verbleibenden 400 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen auf das griechische Festland zu finanzieren.“ Womit dort „nur“ noch etwa 12.000 Menschen verblieben – na hurra! Andere Teile der deutschen Politikerkaste bewerfen sich derzeit gerade mit verbalen Exkrementen der Schuld oder aber fallen durch ausnehmende Pietätlosigkeit auf.“

„Beispiel?“

„Alice Weidel.“

„Wie überraschend …“

„Japp, sie schrieb bei Facebook: „Wer Lager mutmaßlich anzündet, damit andere Bewohner gefährdet, Tote in Kauf nimmt und die Feuerwehr am Einsatz hindert, verdient ein Ticket: das nach Hause ins Heimatland!““

„Übel!“

„Japp, in die Kerbe schlagen aber auch andere. Hessens Europaministerin sagt: „„Dieser Gewaltausbruch einiger darf nicht belohnt werden.“ und schlägt stattdessen vor, dass man alles dafür tun solle, „die Bedingungen in diesen Einrichtungen zu verbessern“.“

„Na, was für eine großartige Idee!“

„Ja, oder!? Derweil gelingt es Biszurletztenpatrone-Innenhorst und der sich 2015 engelhaft gebenden Kanzlerin, trotz und gerade während Deutschlands EU-Ratspräsidentschaft nicht, dafür zu sorgen, dass knapp 13.000 Menschen in einen Wirtschaftsraum mit fast 450 Millionen Einwohnern eingegliedert werden – wie peinlich ist das!? Unser Innenhorst bleibt bei seiner 200.000-Zuwanderer-Obergrenze, trotz der Tatsache, dass er selbst im Juli sagte, dass „die Zahl der neu Angekommenen in diesem Jahr noch weit unter dieser Marke“ liege. Schlimmer noch: Er blockiert seit Wochen jegliche Initiative aus den Bundesländern, insgesamt 2.100 Menschen aufzunehmen. Und währenddessen tut unsere Kanzlerin so, als habe sie sich in die Lektüre von „Der gute Mensch von Sezuan“ vergraben und als ginge sie das alles nichts an.“

4 Gedanken zu “abc.Etüden KW 37/38 II

    1. Grundsätzlich finde ich, dass der Föderalismus schon eine gute Idee ist. Nur hilft das alles nichts, wenn dann gute Initiativen von Städten oder Bundesländern am Veto eines Verweigerungsinnenministers scheitern, nur weil es da formale Bedenken gibt. Das ist doch albern!

      Gefällt 2 Personen

  1. Alles richtig. Eigentlich wollte ich auch nix dazu schreiben, denn auch mein Menschheitsideal ist: keine Grenzen! Keine Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, herkkunft, Alter, Geschlecht, geschlechtlicher Orientierung….Jeder Mensch ist berechtigt, sein Glück dort zu suchen, wo er meint es finden zu können.

    Nun aber doch, denn ich lebe ja in Griechenland, einem Staat mit extrem langen, schwierigen Grenzen zu Lande und zur See, mit verarmten und von Kriegen und Krisen geschüttelten Nachbarn, mit einer fragilen Wirtschaft, denn das Land wurde durch 10 Jahre Sparprogramm, wachsende Verteidigungsausgaben gegen die Türkei, den Zusammenbruch des Tourismus etc pp wirtschaftlich in die Knie gezwungen. Eine halbe Million gut ausgebildeter junger Griechen (bei einer Grundbevölkerung ca 10 Mio, plus ca 1.1 Millionen Zugewanderte) haben das Land verlassen, weil sie hier keine angemessene Beschäftigung finden.

    Bei uns gibt es zig Lager, auf Inseln und auf dem Festland, und durchaus nicht nur die 13 000 auf Lesbos. Dazu kommen die in den Großstädten Untergetauchten – eine unbekannte, aber sehr große Zahl. In den letzten drei Jahren steigt die Zahl der Asylanträge, nachdem sich herumgesprochen hat, dass das der einzige Weg ist, um vielleicht doch irgendwie „nach Europa“ zu kommen. Schon 2019 stand Griechenland europaweit an vierter Stelle der Asylanträge! Dass Moria besonders bekannt ist, weil es das größte und zudem ein von NGOs vorgezeigtes und lauthals beklagtes Lager ist (Spendengelder!), macht die Situation der anderen Flüchtlinge und Migranten nicht besser.
    Das Flüchtlings-Migranten-Thema gerät immer dann in die Aufmerksamkeit, wenn es eine aktuelle Notlage gibt. Grundsätzliche Entscheidungen fehlen, es fehlen sogar brauchbare Vorschläge. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass eine Gleichverteilung über die EU das Problem lösen würde. Die Flüchtlinge-Migranten wollen nicht „irgendwo“ hin, sondern dorthin, wo sie Verwandte und Bekannte und vielleicht auch eine lebenswerte Zukunft haben. Daher wollen sie aus Griechenland weg und versuchen es mit allen Mitteln. ZB jetzt auch mit dem Brand. Sie verstehen nicht, warum sie nicht weiterreisen dürfen, verdächtigen die Griechen, dass sie sie absichtlich festhalten, „um Geschäfte zu machen“. Die schlimmen Griechen, die böse konservative Regierung – liest man auch auf vielen Websites der NGOs, und das sind wohl auch die Gerüchte, die unter den Verzweifelten in Umlauf gebracht werden. Vor fünf Jahren wurden alle Neuankömmlinge durchgewinkt, ja, das waren gute Zeiten, so soll es wieder sein. Auf nach Germanien! Da wollen wir hin! Schmeißt Steine auf die Polizei, fackelt das Lager ab, beschimpft die Griechen, diee euch an der freien Ausreise hindern – haut euch durch…. bis zur nächsten Grenze, zum nächsten Skandal. Und schafft ihr es nach Germanien, werdet ihr von den dortigen guten Menschen mit Blumen begrüßt.
    Wen kümmert es, dass Griechenland durch den Schengenvertrag dazu verdonnert ist, sie hier festzuhalten und irgendwie unterzubringen? Dass es verpflichtet ist, seine Grenzen mit großem Kostenaufwand und unter Verlsut seiner Menschlichkeit zu sichern gegen neue Hilfesuchende, die, sind sie einmal da, hinzukommen zu den schon vorher schlecht Verwalteten? Beschäftigung kann man ihnen nicht bieten, Weiterreise darf man ihnen nicht gestatten. Was erwartet man eigentlich, wie sich die hiesige Bevölkerung dabei fühlt, ein ungeliebtes, beschimpftes Gastland, ein „Lager für beschädigte Seelen“ zu sein, während die eigenen Kinder ihr Glück in der Fremde suchen müssen?

    Jetzt heißt es in Brüssel, die Bewohner von Moria sollen gefälligst auf Lesbos bleiben. Klar. Wäre ja auch „das falsche Signal“, wenn man Brandstifter belohnt. Hat man die Bewohner der Insel eigentlich gefragt, wie sie es finden, dass ihre Insel ruiniert wurde, dass ihre uralten Olivenbäume als Brennholz für verzweifelte Menschen dienen? Und großspurige ausländige Helfer mit ihren feinen Pick-Ups und menschenfreundlichen Sprüchen herumfahren und sich beklagen, weil sie sich an die Gesetze halten sollen?

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